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Alkohol unter Homosexuellen Jeder Fünfte braucht Alkohol für eine gelungene Party

Von ms - 09.09.2022 - 11:00 Uhr
Gute Laune nur noch mit Alkohol?
Foto: IMAGO / YAY Images
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Studien der letzten Jahre belegten immer wieder, dass es zwischen Alkohol und Homosexuellen eine unheilvolle Allianz gibt und die Schäden rund um übermäßigen Konsum seit der Corona-Pandemie noch einmal größer geworden sind als in der Allgemeinbevölkerung. Letzteres bestätigte nun auch eine US-Studie, Fachleute gehen von ähnlichen Entwicklungen auch in der deutschen LGBTI*-Community aus, vor allem auch deswegen, weil im gleichen Zeitraum Depressionen und depressive Verstimmungen unter LGBTI*-Menschen weiter rapide angestiegen sind (Zunahme um 67 Prozent, Quelle: anyway Köln). Die US-Studie zeigt auf, dass der Alkoholkonsum sowie auch ein übermäßiges Konsumverhalten bei jedem dritten schwulen jungen Mann zugenommen habe (University Maryland Prevention Research Center). In Zahlen bedeutet das eine Zunahme von 32 Prozent; im gleichen Zeitraum stieg der Alkoholkonsum in der Gesamtbevölkerung “nur“ um 14 Prozent.

Die neuste Studie von Statista (GCS Special) bestätigt jetzt zudem, dass für jeden fünften Deutschen Alkohol ein Must-Have beim Ausgehen ist, kurz gesagt ist aus dem vermehrten Alkoholkonsum eine Gewohnheit geworden. Die Community in Deutschland steht dabei noch relativ gut da – in Großbritannien benötigen rund 40 Prozent der Briten inzwischen zwingend Alkohol für einen schönen Abend. Die Gründe, warum ausgerechnet Alkohol in der Gay-Community bis heute so eine große Wichtigkeit erfährt und seit der Pandemie noch einmal an Brisanz zugenommen hat, werden mit spezifischen Aspekten von LGBTI*-Menschen umschrieben: Nebst der generellen Mischung von Langeweile, Angst und psychischem Stress, den Menschen vermehrt seit der Pandemie ausgesetzt sind, kommen durch die Erfahrungen von Isolation und Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung sowie durch weitere ablehnende Aspekte im familiären Umfeld wie auch im Freundeskreis oder bei Schule und Beruf bei homosexuellen und queeren Menschen weitere Triggerpunkte hinzu, die einen übermäßigen Alkoholkonsum begünstigen. Neuerdings dürfte auch die Verbreitung der Affenpocken gerade innerhalb der Gay-Community abermals zu Gefühlen von Isolation und Angst führen – und das, während gerade die dunkle Jahreszeit inklusive möglicher, ansteigender Corona-Fallzahlen vor der Tür steht.

Ein Aspekt, der gerade auch bei queeren Menschen besonders rapide anschlägt, ist die Unterbrechung von sozialen Kontakten, also verminderten Treffen mit der emotional wichtigen Wahlfamilie, die oftmals die eigentlichen Verwandtschaftsverhältnisse in puncto Wichtigkeit bei weitem überragt. Fallen diese Weg, empfinden Homosexuelle dies oftmals als deutlich dramatischer, so das US-Expertenteam. Auch Schwerpunktkliniken für Suchterkrankte können ähnliche Entwicklungen bestätigen. Die Organisation “Gay and Sober“ in New York hat zudem festgehalten, dass vor allem jüngere und/oder ungeoutete LGBTI*-Menschen in besonderer Weise davon betroffen sind und so auch stärker zu betäubenden Substanzen wie Alkohol neigen. Auf politischer Seite rät die Weltgesundheitsorganisation dazu, die Verfügbarkeit einzuschränken, die Kosten zu erhöhen und die Vermarktung von Alkohol zu reduzieren. Von privater Seite aus können Therapien, Beratungsangebote von der Deutschen Aidshilfe bis zum Coming Out Day Verein oder auch die Stärkung sozialer Kontakte hilfreich sein, um seinen Alkoholkonsum wieder besser in den Griff zu bekommen.

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