Volleyballstar Shoji in Berlin Nach Coming-Out ist der Sportler jetzt in Dating-Laune
US-Volleyballstar Erik Shoji blickt ein Jahr nach seinem öffentlichen Coming-Out mit großer Zuversicht auf seine Zukunft. Der Kapitän der US-Nationalmannschaft erklärte, sein Leben habe sich seitdem grundlegend verändert. Besonders freut sich der 36-Jährige auf seine Rückkehr nach Berlin, wo er ab Oktober wieder für die Berlin Recycling Volleys auflaufen wird.
Das Wichtigste im Überblick
- US-Nationalspieler Erik Shoji bezeichnet sein Coming-Out als befreiend.
- Der zweimalige Olympia-Bronzemedaillengewinner kehrt im Oktober zu den Berlin Recycling Volleys zurück.
- Nach eigenen Angaben ist sein Alltag seit dem öffentlichen Coming-Out deutlich einfacher geworden.
- Shoji spricht über seine Vorfreude auf das Leben in Berlin.
- Sein sportliches Ziel bleiben die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles.
Single in Dating-Laune
Der Libero machte seine sexuelle Orientierung im Juni 2025 mit einer Videobotschaft auf seinen Social-Media-Kanälen öffentlich. Der zweimalige Olympia-Bronzemedaillengewinner erreicht auf TikTok, Instagram und weiteren Plattformen fast zwei Millionen Menschen. Sein Coming-Out fand international große Beachtung. Mit fast 500 Länderspielen zählt Shoji zu den erfahrensten Spielern der US-Nationalmannschaft. Im kommenden Monat feiert er seinen 37. Geburtstag. Sein großes sportliches Ziel bleibt die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles. Es wären seine vierten Olympischen Spiele.
Derzeit führt Shoji die US-Auswahl als Kapitän durch die Volleyball Nations League (VNL). Zum Team gehört mit Merrick McHenry ein weiterer offen queerer Nationalspieler. In Chicago treffen die USA in der Vorrunde auf China, Brasilien, Bulgarien und Polen. Ziel ist die Qualifikation für die Endrunde vom 29. Juli bis 2. August im chinesischen Ningbo. Nach dem Ende der Nationalmannschaftssaison zieht es Shoji zurück nach Deutschland. Bereits zwischen 2014 und 2016 spielte er für die Berlin Recycling Volleys und gewann mit dem Verein die deutsche Meisterschaft, den Pokal sowie den europäischen CEV Cup.
In einem persönlichen Blog für den Tagesspiegel beschreibt Shoji Berlin als „eine offene, vielfältige Stadt“, in der er „hundert Prozent der Mensch sein kann, der ich wirklich bin – auf und neben dem Spielfeld“. Auch über sein Privatleben spricht der US-Amerikaner offen. „Ich kann es kaum erwarten, mein Leben als offen queerer Volleyballspieler in Berlin zu beginnen, und ich sage es mal so: Ich bin Single und bereit, neue Leute kennenzulernen.“
Coming-Out als Befreiung
Rückblickend beschreibt Shoji den Weg zu seinem Coming-Out als emotional. Gemeinsam mit engen Freunden habe er das Video über einen Zeitraum von zwei Wochen mehrfach aufgenommen. „Es fühlte sich beängstigend an, aber vor allem befreiend“, erinnert sich der Volleyballprofi. „Ich wollte es einfach laut aussprechen und hatte gehofft, dass danach nichts allzu Verrücktes passieren würde.“ Die Resonanz sei überwiegend positiv gewesen. Besonders im täglichen Umgang mit Mitspielern und Trainern habe sich vieles verändert. „Seitdem kann ich offen mit meinen Mitspielern und Trainern sprechen“, schreibt Shoji. „Ich kann ihnen erzählen, wenn ich jemanden kennenlerne oder ein Date habe. Dass wir solche einfachen Gespräche führen können, ist wirklich schön.“
Unterstützung in Polen
Zum Zeitpunkt seines Coming-Outs spielte Shoji für den polnischen Spitzenclub ZAKSA Kędzierzyn-Koźle. Kurz darauf wechselte er zu Asseco Resovia. Mit ZAKSA gewann er insgesamt sechs Titel, darunter zwei europäische Pokalsiege. Obwohl Polen als weniger offen gegenüber LGBTIQ+-Menschen gilt als Deutschland, habe er im Team viel Unterstützung erfahren. „Für viele war ich der erste offen queere Mann in ihrem Umfeld. Bis dahin kannten sie niemanden. Es bedeutete mir viel, meine Erfahrungen mit ihnen zu teilen. In Polen ist das Thema LGBTIQ+ noch nicht so weit wie in Deutschland, aber es bewegt sich etwas – wenn auch langsamer.“ Darin sieht Shoji auch eine Verantwortung. „Ich sehe es als Chance, in meiner Rolle als queerer Sportler ein Vorbild zu sein und zu echtem Wandel beizutragen – besonders für jüngere Athletinnen und Athleten, die nicht sie selbst sein können.“
Berlin als „Stadt der Freiheit“
Die Rückkehr in die deutsche Hauptstadt empfindet Shoji als einen Neuanfang. „Ich habe dort vor zehn Jahren gespielt und die Zeit sehr genossen“, berichtet er weiter. „Ich habe meinen Alltag geliebt: ins Kino gehen, in den großartigen asiatischen Restaurants essen und am Wochenende ausgehen – das klingt einfach, ist als Profisportler aber keineswegs selbstverständlich.“ Nach Stationen in Russland und zuletzt in Polen habe ihm genau diese Offenheit gefehlt. „Ich habe in vielen kleineren Städten gespielt, dort gab es so etwas nicht. Berlin ist so offen, so vielfältig – genau das habe ich in den vergangenen Jahren vermisst.“