Direkt zum Inhalt

Neue Wege für Josh Cavallo Schwuler Fußballprofi kickt künftig in Verein der „Puritaner“

Von ms - 15.07.2026 - 15:00 Uhr
Neue Wege für Josh Cavallo
Foto: IMAGO / AAP
ANZEIGE
Loading audio player...

Der schwule australische Fußballspieler Josh Cavallo setzt seine Karriere in England fort. Der 26-Jährige schließt sich dem Halbprofiklub Banbury United an, der in der Southern League Premier Division Central spielt. Der Verein erklärte, Cavallo sei „bereit für das nächste Kapitel“ seiner Laufbahn.

Das Wichtigste im Überblick

  • Josh Cavallo wechselt zum englischen Halbprofiklub Banbury United.
  • Der Verein trägt den historischen Spitznamen „The Puritans“.
  • Die ursprünglichen Puritaner lehnten Homosexualität strikt ab.
  • Heute gilt Banbury als deutlich offener, jährlich findet dort auch eine Pride statt.
  • Cavallo zählt zu den bekanntesten offen schwulen Fußballprofis der Welt.

Historischer Spitzname sorgt für Ironie

Cavallo machte 2021 weltweit Schlagzeilen, als er sich öffentlich als schwul outete. Der vielseitig einsetzbare Mittelfeldspieler bereitet sich derzeit auf seine zweite Saison in England vor. Banbury United spielt in der siebten Liga des englischen Fußballsystems. Zu den Ligakonkurrenten gehören unter anderem Stamford AFC, dem Cavallo in der vergangenen Saison zum Klassenerhalt verhalf, sowie Peterborough Sports. Dort hatte der Australier seine Laufbahn in England begonnen. Der Verein stieg nach dem vorletzten Platz in der National League North inzwischen in die siebte Liga ab.

Mit seinem Wechsel erhält Cavallo ausgerechnet das Trikot eines Vereins mit dem Spitznamen „The Puritans“ („Die Puritaner“). Die Marktstadt Banbury nördlich von Oxford war im 16. und 17. Jahrhundert eine Hochburg der Puritaner. Die Puritaner waren englische Protestanten, die der Ansicht waren, die Kirche von England habe sich nicht weit genug von katholischen Traditionen gelöst. Sie wollten die Kirche von verbliebenen katholischen Einflüssen „reinigen“. Bekannt waren sie für einen äußerst strengen Moralkodex. Sie verboten zahlreiche Formen der Unterhaltung, untersagten Weihnachtsfeiern und verlangten die uneingeschränkte Befolgung ihrer religiösen Regeln.

Banbury galt damals als Zentrum dieser Bewegung. Der religiöse Eifer ging so weit, dass Puritaner historische Wahrzeichen der Stadt zerstörten, darunter das ursprüngliche Banbury Cross, weil sie darin Symbole des Götzendienstes sahen. Vor diesem Hintergrund wirkt die Ankündigung des Vereins auf Instagram für Historiker besonders ironisch. Dort hieß es zur Neuverpflichtung: „Joshua Cavallo is a Puritan.“

Deutlicher Wandel über die Jahrhunderte

Die historischen Puritaner vertraten äußerst konservative Ansichten zur Sexualität. Jede Form von Liebe außerhalb einer heterosexuellen Ehe galt als schwere Sünde. Homosexualität betrachteten sie als moralisches Fehlverhalten und als Verstoß gegen Gottes Gesetz, der hart bestraft werden müsse. Das heutige Banbury unterscheidet sich jedoch deutlich von seiner Vergangenheit. An die Puritaner erinnern vor allem das örtliche Museum, historische Vereinigungen sowie der Vereinsname und das Logo von Banbury United, das einen Puritaner mit dem typischen Hut zeigt.

