Erinnerung an harte Kämpfe München zeigt unveröffentlichte Fotos queerer Proteste
Die Münchner Ausstellung „Marching on“, die am 18. Juni 2026 in der Graf Rumford Bar & Galerie eröffnet wurde, widmet sich dem fotografischen Werk des verstorbenen Fotografen Horst Middelhoff. Die Ausstellung zeigt bislang unveröffentlichte Bilder, die queere Protestbewegungen der Jahrtausendwende in München, Berlin und den USA dokumentieren. Diese Bilderschau bietet sowohl historischen Rückblick als auch einen Anstoß für aktuelle Debatten über die Sichtbarkeit und den fortdauernden Kampf der LGBTIQ+-Community.
Das Wichtigste im Überblick
- Start der Ausstellung am 18. Juni 2026, Dauer bis 27. Juni in der Graf Rumford Bar & Galerie, München.
- Gezeigt werden Fotografien aus dem Nachlass von Horst Middelhoff (†2025), einer prägenden Figur der Münchner Szene.
- Thematisiert werden unter anderem CSD-Paraden und ACT-UP-Demonstrationen während der Aids-Krise.
- Die Ausstellung ist Programmpunkt der Münchner Pride Weeks 2026.
- Die Auswahl fördert einen generationenübergreifenden Dialog über Engagement für queere Rechte.
Queerer Protest im fotografischen Fokus
Die von der queeren Community Münchens unterstützte Ausstellung zieht den Bogen von den ersten dokumentierten Christopher Street Day-Paraden über die Proteste gegen das Schweigen zur Aids-Krise bis hin zu Solidaritätsdemonstrationen für internationale LGBTIQ+-Rechte. Die Werke von Horst Middelhoff fangen Momente ein, in denen Einzelne und Gruppen sichtbar wurden und politische Forderungen auf öffentliche Plätze trugen. Seine Fotografien werden nun erstmals gesammelt und in einer Retrospektive präsentiert, die besonders die Entwicklungen der Jahre um 2000 beleuchtet.
Würdigung eines Lebenswerks
Horst Middelhoff prägte über Jahrzehnte den Blick auf die queere Lebenswelt Münchens. Als Chronist und aktives Mitglied der Szene begleitete er nicht nur öffentliche Aktionen, sondern schuf intime Portraits von Engagierten, die die Community bis heute mitgestalten. Seine Werke dokumentieren unter anderem die farbintensiven und kämpferischen Demonstrationen von ACT UP, die zentrale Rolle des Christopher Street Day für die Akzeptanz in der Gesellschaft sowie die langfristigen Auswirkungen der Aids-Epidemie auf die queere Selbstorganisation. Das Archiv, das nach Middelhoffs Tod 2025 erschlossen wurde, stellt somit eine einmalige Quelle deutschsprachiger Zeitgeschichte dar.
"Diese Fotos erinnern uns, wie viele Errungenschaften hart erkämpft und verteidigt wurden. Sie sind Mahnmal und Inspiration zugleich", sagt Kurator*in Niklas Berger zur Bedeutung der Ausstellung.
Brücke zwischen Generationen und Orten
Der generationenübergreifende Ansatz der Ausstellung ist in München bewusst gewählt: Jüngere Besucherinnen und Besucher erleben die Historie queerer Protestformen, während Veteraninnen wie Veteranen die Möglichkeit erhalten, auf Kontinuität und Wandel zu blicken. Dokumentiert wird auch die Verbindung Münchens zu anderen Schauplätzen queerer Geschichte wie Berlin und New York. Die Graf Rumford Bar & Galerie als Veranstaltungsort wurde gewählt, weil sie seit Jahren als Treffpunkt für Community-Veranstaltungen und politisches Engagement gilt.
Die Ausstellung „Marching on“ eröffnet nicht nur einen Rückblick, sondern fordert die Besucherinnen und Besucher auf, aktuelle Herausforderungen wie Anti-LGBTIQ+-Gesetzgebungen und die fortschreitende Kommerzialisierung von Pride-Veranstaltungen kritisch zu reflektieren. Schon jetzt ist absehbar, dass die präsentierten Bilder Anknüpfungspunkte für neue Initiativen schaffen werden. Die Ausstellung läuft bis zum 27. Juni, der Eintritt ist frei.