Top, Bottom, Vers oder Side: Diese Begriffe begegnen dir auf Dating-Apps und in Gesprächen über Sex zwischen Männern. Sie beschreiben sexuelle Vorlieben und können helfen, Wünsche auszudrücken. Über Persönlichkeit, Männlichkeit oder den Wert eines Menschen sagen sie nichts aus. Und niemand muss sich auf eine Bezeichnung festlegen.
Das Wichtigste im Überblick
- Top bezeichnet beim Analverkehr die eindringende Rolle, Bottom die aufnehmende.
- Vers ist die Kurzform von „versatile“ und beschreibt Interesse an beiden Rollen.
- Side steht für Menschen, die Sex ohne Analverkehr bevorzugen.
- Eine Vorliebe sagt nichts darüber aus, wer dominant oder unterwürfig ist.
- Profilangaben ersetzen keine Absprache und kein Einverständnis.
Was bedeutet Top?
Im schwulen Dating wird Top meist für jemanden verwendet, der beim Analverkehr die eindringende Rolle bevorzugt. Manchmal steht dafür auf Deutsch „aktiv“. Das ist eine verkürzte Beschreibung einer sexuellen Vorliebe. Daraus lässt sich weder ableiten, wie jemand aussieht, noch wie er sich in einer Beziehung verhält.
Was bedeutet Bottom?
Bottom beschreibt beim Analverkehr die aufnehmende Rolle. Die deutsche Bezeichnung „passiv“ kann dabei missverständlich sein: Ein Bottom gestaltet eine Begegnung ebenso mit und kann Wünsche, Tempo und Grenzen benennen. Auch ein selbstbewusster oder dominanter Mann kann Bottom sein. Sexuelle Rolle und Auftreten sind verschiedene Dinge.
Was heißt Vers oder Versatile?
Vers steht für „versatile“, auf Deutsch etwa vielseitig. Gemeint ist, dass jemand sowohl die eindringende als auch die aufnehmende Rolle mag. Das bedeutet nicht, dass beide Rollen bei jedem Treffen vorkommen müssen oder gleich häufig gewünscht sind. Angaben wie „Vers Top“ und „Vers Bottom“ drücken häufig eine Tendenz aus.
Davon zu unterscheiden ist „Switch“ im BDSM-Kontext: Dort geht es um einen Wechsel zwischen dominanten und submissiven Rollen. Eine Person kann Vers und Switch sein, muss es aber nicht. Auch Grindr unterscheidet diese Begriffe.
Was bedeutet Side?
Side bezeichnet Menschen, die keinen Analverkehr möchten und andere Formen sexueller Nähe bevorzugen. Dazu können Küssen, Berührungen oder Oralverkehr gehören. Welche Praktiken eine Person mag, ist individuell. Side ist deshalb keine vollständige Liste dessen, was jemand tun möchte – und auch kein anderes Wort für asexuell.
Der Therapeut Joe Kort machte die Bezeichnung bekannt, um Menschen jenseits der Einteilung in Top und Bottom sichtbarer zu machen. Grindr nahm Side 2022 als Profiloption auf. Über die Einführung berichteten wir in unserem Artikel zur Side-Option. Die aktuelle Grindr-Hilfe führt Top, Vers, Bottom und Side weiterhin als optionale Profilangaben.
Keine Rolle ist eine Verpflichtung
Ein Top muss nicht dominant sein, ein Bottom nicht feminin. Eine Vers-Angabe bedeutet kein Einverständnis mit jeder Praktik. Und wer sich als Side bezeichnet, muss seine Vorlieben nicht begründen. Wünsche können über längere Zeit stabil bleiben oder sich verändern. Das Label soll die Verständigung erleichtern, nicht Erwartungen festschreiben.
Ein hilfreicher Gesprächseinstieg ist: „Was möchtest du heute, und was ist für dich ausgeschlossen?“ Du kannst auch sagen, dass du unsicher bist oder etwas zunächst kennenlernen möchtest. Niemand muss Erfahrungen nachholen oder eine andere Person von seiner sexuellen Rolle überzeugen. Du darfst dein Einverständnis jederzeit zurücknehmen.
Vorlieben im Profil erklären
Wer eine Dating-App nutzt, kann eine Bezeichnung mit einem kurzen Satz ergänzen – beispielsweise, dass zunächst ein Kennenlernen gewünscht ist. Die Angabe ist freiwillig. Für ein Treffen zählen eure tatsächlich besprochenen Wünsche. Unser Ratgeber für ein sicheres erstes Grindr-Date erklärt, wie du die Begegnung vorbereiten kannst.
Begriffe wie Bear, Otter oder Twink beschreiben etwas anderes als sexuelle Rollen. Wie diese Selbstbeschreibungen verwendet werden, liest du im Ratgeber zu Grindr-Tribes. Körperbau und Alter lassen keine verlässlichen Schlüsse auf Top, Bottom, Vers oder Side zu.
Stand: 14. Oktober 2026.