Überflieger Hunter Doohan Schwule Sichtbarkeit und eine besondere Rollenauswahl
Für Schauspieler Hunter Doohan geht es derzeit Schlag auf Schlag. Gerade noch steht er für die dritte Staffel der Netflix-Erfolgsserie „Wednesday“ vor der Kamera, nun erscheint zudem der neue Horrorfilm „Evil Dead Burn“ mit ihm im Kino. Der offen schwule 32-Jährige gehört aktuell zu den gefragtesten neuen Hollywood-Stars und betont dabei schwule Sichtbarkeit in der US-Filmbranche.
Das Wichtigste im Überblick
- Hunter Doohan übernimmt eine Hauptrolle im neuen Horrorfilm „Evil Dead Burn“
- Der Schauspieler spricht über seine Karriere als offen schwuler Darsteller in Hollywood
- Doohan sieht sich in einer Reihe schwuler Schauspieler, die neue Wege in der Filmbranche eröffnen
- Für seine Rolle bereitete er sich intensiv auf die Mythologie der „Evil Dead“-Reihe vor
- Der 32-Jährige äußert sich kritisch zu KI-Deepfakes und verteidigt von Menschen geschaffene Kunst
Traumrolle in legendärer Horrorreihe
Doohan gilt inzwischen als einer der aufstrebenden Schauspieler seiner Generation. Der offen schwule Darsteller sieht sich dabei in einer Reihe von Künstlern, die traditionelle Vorstellungen von Hauptrollen in Hollywood verändern. Besonders bewundert er den britischen schwulen Schauspieler Jonathan Bailey. „Er ist wirklich eines meiner Vorbilder. Er ist großartig“, so Doohan. Während Bailey vor allem mit Serien wie „Bridgerton“ und zuletzt „Jurassic World“ bekannt wurde, hat sich Doohan mit düsteren und fantastischen Stoffen einen Namen gemacht. Zu seinen bekanntesten Rollen zählen Tyler Galpin in der Netflix-Serie „Wednesday“ sowie der Schurke Muse in „Daredevil: Born Again“.
Im Juli kommt nun mit „Evil Dead Burn“ der sechste Teil der berühmten Horrorfilmreihe in die Kinos. Für Doohan geht damit ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. „Ich bin buchstäblich auf und ab gesprungen, als ich den Anruf bekam“, sagte er über die Rollenbesetzung. Für die Rolle des Joseph arbeitete sich der Schauspieler intensiv in die jahrzehntelange Mythologie des Franchise ein. Er habe die Filme erneut angesehen und sich ausführlich mit den Hintergründen rund um das sogenannte Necronomicon und den Kandarian-Dolch beschäftigt. „Ich war überall im Wiki unterwegs und habe alles gelernt, was ich über den Kandarian-Dolch und alles andere erfahren konnte“, berichtete Doohan.
Anstrengende Dreharbeiten
Die Dreharbeiten erwiesen sich allerdings als körperlich und emotional anspruchsvoll. Produzent Rob Tapert habe die Darsteller bereits zu Beginn darauf vorbereitet. „Es wird einen Moment geben, in dem du einen Zusammenbruch haben wirst“, erinnerte sich Doohan an Taperts Warnung. Der Schauspieler bestätigte, dass die Dreharbeiten tatsächlich äußerst belastend gewesen seien. „Es war definitiv anstrengend, körperlich und emotional, weil sich dieses Drehbuch so entwickelt, dass es, sobald alles außer Kontrolle gerät, keine Pause mehr gibt.“
Doohans Figur Joseph ist eng mit der langjährigen Mythologie der „Evil Dead“-Reihe verbunden. „Joseph arbeitet an einem Buch über die Forschungen seines Großvaters“, erklärte er. „Sein Großvater kannte Professor Knowby.“ Besonders reizvoll sei für ihn gewesen, dass der neue Film verschiedene Handlungsstränge der gesamten Reihe miteinander verknüpfe. „Dieser Film verbindet die Mythologie des gesamten Franchise, was ich unglaublich spannend fand.“ Die praktischen Spezialeffekte und die aufwendige Maskenarbeit hätten ihn besonders beeindruckt. „Die Deadite-Masken waren unglaublich. Ich hoffe wirklich, dass der Film genauso verstörend wirkt, wie er auf dem Papier aussah und wie es sich während der Dreharbeiten angefühlt hat.“