Zu den Heimspielen im Spencer Stadium kommen üblicherweise zwischen 500 und 600 Zuschauer. Zudem findet in Banbury jedes Jahr eine Pride-Veranstaltung statt. Auch die Southern League und zahlreiche ihrer Vereine beteiligten sich in den vergangenen Jahren an der Kampagne „Football v Homophobia“. Die Lokalzeitung Banbury Guardian schreibt, Cavallo bringe „Charakter und Erfahrung“ in die Mannschaft von Trainer Kelvin Langmead. Dass der Australier künftig für die „Puritaner“ aufläuft, erscheint deshalb zwar paradox. Allerdings hat sich das Erbe der Puritaner im Laufe der Zeit stark verändert. 

Viele heutige theologische Nachfolgegemeinschaften der englischen Puritaner, insbesondere progressive Kirchen in den USA wie die United Church of Christ (UCC) und die Unitarian Universalists, entwickelten sich in die entgegengesetzte Richtung. Sie setzen sich inzwischen für soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Menschenrechte ein und gelten als einige der offensten und LGBTIQ-freundlichsten Religionsgemeinschaften weltweit. Bereits 1969 war die UCC die erste nationale Kirche, die sich für die Bürgerrechte von LGBTQ-Menschen aussprach. 1996 unterstützte sie als erste nationale christliche Konfession offiziell die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Cavallo selbst hatte zu Beginn dieses Sommers in einer Pride-Botschaft erklärt: „Du selbst zu sein sollte niemals das sein, was dich zurückhält – sondern das, was dich frei macht.“ Die historischen Puritaner hätten den offen schwulen Fußballprofi vermutlich abgelehnt. Heute erinnern der Spitzname und das Vereinslogo von Banbury United jedoch vor allem an die Geschichte der Stadt.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Süddeutsche ZeitungUnderdox-Festival in München: Die letzten Filme vor dem TodMOPOErst bepöbelt, dann verprügelt: Schwules Paar nach Einheitsfest angegriffentazSchwuler Lehrer über Outing: „Als ob eine Bombe platzt“tazJubel, Trubel, Hassverbrechen: Weitgehend friedliche Einheitsfeier in BremenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Troye Sivan heizt Fans ein

Popstar überrascht mit „Le Boy“

Troye Sivan präsentierte überraschend „Le Boy“ und gibt vor dem Start seines neuen Albums „She’s The Best“ weitere Einblicke.
Andersons Clinch mit Stammfans

Wunsch an treue Theaterbesucher

Gillian Anderson bittet besonders treue Fans, nicht ständig in der ersten Reihe zu sitzen – und stellt nach einer Debatte den Kontext klar.
Mercury-Texte versteigert

Notizbuch wird zum Auktionshit

Ein Notizbuch mit handgeschriebenen Texten von Freddie Mercury erzielte jetzt bei einer Musikauktion umgerechnet mehr als 325.000 Euro.
Grant Knoche zieht blank

„Stripped“ legt alles offen

US-Popstar Grant Knoche legt im neuen Video zu „Stripped“ Schicht für Schicht seine Kleidung ab und thematisiert Sexualität, Körperbild und Identität.
Kylie feiert „Fever“

Popklassiker wird 25

Kylie Minogue feiert 25 Jahre „Fever“ mit einer besonderen Jubiläumsausgabe, Raritäten und einer neuen Vinyl ihres Welthits.
Debatte über Russell T Davies

Neue Liebe mit jungem Mann

Russell T Davies spricht über seinen 36 Jahre jüngeren Freund Oliver Cole und darüber, wie eine neue Liebe neben der Trauer bestehen kann.
Troye Sivans Dating-Tipps

Gesprächsmuffel schrecken ihn ab

Popstar Troye Sivan spricht über Red Flags beim Flirten, Dating-Spielchen und verrät, wie er bei einem Date zu Hause für die richtige Stimmung sorgt.
Lil Nas X meldet sich zurück

Neue Musik nach Behandlung

Lil Nas X veröffentlicht die neue Single „World’s Greatest“ – begleitet von einer bewegenden Sprachnachricht seiner verstorbenen Mutter.
Kritik an Bob the Drag Queen

Grindr-Fotos sorgen für Spott

Bob the Drag Queen muss sich wegen älterer Grindr-Fotos Kritik anhören – und erzählt von einem Date, das im Streit endete.