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Hape Kerkeling und Homophobie Angriffe im Netz und Ablehnung auch im echten Leben

Von ms - 19.03.2026 - 11:00 Uhr
Hape Kerkeling und Homophobie
Foto: IMAGO / Future Image
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Entertainer Hape Kerkeling (61) rührt die Werbetrommel für seinen neuen Horst-Schlämmer-Film und hat im Stern-Interview jetzt zusammen mit der Stand-up-Comedienne und Moderatorin Tahnee (33) über gute Laune, Katzenvideos und homophoben Hass geplaudert. 

Glück dank Katzenvideos?

Warum seine Kultfigur im neuen Kinofilm das Glück suchen muss, erklärt der schwule Bestsellerautor so: „Fragen Sie mal einen Deutschen: ´Wie geht’s?´ Die Antwort lautet:  ´Muss ja.´ Die Deutschen haben grundsätzlich schlechte Laune, und jetzt hat die politische Weltlage das noch verschlimmert. Wenn es Horst Schlämmer gelingt, das Schlechte-Laune-Level wieder auf das normale deutsche Maß zu bringen, wäre schon viel erreicht.“ 

Die lesbische Tahnee ist eher genervt von der Social-Media-Welt, seit kurzem ist auch Kerkeling mit einem eigenen Instagram-Profil online: „Auf meinem Account tauchen Fremde auf, die mir eine Folgeanfrage stellen. Sind die auf Partnersuche? Ganz verstanden habe ich das noch nicht. Die Katzenvideos wiederum befriedigen mich ungemein. Eine Viertelstunde davon und schon ist die Birne angenehm matschig und die Weltlage verschwunden.“ Tahnee erwidert: „Mit einer Viertelstunde Videos bist du aber gut dabei. Ich ertappe mich nachts, wie ich locker zwei, drei Stunden am Stück im Bett am Handy hänge, bis mir das blaue Licht die Netzhaut wegbrennt.“  

Outing und Hass

Beim Thema Outing wird es dann ernster, die Comedienne betont dazu: „Ich habe lange damit gehadert, mich öffentlich zu outen, und ich kann nicht behaupten, dass dieser Schritt für mich einfach gewesen wäre. Aber als ich es dann getan hatte, fühlte es sich an wie eine Befreiung.“ Anfangs habe ihre Familie dabei ablehnend reagiert: „Ich konnte diese Reaktion damals nicht sofort verarbeiten, also habe ich es Jahre später auf der Bühne getan. Mittlerweile liebt sie ihre Schwiegertochter und ist überglücklich. Humor ist in gewisser Weise Schmerz plus Zeit.“ 

Über die Gemeinsamkeit, dass beide homosexuell sind, erklärt Kerkeling allerdings: „Horst Schlämmer ist nicht lesbisch!“, worauf Tahnee erwidert: „Er sieht aber aus wie eine gute Lesbe.“ Trotz des Humors, Hass kennen beide ebenso sehr gut, vor allem online: „Es ist einfach erschreckend, wie inflationär Menschen ihren Frust und Hass anonym im Netz verbreiten“, so die 33-Jährige. Kerkeling stellt klar: „Im Internet tobt heute ein Kampf, der vergleichbar ist mit den Straßenkämpfen in der Weimarer Republik. Blutig, gnadenlos und hasserfüllt. Die bösen Nachrichten, die ich bekomme, verfassen Menschen, die solche Volltrottel sind, dass sie mir leidtun. Diesen Hass muss man eingrenzen.“

 Kerkeling fordert daher auch ein Diskriminierungsverbot, bestenfalls in ganz Europa, und bekräftigt weiter: „In skandinavischen Ländern guckt niemand ein schwules Pärchen komisch an. In Deutschland werden Augenbrauen hochgezogen. Menschen, die dem nie ausgesetzt sind, begreifen das nicht, aber: Auch das ist diskriminierend. In Italien, wo ich über Jahre mehrere Monate im Jahr verbracht habe, musste ich so etwas tagtäglich erleben. Das war unterirdisch. Italien ist nicht auf der Höhe der Zeit. Und jede Kooperation mit der Regierung unter Meloni ist ein Schritt in die falsche Richtung. Ich wurde in Italien als schwuler Mann so diskriminiert, dass ich dort nicht mehr sein wollte.“

Stand-up-Comedienne und Moderatorin Tahnee

Heimatliebe trotz AfD

Beide sprechen sich dann auch für Deutschland aus, wenngleich sie die AfD sehr kritisch sehen. Tahnee wünscht sich ein Verbot und blickt mit Angst zur nächsten Bundestagswahl 2029, Kerkeling verzweifelt daran, dass viele Bürger nicht sehen wollen, was offensichtlich sei – das werde alle teuer zu stehen kommen. An der Verbundenheit zu seiner Heimat ändert das aber nichts: „Was ich an diesem Land liebe, ist meine Heimat: das Ruhrgebiet und das Rheinland. Und dass wir nach dem Abgrund, den dieses sogenannte Dritte Reich verursacht hat, ein Land aufgebaut haben, in dem wir uns frei entfalten können. Darauf sollten wir stolz sein. Ich kann hier sitzen und laut in die Welt hinausposaunen: Ich bin schwul!“ 

Schlämmer bei Wetten,dass..?

Zudem verrät der 61-Jährige, dass auch zuhause vor seinem Freund ab und an Horst Schlämmer in ihm durchkommt: „Ich gebe ihn schon mal zuhause am Küchentisch zum Besten. Mein Mann kann ihn mittlerweile so gut, dass er mehr wie Horst Schlämmer klingt als ich. Mein Mann ist auch lustiger als ich.“ Zuletzt kritisiert Kerkeling den medialen Abgesang von Thomas Gottschalk: „Dieses Thomas-Gottschalk-Bashing finde ich furchtbar. Gottschalk hat das deutsche Fernsehen aus der piefigen Blumenkübel-Ära mit Showtreppe und Nackt-Ballett herausgeholt. Er hat dafür gesorgt, dass Frauen auf Augenhöhe waren. Dass Menschen nun ausgerechnet diesem Modernisierer vorwerfen, er sei ein alter, weißer Mann, ist absurd.“ Und für Horst Schlämmer hat er ganz nebenbei auch schon Zukunftspläne: „Wenn die Kaulitz-Brüder im Dezember keine Lust mehr auf ´Wetten, dass..?´ haben, sehe ich den Horst das übernehmen. Er schaut ja auch ein bisschen aus wie Bill.“

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