Schwule Sichtbarkeit im Horrorfilm
Besondere Bedeutung misst Doohan seiner Position als offen schwuler Hauptdarsteller in einem großen Horror-Franchise bei. Das Genre habe zwar seit Jahrzehnten queere Untertöne, offen homosexuelle Männer seien jedoch selten als zentrale Figuren großer Kinoproduktionen zu sehen gewesen. Auf diesen Umstand angesprochen, sagte Doohan: „Das ist wirklich interessant. Darüber habe ich noch nie nachgedacht, aber du hast recht.“ Zugleich verwies er auf die große Bedeutung des Horrorfilms für viele queere Menschen. „Ich glaube, queere Zuschauer fühlen sich sehr stark zum Horror hingezogen“, sagte er. „Horror verarbeitet gesellschaftliche Themen und verpackt sie in einen unterhaltsamen Film.“ Er freue sich darüber, dass seine sexuelle Orientierung bei der Besetzung seiner Rollen heute keine Rolle mehr spiele. „Offen und sichtbar schwul zu sein, war niemals ein Hindernis dafür, Joseph zu spielen, der im Film nicht schwul ist.“
Wunsch nach queeren Rollen
Trotz zahlreicher Rollen hat Doohan bislang überwiegend heterosexuelle Figuren gespielt. Das sei jedoch keine bewusste Entscheidung. „Die Leute fragen mich das oft, und ich antworte: Ich habe durchaus für queere Rollen vorgesprochen“, sagte er lachend. Bislang habe sich eine entsprechende Gelegenheit in Film oder Fernsehen jedoch nicht ergeben. „Es ist nichts, das ich vermeide. Wenn ich Projekte auswähle, bin ich genreagnostisch. Entscheidend sind die Menschen dahinter und das Drehbuch.“
Zu den Schauspielern, die Doohan besonders geprägt haben, gehören Colman Domingo und Bryan Cranston. Mit Cranston stand er für die Serie „Your Honor“ gemeinsam vor der Kamera. „Er ist für mich die Nummer eins“, sagte Doohan. „‚Breaking Bad‘ ist meine Lieblingsserie aller Zeiten.“ Die Verbindung entwickelte sich über die Dreharbeiten hinaus. Cranston leitete 2022 sogar die Hochzeit Doohans mit seinem Ehemann Fielder Jewett. „Wir stehen weiterhin in Kontakt. Ich verehre ihn einfach.“ Scharfe Worte fand Doohan für die zunehmende Verbreitung künstlich erzeugter Deepfakes. „Das ist so gruselig und seltsam. Ich hasse das“, sagte er. Die Zukunft der Filmbranche hänge seiner Ansicht nach auch vom Publikum ab. „Wir müssen deutlich machen, dass wir von Menschen geschaffene Kunst respektieren und wertschätzen wollen. Es ist verrückt, dass wir das heutzutage überhaupt betonen müssen.“
Rückkehr zu Tim Burton
Parallel arbeitet Doohan derzeit erneut mit Regisseur Tim Burton an der dritten Staffel von „Wednesday“. Die Figuren Burtons hätten ihn schon als schwulen Jugendlichen geprägt. „Für mich sind all seine Hauptfiguren Außenseiter. Man lernt sie kennen und versteht, warum sie nicht dazugehören“, sagte Doohan. „Ich glaube, jedes queere Kind fühlt sich beim Aufwachsen so. Deshalb habe ich mich immer zu seiner Arbeit hingezogen gefühlt.“ Für die Zukunft wünscht sich der Schauspieler auch leichtere Stoffe. Nach zahlreichen düsteren Rollen könne er sich gut eine romantische Komödie oder sogar ein Musical vorstellen. „Ich spiele viele gequälte Seelen“, sagte Doohan lachend. „Ich glaube, ich brauche mal eine Romantikkomödie.“ Wie wäre es mit einer romantischen Liebesgeschichte zwischen zwei Jungs?