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Hepatitis
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Hepatitis Die unterschätzte Gefahr

id - 28.09.2019 - 00:00 Uhr

Wenn schwule Männer über sexuell übertragbare Krankheiten reden, dann denken die meisten zuallererst wahrscheinlich an HIV. Doch neben dieser tödlichen aber mittlerweile gut behandelbaren Krankheit gib es eine weitere Krankheit, die AIDS in nichts nachsteht und zudem weitaus gefährlicher sein kann: Die Rede ist von Hepatitis.

Dass Hepatitis mindestens genauso gefährlich ist wie AIDS, ist vielen Leuten gar nicht bewusst. Man liest fast nichts über Hepatitis. Aber die Krankheit existiert und ist auch wieder auf dem Vormarsch. Nicht unbedingt verwunderlich, denn die Krankheit ist 15-fach infektiöser als HIV.

Was genau ist Hepatitis?
Hepatitis ist eine durch Viren hervorgerufene, schwere Erkrankung der Leber. Eine Art Leberentzündung. Eine Hepatitisinfektion kann sowohl akut verlaufen als auch nach erfolgter Behandlung in eine chronische Krankheit übergehen. Letzteres bedeutet, dass man sein restliches Leben Hepatitis-positiv ist. Man ist Träger des Virus, ähnlich wie bei einer HIV-Infektion. Eine akute Infektion klingt bei richtiger Behandlung vollkommen ab. Hepatitis wird in mehrere Gruppen eingeteilt, die mit Buchstaben bezeichnet werden. Die drei Hauptgruppen sind dabei das Hepatitis A-, B- und C-Virus.

Hepatitis A
Hepatitis A ist eine meldepflichtige Erkrankung. Wird sie bei einem Patienten festgestellt, muss dies an das Gesundheitsamt mitgeteilt werden. Rund 25.000 Hepatitis-A-Neuinfektionen werden pro Jahr in Deutschland gemeldet. Da das Virus mit dem Stuhl ausgeschieden wird, besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko beispielsweise bei Reisen in Ländern mit geringen Hygienestandards, bei einem engem Kontakt mit erkrankten Personen oder auch bei verunreinigen Lebensmitteln.

Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch – die so genannte Inkubationszeit – beträgt bei dieser Variante 28 Tage, wobei man während dieser Zeit keinerlei Beschwerden bemerkt. Erst am Ende treten Symptome wie Bauch- und Gliederschmerzen, Fieber und Durchfall auf. Eine Infektion mit Hepatitis A ist zwar gefährlich, aber nicht lebensbedrohlich. Die Erkrankung mit Hepatitis A heilt bei der richtigen Behandlung immer vollständig aus.

Hepatitis B
Wie bei Hepatitis A ist auch bei der B-Variante die Infektionsmöglichkeit gleich. Die Inkubationszeit kann bei Hepatitis B zwischen wenigen Wochen bis hin zu sechs Monaten betragen. Ein frühes Bemerken einer Infektion ist auch in diesem Fall eher unwahrscheinlich. Die größte Tücke bei der B-Variante ist allerdings, dass knapp 10 % der akuten Infektionen nach der Behandlung in eine chronische Form übergehen. Das bedeutet, man ist dauerhaft erkrankt. Von diesen dauerhaft Erkrankten, also chronisch Hepatitiden, erkranken etwa ein Drittel nach 20 bis 25 Jahren an Leberzirrhose. Diese führt in den meisten Fällen zum Tod.

Hepatitis C
Dies ist die gefährlichste Form von Hepatitis. Bei 80 bis 90 Prozent der Infizierten geht die Krankheit nach dem akuten Stadion in eine chronische Erkrankung über. Ansonsten verhält sie sich wie die B-Variante.

Therapie und Heilungschancen
Hepatitis A ist mit der richtigen Behandlung vollkommen heilbar. Wichtig ist dabei allerdings eine rechtzeitige und richtige Behandlung. Bei Hepatitis B heilen 90 Prozent der Fälle vollkommen aus. Leider gehen 10 Prozent in die chronische Form von Hepatitis B über. In der chronischen Therapie versucht man, die Leberwerte zu normalisieren, um dem Virus wenig Angriffsfläche zu bieten. So kann die Schädigung der Leber um einige Jahre verzögert werden. Anders als bei der B-Variante heilen bei Hepatitis-C leider nur 10 Prozent der Fälle vollkommen aus. 90 Prozent leiden nach der Behandlung weiterhin an der chronischen Form von Hepatitis.

Infektionsarten und Schutz
Wie kann man(n) sich nun aber überhaupt mit Hepatitis infizieren? Eine Infektion kann hauptsächlich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr oder durch Kontakt mit infiziertem Blut, Sperma, Urin oder Kot geschehen. Oft spricht man hierbei auch von einer „von der Hand in den Mund“-Infektion. Zum Schutz beim Sex bleibt natürlich das altbewährte Kondom. Doch es gibt auch erfreuliches: Anders als bei HIV gibt es eine Schutzimpfung gegen Hepatitis A und B. Diese ist eine Kombischutzimpfung mit dem Präparat TWINRIX, das für beide Varianten gleichzeitig in drei Einheiten verabreicht wird. Für Hepatitis C existiert leider bisher (noch) keine Schutzimpfung.
    
Selbstverständlich kosten Impfungen auch immer Geld. Doch sollte man sich diese Frage im Bezug auf seine eigene Gesundheit wirklich stellen? Gerade sexuell aktive Männer sollten vor den rund 250 Euro Impfkosten nicht zurückschrecken. Außerdem übernehmen die Krankenkassen für mehrere „Risikogruppen“ die Kosten. Neben Dialysepatienten, HIV-Positiven, Bluter-Erkrankten oder Drogenabhängigen gehören eben auch homosexuell aktive Männer dazu. Die Impfung zeigt rund zehn Jahre lang ihre Wirkung. Danach muss sie wieder aufgefrischt werden.

Im Prinzip braucht man seinem Hausarzt nur sagen, dass man zu einer „Risikogruppe“ gehört. Im Normalfall reicht diese Aussage vollkommen. Sollte er dennoch nachfragen, so sollte man sich nicht scheuen, den tatsächlichen Grund anzugeben. Es kann allerdings passieren, dass manche Ärzte das Impfpräparat nicht vorrätig haben. In diesen Fällen muss man sich dieses mit einem Rezept zunächst in der Apotheke besorgen. Leider müssen die knapp 60 Euro für die erste Impfung ausgelegt werden. Die Quittung hierfür kann man anschließend bei seiner Krankenkasse mit einer kurzen Erläuterung einreichen und bekommt das Geld dann erstattet.

Auch wenn der Weg zu einer kostenfreien Impfung vielleicht ein bisschen Mut kostet und umständlich ist, sollte man(n) sich die Mühe machen. Hepatitis ist keine Krankheit, mit der man leichtfertig umgehen sollte. Sie ist genauso gefährlich wie HIV, wenn nicht sogar noch gefährlicher.

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