Suche nach Mr. Right „Männerbeschaffungsmaßnahmen“ in Hamburg
Vier Frauen und ein ungewöhnliches Seminar als fulminante Theaterkomödie: Wie angelt man sich den Mann fürs Leben? In „Männerbeschaffungsmaßnahmen“ in der Komödie Winterhuder Fährhaus erfahren wir es. SCHWULISSIMO wollte es genauer wissen und fragte nach bei Schlagerstar Linda Hesse, die mit dem Stück das erste Mal auf einer Theaterbühne steht.
„Männerbeschaffungsmaßnahmen“ klingt nach einem Kurs, den auch schwule Männer dringend besuchen sollten. Was wäre dein Geheimtipp, um sich einen Mann zu „beschaffen“?
Prinzipiell geht es in dem Kurs eher um Selbstliebe - nach mehr oder weniger häufigen Bruchlandungen in Sachen Liebe sitzen wir da auf einer Art emotionalen Expedition zu unseren tiefen Gefühlen und somit zu uns selbst. Es geht beim „Männer beschaffen“ mehr darum, den Selbstwert zu finden - durch Atmen. Es heißt ja nicht umsonst, dass wir uns von Luft und Liebe ernähren. Ohne genügend Luft würde auch der größten Liebe die Puste ausgehen.
Viele Songs des Stücks – etwa „It’s Raining Men“, „Ich will keine Schokolade“ oder auch „Somewhere over the Rainbow“ – sind große Hymnen der LGBTIQ+-Community. Was macht diese Lieder für dich so besonders?
Eines meiner Highlights ist „Ich will keine Schokolade“. Weil ich das Original so liebe und es im Stück einfach wild wird. Bei „Somewhere over the Rainbow“ hatte ich größere Hemmungen. Das Lied kann man nicht besser singen als das Original oder in der Version von Eva Cassidi. Ich hab Stunden mit meiner Gesangslehrerin Roberta Cunnigham gebraucht, um dieses Lied für mich zu knacken. Vielleicht wollte ich die Emotionen auch nicht zulassen, die ich dabei fühle. Jetzt bin ich sehr froh, loslassen zu können, und dieses Lied einfach zu fühlen. Von daher kann ich es zu 1000 Prozent verstehen, dass dieses Lied eine Hymne für alle ist, die zu ihren Gefühlen stehen. Eine besondere Verbindung zum Publikum fühle ich übrigens bei „Schlampenfieber“ von Rosenstolz. Jasper singt den Song im Stück und sie hat so viel Kraft und Energie, dass es unheimlich Spaß macht, dabei mit ihr auf der Bühne zu stehen.
Was hat dich an deiner Rolle im Stück gereizt – und gibt es Gemeinsamkeiten?
Sabine und Linda sind beides Singlefrauen – hoffnungslos hoffnungsvoll, idealistisch und manchmal auch etwas mit dem Kopf in den Wolken. Linda ist allerdings rationaler und nicht so unterwürfig. Unterhosen würde ich niemals bügeln und die klassische Rollenverteilung zwischen Mann und Frau liegt mir fern. Gereizt hat mich vor allem die Theaterbühne an sich – Schauspielen ist außerhalb meiner Komfortzone und ich fühlte mich geschmeichelt, dass mir Regisseur Dietmar Löffler diese Rolle angeboten und zugetraut hat.
Die Komödie beschäftigt sich mit Einsamkeit, Selbstzweifeln und dem Wunsch nach Nähe. Sind das Themen, bei denen Du glaubst, dass sich gerade auch Menschen aus der queeren Community besonders gut wiederfinden können?
Die queere Community wird so oft konfrontiert mit opportunen Meinungen, dass sie sich wahrscheinlich leider oft so fühlen muss. Ich muss aber natürlich dazu sagen, dass ich es nur nachempfinden, aber nicht persönlich beurteilen kann. Mein Herz schlägt queer, deshalb hat die Community in mir eine Ally. Im Juni stand ich das erste Mal bei einer queeren Gala auf der Bühne im Berliner Theater des Westens und fühlte mich so safe in einer Umgebung, wo alle alles sein können und vor allem eins – verbunden. Ich hoffe sehr, dass wir das auch mit dem Stück erreichen können.
Eine deiner ersten Singles trug den Titel „Ich bin ja kein Mann“. Was würdest Du denn gerne einmal machen wollen, wenn Du für einen Tag ein Mann sein könntest?
Also generell liebe ich es, eine Frau zu sein. Aber tatsächlich würde ein Tag nicht reichen, denn ich wüsste schon gern, wie sich ein ganzer Monat ohne hormonelle Schwankungen und allem, was dazu gehört, anfühlt. Bei einem Tag würde ich aller Wahrscheinlichkeit nach auf jeden Fall masturbieren, um zu checken, wie es sich anfühlt.
„Nur nicht aus Liebe weinen“ und „Ich will keine Schokolade“ – das sind ziemlich selbstbewusste Ansagen. Welche dieser beiden Haltungen liegt dir näher?
Ich will keine Schokolade! Safe. Bin eher Typ Gummibärchen und Popcorn. Außerdem finde ich aus Liebe zu weinen, auf jeden Fall auch einen guten Grund. Tränen transportieren die traurigen Teilchen in uns nach außen, damit wir danach wieder klar sehen können.
Du spielst mit einem tollen Kollegen-Team zusammen. Wie sind deine Erfahrungen in der Zusammenarbeit?
Dieses Ensemble ist für mich ein großes Glück. Wenn ich persönlich auch immer ein paar Tage brauche, um anzukommen. Außerdem kam ich auch mit einer Ungewissheit dorthin. Ich bin sozusagen der Imposter, es ist mein Theaterdebüt. Ich beobachte die anderen gern, um dann doch die eine oder andere Maske oder Barriere fallen zu lassen. Alle haben genug Feingefühl, der anderen im richtigen Moment einen liebgemeinten Ratschlag zu geben. Besonders bei den sehr ungehemmten Szenen fiel es mir in den Proben schwer mitzugehen… aber mit Publikum wird es leichter. Wir sind fünf Zirkuspferde, wir brauchen die Manege.
Wenn Du eine schwule Hymne auswählen müsstest, die dein eigenes Leben beschreibt: Welcher Song wäre es?
„Somewhere over the Rainbow“ finde ich schon besonders schön. Dieses hoffnungsvolle Sehnsucht ist so unfassbar zeitlos, das mag ich sehr. „Where Troubles melt like Lemondrops“ ist wirklich eine der bittersüßesten Zeilen ever und es entspricht einfach auch meinem Harmoniebedürfnis. Oder, um eine meiner größten Ikonen, Dolly Parton, zu zitieren: „Wenn du den Regenbogen möchtest, dann musst du auch mit dem Regen klarkommen.“
Wenn Du einem schwulen Mann für die Suche nach seinem Traummann einen Rat geben dürftest, was würdest Du sagen?
Such nicht. Check lieber, was Du willst und vielleicht auch, warum. Ich bin da, wenn das Herz mal wieder in den Brunnen gefallen ist. Lasst uns Fehler machen, lasst uns lieben und lasst uns uns nicht dafür verurteilen, wenn es mal der falsche Prinz war, den wir geküsst haben. Dafür macht Knutschen doch viel zu viel Spaß.
Linda, vielen Dank fürs Gespräch.
Männerbeschaffungsmaßnahmen
Musikalische Komödie von Dietmar Loeffler
Laufend bis 10.01.2027
Komödie Winterhuder Fährhaus Hamburg
Mehr unter: komoedie-hamburg.de