Direkt zum Inhalt

Abschiebung in Bayern Erneut scharfe Kritik an der Politik des BAMF

Von ms - 09.02.2026 - 14:45 Uhr
Abschiebung in Bayern
Foto: Adiri Lubega privat
ANZEIGE
Loading audio player...

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) will den schwulen Ugander Adiri Lubega (33) in seine Heimat abschieben, wie die Sub-Flüchtlingsberatung jetzt erklärte. Sein Asylantrag wurde demnach vom BAMF trotz seiner Homosexualität laut Flüchtlingsberaterin Anita Beneta abgelehnt; eine Klage und ein Eilantrag blieben ebenso erfolglos. In Uganda wird Homosexualität mit hohen Gefängnisstrafen bis hin zur Todesstrafe geahndet.  

Lebensgefahr in Uganda 

Nach Einschätzung des Vereins ist der 33-Jährige in Bayern gut integriert: Er lebt seit 2024 offen schwul in Deutschland, spricht die deutsche Sprache, arbeitet als sozialversicherungspflichtiger Pflegehelfer, führt eine Beziehung und engagiert sich ehrenamtlich. Die Beratungsstelle spricht daher von einem „gefährlichen Präzedenzfall“, Lubega drohe in Uganda „Lebensgefahr“, der junge Mann sei in seiner Heimat in der Vergangenheit bereits aufgrund seiner Homosexualität verfolgt und inhaftiert worden. 

Das BAMF hat den Fall dabei als „offensichtlich unbegründet“ abgelehnt – mit dieser besonderen Einstufung hat Lubega nicht die Möglichkeit, vor einem Verwaltungsgericht gegen die Entscheidung zu klagen. Lubega wird damit direkt aufgefordert, Deutschland „freiwillig“ zu verlassen – tut er dies nicht, droht die Abschiebung. 

Entscheidung sei ein Skandal

Beneta betonte dazu: „Für LGBTIQ* zählt Uganda zu den gefährlichsten Ländern weltweit. Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind strafbar, staatliche Repressionen, willkürliche Verhaftungen und gesellschaftliche Gewalt und sind gut dokumentiert (…) Polizei und Justiz werden in Uganda gezielt als Instrumente zur Verfolgung von LGBTIQ* eingesetzt. Sie handeln häufig auf Grundlage von Denunziationen, Korruption oder politischem Druck.“

Wie dramatisch die Lage vor Ort ist, belegen inzwischen zahlreiche Berichte von Betroffenen wie aber auch internationale Organisationen wie Amnesty International, Human Rights Watch, UNHCR oder auch die ILGA World. „Diese Entscheidung ist ein Skandal. Wir Beraterinnen erleben tagtäglich, wie queere Geflüchtete aus Uganda unter massivem psychischem Druck und ständiger Angst leiden. Sie sind aufgrund ihrer Erfahrungen und der Flucht in den meisten Fällen traumatisiert.“

Kein Einzelfall beim BAMF

Lubega sei dabei kein Einzelfall, immer wieder würde das BAMF aufgrund eines vermeintlich fehlenden Fluchtgrundes eine Abschiebung beschließen. In der letzten Monaten haben bereits mehrere queere Verbände wie auch der LSVD+ darauf hingewiesen, dass viele Betroffene nur sehr schwer über ihre Homosexualität oder ihre Erfahrungen mit Gewalt, Folter und Verfolgung berichten können – die Folge ist oftmals die Ablehnung seitens des BAMF. 

Flüchtlingsberaterin Hannah Blevins betonte abschließend: „Dieser Fall stellt einen gefährlichen Präzedenzfall dar. Wenn selbst homosexuelle Geflüchtete aus Uganda keinen Schutz mehr in Deutschland erhalten, untergräbt das die menschenrechtlichen Grundsätze unseres im Grundgesetz verankerten Rechts auf Asyl.“ Inzwischen wurde auch der LSVD+ Bayern eingeschaltet. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

BILDCSD-Terrorist Abdul Ballout - Justiz ließ ihn vor Anschlag immer wieder laufenSüddeutsche ZeitungVeranstaltung in Garching: Fundamentalistische Hassbotschaften im BürgerhausDER STANDARDMit Troye Sivans "She’s The Best" auf der etwas anderen PartytazRazzien gegen Queers in der Türkei: Finsternis am BosporusAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Teilerfolg in der Türkei

Gesperrte Konten wieder frei

Nach internationalem Protest sind viele Instagram-Konten queerer Vereine in der Türkei wieder sichtbar – doch Aktivisten bleiben inhaftiert.
Asylrecht unter Druck

Amnesty und LSVD+ warnen

LSVD+, Amnesty und 36 Vereine fordern die Bundesregierung auf, das Asylrecht zu verteidigen und eine Aufweichung von EU-Grundrechten zu verhindern.
Amoklauf in Bayern

Neue Details zum Hintergrund

Nach dem Amoklauf von Schongau lenkt ein von Queerfeindlichkeit und Rassismus geprägtes Manifest den Blick auf versäumte Präventionsmöglichkeiten.
Nacktheit bei Heated Rivalry

Intime Dreharbeiten ohne Grenzen?

Die Hauptdarsteller von „Heated Rivalry“ waren zu kompletten Frontalnacktaufnahmen bereit. Regisseur Jacob Tierney entschied sich jedoch dagegen.
Frauen und Schwulenpornos

Besonderer Reiz für die Damenwelt

Die Hälfte des Publikums schwuler Pornos auf Pornhub ist inzwischen weiblich. Studien zeigen, warum Frauen Sex zwischen Männern so interessant finden.
Spätes Coming-Out mit 40

Saunabesuche, Sex und Politik

Der bekannte britische Radiomoderator Iain Dale spricht über Homophobie bei den Tories, sein spätes Coming-Out und sein früheres Sexleben.
Polizeieinsatz bei Halk TV

Türkei geht erneut gegen Medium vor

Nach einer Razzia bei Halk TV in der Türkei übernimmt der Staat jetzt die Kontrolle. Die Opposition kritisiert den Eingriff in die Pressefreiheit.
Social-Media-Verbot kommt

Regierung verschärft Jugendschutz

Die Bundesregierung plant strengere Social-Media-Regeln für Minderjährige. Für queere Jugendliche geht es dabei auch um wichtige Schutzräume.
Pentagon-Chef unter Druck

Kritik an US-Verteidigungsminister

Der schwule Demokrat Pete Buttigieg wirft US-Verteidigungsminister Pete Hegseth strategisches Versagen im Iran-Krieg vor und fordert seinen Rücktritt.