Direkt zum Inhalt

Queere Mythen werden sichtbar Neue Berichte rücken Herakles’ männliche Liebhaber ins Licht

Von kw - 22.05.2026 - 17:30 Uhr
Neue Berichte rücken Herakles’ männliche Liebhaber ins Licht
Foto: © IMAGO / Panthermedia
ANZEIGE
Loading audio player...

Die aktuelle Debatte um die queere Rezeption antiker Mythen erhält neuen Auftrieb: Jüngste internationale Medienberichte rücken die bis heute wenig beleuchteten Liebesgeschichten des griechischen Heros Herakles, auch bekannt als Herkules, in den Mittelpunkt. Im Zentrum steht die Tatsache, dass Herakles laut antiken Quellen mehrere männliche Liebhaber hatte und in der klassischen Mythologie ein Symbol für queere Sichtbarkeit und Fluidität war – ein Aspekt, der lange aus den westlichen Kulturgeschichten ausgeblendet wurde.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Herakles’ männliche Liebhaber werden in antiken Schriften wie denen von Plutarch, Theokrit und Ovid genannt.
  • Besonders berühmt ist die tragische Beziehung zwischen Herakles und Hylas.
  • In der griechischen Kunst und Literatur waren gleichgeschlechtliche Beziehungen zentrale Motive.
  • Die späteren Zensuren der Mythen erfolgten vor allem durch römische und christliche Autoren.

 

Herakles und Hylas: Liebesgeschichten im antiken Kontext

Herakles’ Beziehung zu Hylas, seinem jungen Begleiter, ist ein fester Bestandteil der griechischen Sagenwelt. Antike Autoren schildern, dass Herakles Hylas zunächst unfreiwillig in seine Obhut nahm und beide sich schließlich eine enge, auch sexuelle Bindung teilten. Die Idyllen des Theokrit berichten von Herakles’ tiefer Trauer, nachdem Hylas durch Nymphen ins Wasserreich entführt wurde. Herakles sucht verzweifelt nach dem verlorenen Geliebten, ein Motiv, das damals wie heute als literarisches Symbol für queere Liebe steht. Dass der Disney-Konzern diese Episode bei der Adaption von „Hercules“ ausklammerte, illustriert den anhaltenden Umgang moderner Kulturen mit diesen Aspekten der Mythologie.

 

Antike Queerness: Von Tabu zu Selbstverständlichkeit

Die Erwähnung zahlreicher männlicher und weiblicher Geliebter von Herakles findet sich schon bei Plutarch, der von „unzähligen Partnern“ spricht. Weitere überlieferte Namen sind Abderos, der Held Nireus sowie der Wagenlenker Iolaos, der von einigen Autoren als Herakles’ eigentlicher Lebenspartner angesehen wurde. Gleichgeschlechtliche Beziehungen oder Mentorschaften waren in vielen Teilen des antiken Griechenlands integraler Teil des sozialen und militärischen Lebens. In der sogenannten Thebanischen Heiligen Schar kämpften etwa 300 Kriegerpaare Seite an Seite, um so ihre Verbundenheit zu verstärken.

 

Auslassungen und Zensur: Warum vieles verschwiegen blieb

Mit dem Aufstieg des Römischen Reichs und später des Christentums wurden die offen queeren Inhalte der griechischen Mythologie zunehmend zensiert oder umgedeutet. Zahlreiche Übersetzungen und Nacherzählungen filterten homoerotische Momente heraus, sodass bis heute ein vielfach verzerrtes Bild antiker Helden vorherrscht. Erst in den letzten Jahrzehnten sind Literaturwissenschaft und Popkultur dabei, diese ausgeschlossenen Erzählungen wieder zu entdecken.

Zum Abschluss bleibt die Frage offen, wie lange es noch dauert, bis die Vielfalt antiker Mythen in großen Erzählungen und populären Formaten selbstverständlich zum Standard wird – und Herakles als Symbol queerer Liebe wieder einen festen Platz in der westlichen Kulturgeschichte erhält.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

GALAJorge González: Schwierige Kindheit in KubaFalterLiteraturnobelpreisträgerin Anne Carson: Aus der Zeit gefallen, hoch aktuelltazKurswechsel in Ungarn: Anti-LGBTIQ+-Gesetze gekipptDER STANDARDOrbán-Lager serviert beim Thema LGBT alten Wein aus alten SchläuchenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Suche nach Mr. Right

Sängerin Linda Hesse im Interview

Wie angeln wir uns den Traummann? Eine Antwort gibt die Hamburger Komödie „Männerbeschaffungsmaßnahmen“. Schwulissimo traf Sängerin Linda Hesse.
Solidarität mit Ariana Grande

Neubesetzung geplant

Jonathan  Bailey hat seinen Ausstieg beim Musical "Sunday  in  the  Park  with  George" am Barbican Theatre in London bekanntgegeben.
Verleihung in Amsterdam

Starkes Engagement gewürdigt

LGBTIQ+-Aktivistinnen und Aktivisten sind am 5. August auf der WorldPride 2026 in Amsterdam mit den International Pride Awards ausgezeichnet worden.
Kolonialismus verdrängte diese

Binäres Modell neueres Konstrukt

Studie belegt: 150 indigene Kulturen kennen nichtbinäre Geschlechter, also Identitäten jenseits der Kategorien „männlich“ und „weiblich“.
Queer und glamourös

Premiere am 18. September 2026

Die Berliner Drag-Performer Pink Grimm starten in Berlin mit ihrer neuen Show „Shakesqueer: God Save the Queens“.
Mahnmal gegen Verfolgung

Für 9.000 Betroffene

In Ottawa, Kanada wurde nun das erste nationale Denkmal Kanadas zur Ehrung der queeren Community eingeweiht.
Schwuler Kult-Comic-Autor

Zeichen für queere Sichtbarkeit

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst verleiht dem Comiczeichner Ralf König den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.
Horror und sexuelle Begierde

Cannes-Film startet im Kino

Der neue Kinofilm „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ verbindet Horror, Feminismus und queere Selbstreflexion zu einem ungewöhnlichen Experiment.