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Angst in Berlin

Angst in Berlin Beauty-Unternehmer flüchten aus Furcht "abgestochen" zu werden

ms - 11.12.2025 - 11:00 Uhr
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Nach rund 30 Jahren in der Hauptstadt kehren der Make-up-Artist Beni Durrer und sein Ehemann René Durrer-Lehmann Berlin den Rücken. Die beiden Betreiber eines Beauty-Unternehmens berichten von einer Entwicklung, die ihnen das Leben in der Stadt zunehmend verleidet habe. „Berlin ist am Ende“, sagt der 57-Jährige. Die Entscheidung, dauerhaft in die Schweiz umzuziehen, sei inzwischen endgültig.

Egoismus und Kriminalität 

Durrer war Mitte der 1990er Jahre nach Berlin gekommen und hatte dort ein Make-up-Label aufgebaut. Die Stadt sei für ihn damals ein Ort der Offenheit gewesen, erzählt er. „In der Schweiz fühlte ich mich eingeengt, Berlin war damals die offene, freigeistige Stadt, die ich gesucht habe.“ Später lernte er über eine Dating-App seinen heutigen Mann kennen; ein Jahr nach dem Kennenlernen heiratete das Paar. Beide nahmen regelmäßig an Christopher-Street-Day-Paraden teil und engagierten sich für Gleichberechtigung.

Heute empfindet der Unternehmer die Stadt jedoch als stark verändert. „Die Stadt hat sich extrem negativ entwickelt. Die Stimmung, die Kriminalität, der Egoismus – alles ist bedrückender geworden.“ Der Unterschied zur Schweiz falle ihnen bei jeder Rückkehr nach Berlin auf: „Sobald wir hier landen, fühlt es sich wie eine andere Welt an. Das macht uns Angst.“

Angst davor, „abgestochen zu werden“

Mehrere homophobe Übergriffe und Bedrohungen hätten das Sicherheitsgefühl nachhaltig beschädigt. „Solche Sprüche wie: ‘Ich steche dich ab, du Schwuchtel’ sind hier mittlerweile normal – aber das darf einfach nicht sein in Berlin“, sagt Durrer. „Mittlerweile können wir uns als Paar längst nicht mehr so offen zeigen wie früher. Man lebt viel mehr in Angst.“ Sein Mann René, ein gebürtiger Berliner, teile diese Einschätzung. „Er hätte früher nie gedacht, jemals auszuwandern“, sagt Durrer. „Doch er war der Erste, der sagte: ‘Lass uns gehen.’“

Der Entschluss reifte während der Corona-Pandemie. Zunächst habe Durrer gezögert, doch er schildert eine zunehmend belastende Mischung aus steigenden Mieten, leerstehenden Geschäften, einem Gefühl politischer Untätigkeit und immer wiederkehrenden Bedrohungen. „Berlin ist am Ende. Dazu stehe ich. Alle, die das anders sehen, sollten sich hier vor Ort selbst ein Bild machen“, sagt er. Als besonders frustrierend beschreibt er das fehlende Sicherheitsgefühl im unmittelbaren Umfeld. „Hier laufen Straftäter herum, die seit Jahren immer wieder kriminell auffallen, und die Polizei darf nicht handeln. Wie kann das sein?“

Auch gesellschaftlich beobachte er eine problematische Entwicklung. „Es kann nicht sein, dass hier Gruppen auftreten, die unsere demokratischen Werte verachten – und niemand zieht Konsequenzen. Wir haben so lange dafür gekämpft, akzeptiert zu werden. Und jetzt erleben wir wieder, dass uns Leute vorschreiben wollen, wie wir zu leben haben. Das macht mich wütend.“

Neuanfang in Luzern

Als das Schweizer Fernsehen eine Homestory über das Paar drehte und ein mögliches Format über ihren Umzug plante, sei der endgültige Schritt schnell erfolgt. In Luzern fanden sie eine neue Wohnung und einen passenden Standort für ihr Geschäft. Seit Oktober betreiben sie dort einen Flagship-Store ihrer Marke. „Dieser Laden zeigt uns, wie es sein kann: Die Menschen sind höflicher, dankbarer, wertschätzender. Sie kaufen bewusst Qualität, ganz anders als in Berlin“, berichtet Durrer. 

Die ersten Wochen seien vielversprechend gewesen: „Das gibt uns Mut und die Bestätigung, dass wir das Richtige tun.“ Das Geschäft in der Eisenacher Straße in Berlin wollen sie weiterhin betreiben, vor allem wegen ihrer langjährigen Kundschaft. Eine Rückkehr in ihr früheres Privatleben in Berlin schließen sie jedoch aus. Trotz des entschlossenen Aufbruchs bleibt ein Gefühl von Abschied. „Berlin steckt voller Erinnerungen und Träume, die wir hier gelebt haben. Aber die Zeit ist vorbei. Heute ist es nur noch anstrengend und mühsam“, sagt Durrer. In der Schweiz fühlten sich beide sicherer und respektiert. „Die Herzlichkeit in Luzern ist unbeschreiblich. So war Berlin früher auch mal. Aber das ist lange vorbei.“ Zuletzt machte bereits Entertainer Hape Kerkeling Schlagzeilen, der Berlin zusammen mit seinem Mann verlassen hatte, weil die Stadt „deutlich homophober“ geworden sei. 

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