Non-binäre Figur mit Gegenwind Rechte attackieren queere Heldin in Mittelalter-Game
Inmitten aktueller Kontroversen rund um LGBTIQ+-Sichtbarkeit sorgt das italienische Mittelalter-Adventure „1348 Ex Voto“ zum Release für Schlagzeilen – nicht wegen seines Schauplatzes in der Pestzeit, sondern aufgrund rechter Kampagnen gegen seine queer gelesene Hauptfigur. Das Spiel, das am 12. März für PC und PlayStation 5 erschienen ist, rückt erneut die Polarisierung kultureller Inhalte zwischen Fortschritt und konservativen Ideologien ins Scheinwerferlicht und wirft Fragen zur Darstellung marginalisierter Identitäten in der Unterhaltungsbranche auf.
Queere Heldin erhält internationale Aufmerksamkeit
Im Zentrum steht die junge Ritternovizin Aeta, gesprochen und verkörpert von der nichtbinären Persönlichkeit Alby Baldwin. Ihre Mission führt quer durch ein fiktiv interpretiertes, raues Italien zur Zeit der Pest. Die Charakterisierung – Aeta ist weiblich, kämpft aber in einem männlich dominierten Milieu – wird von Rechten massiv angegriffen. Auch Aetas Freundin Bianca, dargestellt von Jennifer English, die sich offen queer identifiziert, steht im Fokus. Die Entwicklerinnen und Entwickler thematisieren Diversität bewusst, ohne daraus das Leitmotiv des Spiels zu machen – ein Ansatz, der medial als fortschrittlich, von Gegnern aber als „Agenda“ diffamiert wird. Dabei berichtet die Deutsche Welle, dass Vielfalt in Games immer öfter Ziel rechtspopulistischer Angriffe ist, meist unter Vorwand angeblich fehlender historischer Authentizität.
Rechte Hetze und Falschinformationen prägen das Echo
Bereits im Vorfeld wurde das Spiel international von konservativen und rechten Content Creators attackiert. Die US-amerikanische YouTuberin Vara Dark produzierte binnen weniger Wochen mehrere Videos gegen „1348 Ex Voto“ und warf dem Entwicklerstudio Sedleo finanzielle Vorteilsnahme durch „Identitätspolitik“ vor. Ähnliche Töne schlägt der italienische YouTuber Fabio „Zef92“ Cavallari an. Er behauptet, das Studio profitiere unrechtmäßig von Fördermitteln. Tatsächlich belegen offizielle Daten, dass für das Projekt lediglich ein steuerlicher Förderkredit für Kulturproduktionen gewährt wurde, wie bei vergleichbaren audiovisuellen Werken üblich. Vergleichbare Angriffe auf LGBTIQ+-Games mehren sich weltweit. So wurden etwa jüngst auch Titel wie Baldur’s Gate 3 gezielt von Online-Kampagnen gegen Diversität getroffen.
Kulturelle Identität und mediale Verantwortung
Die lautesten Vorwürfe der Gegnerinnen und Gegner richten sich meist gegen die angebliche „Unvereinbarkeit“ nichtheteronormativer Figuren mit historischen Settings. Externe wissenschaftliche Studien und die Europäische Spieleindustrie bestätigen jedoch, dass historische Genauigkeit in Games Interpretationsspielraum lässt und diverse Narrative in fiktionalen Kontexten nicht nur legitim, sondern gesellschaftlich wünschenswert sind.
Die Angriffe gegen „1348 Ex Voto“ verdeutlichen den anhaltenden Kulturkampf um Sichtbarkeit und Teilhabe marginalisierter Gruppen. Während progressive Stimmen Diversität als notwendigen Schritt hin zu realistischeren Medienlandschaften fordern, versuchen rechte Gruppen weiterhin, die Definitionsmacht kultureller Normen zu festigen. Die Resonanz auf „1348 Ex Voto“ zeigt, dass die Frage, wessen Geschichten erzählt werden, längst im Zentrum gesellschaftlicher Aushandlung steht und in Zukunft weiter an Dringlichkeit gewinnen dürfte.