Ein interessantes Profil, ein heißes Foto, die erste Nachricht: Wer Grindr öffnet, denkt meist ans Kennenlernen. Was im Hintergrund mit den eigenen Angaben passiert, ist deutlich weniger aufregend – aber wichtig. Nach der neuen Kritik an Grindrs KI-Datennutzung lohnt sich ein Blick in die Einstellungen. Mit dieser Checkliste prüfst du, welche Freigaben du geben möchtest.
Das Wichtigste im Überblick
- Prüfe die KI-Schalter einzeln: Eine Einstellung ersetzt keinen vollständigen Datenschutz-Check.
- Werbeeinwilligungen und Standortfreigaben kontrollierst du zusätzlich.
- Weniger sichtbare Angaben bedeuten nicht automatisch, dass die App weniger Daten verarbeitet.
- Ein Widerruf wirkt für die Zukunft; eine Löschung musst du gegebenenfalls gesondert verlangen.
1. Die KI-Schalter prüfen
Öffne Grindrs Einstellungen und den Datenschutzbereich. Die offizielle KI-Hilfe nennt den Bereich „AI Technology Controls“. Suche dort nach diesen beiden Einträgen; die englischen Bezeichnungen helfen bei der Zuordnung:
- „AI Technology Training: Special Category Data“: Prüfe die Einwilligung zum Training mit sensiblen Angaben wie Chat-Inhalten, sexueller Rolle oder genauem Standort. Willst du das nicht, erteile diese Freigabe nicht beziehungsweise nimm sie zurück.
- „Enable gAI™ Features“: Deaktiviere die Option, wenn du die dort beschriebene KI-Nutzung ablehnst. Grindr ordnet diesem Schalter auch Training mit Profilfotos, Anzeigenamen, Alter und Taps zu und beschreibt diese Verwendung als standardmäßig möglich.
Grindr unterscheidet das Training von personalisierten KI-Funktionen, etwa Chat-Vorschlägen. Sicherheitsprüfungen gegen Betrug oder schädliche Inhalte lassen sich laut Anbieter nicht abwählen. Angaben wie HIV-Status und Impfstatus sind nach seiner Darstellung von KI-Training und KI-Funktionen ausgenommen.
Fehlt ein Eintrag? Das ist keine verlässliche Aussage darüber, wie dein Konto verarbeitet wird. Frage beim Support gezielt nach den KI-Einstellungen für dein Konto in Deutschland. Die englische Hilfeseite ersetzt keine Kontrolle der tatsächlich angezeigten Optionen.
2. Werbung getrennt kontrollieren
Ein KI-Schalter regelt nicht automatisch deine Werbeeinwilligungen. Suche in den Einstellungen nach dem Einwilligungsbereich, den Grindr „Consent Preference Center“ nennt. Dort kannst du die Kategorie Werbung prüfen. Für die EU beschreibt die Datenschutzerklärung eine Einwilligung bei nicht notwendigen Cookies und ähnlichen Technologien.
Grindr nennt je nach Plattform unterschiedliche Zugänge: über „Security and Privacy“ zum Einwilligungszentrum oder unter „Safety & Privacy Center“ über „Privacy“ zu den Werbeeinstellungen. Die Anleitung zu personalisierter Werbung erklärt diese Varianten. Ein fehlender Menüpunkt beweist daher nicht, dass du etwas übersehen hast. Auch ohne interessenbezogene Werbung können weiterhin Anzeigen erscheinen.
3. Standort und Profil aufräumen
Kontrolliere auf deinem Handy zusätzlich, welchen Standortzugriff du Grindr erlaubst. Laut Datenschutzerklärung kannst du die Standortdienste in den Geräte-Einstellungen deaktivieren. Das kann standortabhängige Funktionen einschränken. Wichtig: Die Entfernung im Profil auszublenden ist etwas anderes. Grindr erklärt ausdrücklich, dass Profile dann weiterhin nach ihrer relativen Nähe sortiert werden.
Sieh dir anschließend dein öffentliches Profil an: Muss der Arbeitsplatz hinein? Ist auf dem Foto die eigene Haustür erkennbar? Welche Details möchtest du fremden Menschen tatsächlich zeigen? Gesundheitsangaben sind freiwillig. Veröffentlichst du sie im Profil, können sie andere Profilbesucher sehen. Entscheide selbst, was du teilen möchtest – die Einstellung für KI ändert diese Sichtbarkeit nicht.
4. Widerruf ist keine Löschung
Wer eine Einwilligung zurücknimmt, dreht die Zeit nicht zurück. Grindrs Datenschutzerklärung unterscheidet zwischen Widerruf, Widerspruch, Auskunft und Löschung. Aus einer deaktivierten Option folgt daher nicht, dass sämtliche zuvor verarbeiteten Daten gelöscht oder bereits trainierte Modelle zurückgesetzt werden.
Für eine konkrete Anfrage kannst du Grindrs Datenschutzformular für EU- und EWR-Nutzer verwenden oder an privacy@grindr.com schreiben. Benenne genau, worum es geht: Welche Informationen werden für KI genutzt? Du möchtest Auskunft, einer Verarbeitung widersprechen oder Daten löschen lassen? Teile dabei nur die zur Zuordnung nötigen Angaben.
Speichere dir deine Anfrage und die Antwort. Ein Screenshot der gewählten Einstellungen kann dir ebenfalls helfen, den Überblick zu behalten. Dass Datenschutz bei Grindr schon länger ein Thema ist, zeigt der Streit um die frühere Weitergabe sensibler Nutzerdaten. Die aktuelle Entscheidung beginnt aber ganz praktisch: mit dem nächsten Blick in deine eigenen Einstellungen.