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Vorbilder // © Georgijevic

SCHWULISSIMO Leserumfrage VORBILDER

vvg - 08.11.2019 - 10:00 Uhr

Mein absolutes Vorbild ist Ru Paul – wir sind ja auch fast eine Generation *räusper*. Meine Faszination für Drag habe ich schon im Kindergarten entdeckt. Damals habe ich die Puppen meiner Schwester frisiert und ihre Stofftiere mit Kleidern und Perücken ausstaffiert. Ru Paul habe ich in den 80ern entdeckt, weiß aber, dass er schon viel früher angefangen hat. Zuerst habe ich ihn durch die Bravo kennen gelernt, später durch das Fernsehen, er hatte mit Elton John den Hit „Don’t go breaking my heart“. Ru Paul ist einfach perfekt, wunderschön und echt. Er hat Drag in die Welt gebracht. Er war einer der ersten Dragqueens in Amerika, die das alles überlebt haben – es gab ja diese Flaute im Amiland, als Drags und Homosexuelle nicht gerne gesehen wurden. Erst Mitte/Ende der 90er ist das wieder en vogue geworden. Da hat er mit seinen Shows angefangen; mittlerweile gibt es diese seit elf Jahren.

Ich finde es faszinierend, wie aus einem Mann eine so schöne Frau entsteht, bei der alles stimmt. Er war auch die erste farbige Dragqueen, die einen fetten Werbedeal mit einem Kosmetikkonzern bekam, wodurch er weltbekannt wurde. So wurde er auch Cover- und Werbemodel, weil er einfach göttlich aussah und neue Trends setzte.

Durch ihn entstand bei mir der Wunsch, mich auch einmal zu transformieren. Mit Anfang 20 habe ich das ausprobiert, aber es gab ja kaum Gelegenheiten, so rumzulaufen. Erst vor kurzem habe ich das wieder aufgenommen, weil ich die Zeit hatte, es zu perfektionieren. Durch die „RuPaul Drag Race Shows“ habe ich meinen eigenen Style entwickelt und daraus ergaben sich unterschiedlichste Einladungen. Mal sehen, wie weit und wohin mich meine High Heels noch tragen?

Adora Well, Köln

Adora Well // © vvg

Mein Held ist der amerikanische Schauspieler Chris Evans, der durch die Marvel-Verfilmungen als Captain America bekannt ist. Die Gründe, warum er mir in der Rolle und auch als Schauspieler gefällt, sind sein äußeres Erscheinungsbild, aber auch sein Typus. Er sieht gut aus, hat eine tolle, athletische Figur mit einem gut trainierten muskulösen Oberkörper und einen knackigen Hintern. Ich finde ihn einfach sexy. Er treibt sicher viel und regelmäßig Sport, woran ich aktuell selbst noch an mir arbeite. Aber auch wenn ich ihn sexy finde, macht er mich nicht sexuell an. Da stehe ich eher auf einen Typus wie Hugh Jackman in der Marvel-Rolle des Volverine.

Der Charakter und die Werte des Captain America die Chris Evans verkörpert gefallen mir: er steht ein für Gerechtigkeit und seine Ideale. Er steht zu seinem Wort, seinen Überzeugungen und hat ein absolutes Teamdenken, auch wenn er der Captain ist. Das sind für mich vorbildliche Werte und großartige charakterliche Eigenschaften, die in der heutigen Zeit keinen besonders großen Stellenwert mehr einzunehmen scheinen - besonders in der Politik. Ich auf jeden Fall versuche, nach diesen Idealen zu leben und hoffe, daß die Menschen im näheren Umfeld, meine engsten Freunde das auch erkennen und vielleicht auch so umsetzen.

Privat weiß ich zu wenig von ihm. Ich habe ihn aber schon in früheren Filmen gesehen, da ist er mir schon aufgefallen. Er ist ein Mann, der mein Interesse gewonnen hat und ich wäre durchaus nicht abgeneigt, ihn mal persönlich kennen zu lernen. Schon um zu sehen, ob er privat auch der Mensch ist, den man bewundern kann. Man weiß ja nie, wie die Person hinter der Rolle ist, aber er macht schon einen korrekten ehrlichen Eindruck auf mich.

Jürgen aus Troisdorf

Jürgen // © vvg

Mich hat Willy Brandt als Vorbild stark beeinflusst. Er hat ein wenig das aus mir gemacht, was ich heute bin. Er ist die Person, der die Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg stark vorangetrieben hat. Ich bin Mitglied der SPD und da war er ja als Bundeskanzler eine historische Person, der viel für Deutschland und Europa getan hat. Deswegen hat er sich in mein Gedächtnis eingebrandt. In mein Bewusstsein ist er getreten, als ich ca. 15 war, weil ich mich da zum ersten Mal mit Politik im Allgemeinen auseinandergesetzt habe. Er war für mich eine herausragende Person, weil er so viel umsetzte. Umsetzen wollen wir auch endlich unser Projekt CSD 2020 in Krefeld. Dazu gehört viel Arbeit, um zu zeigen, dass Krefeld eine tolerante Stadt ist und wir den andersdenkenden Menschen keine Bühne geben wollen. Durch die Zusammenarbeit mit unserer Partnerstadt Venlo, mit denen wir das Roza Jahr und den Roza Zaterdag erleben konnten, ist die Idee einen CSD in Krefeld zu organisieren noch mehr gereift. Zudem ist es wichtig, gerade den rechten Kräften eine Stirn zu bieten. Wir dürfen keinen Zentimeter zurücktreten, unser Weg muss stark und selbstbewußt nach vorne gewandt sein.

Ich bin überzeugt, wenn Willy heute noch leben würde, würde er sich für uns in der Community einsetzen, damit wir offener und bunter leben können. Willy Brandt hat große Akzente für unser Land gesetzt, so etwas in Gänze fehlt. Und da will und muss ich mich im schwul-lesbischen Bereich stark machen, damit wir etwas erreichen.

Levent Sirkal, Krefeld

Levent // © vvg

Mein Vorbild ist Marina Abramovic, eine serbische Performance-Künstlerin die Kunstinstallationen mit ihrem Körper darbietet, und performancetechnisch darstellt, was ihr politisch und soziokulturell am Herzen liegt. Ich finde Kunst ist immer am besten, wenn sie einem ins Gesicht schlägt und Marina macht das sehr eindrucksvoll. Kunst ist am ehrlichsten, wenn man sich nicht nur daran abarbeitet, sondern an sich selbst ausprobiert und sie lebt. Das wird bei ihr so deutlich, dass es mir imponiert hat. Seit Jahren pilgere ich zu ihren Ausstellungen und kann mit Fug und Recht behaupten, dass sie ein Vorbild für mich ist. In ihrem Werk „The Artist is Present“ saß sie 721 Stunden auf einem Stuhl, 750.000 Besucher sahen sie und 1.500 davon saßen ihr Gegenüber; darunter Sharon Stone, Tilda Swinton und Lady Gaga. Dieses „Eye Contact Experiment“ habe ich nachperformt, was mir untersagt wurde, weil es nicht angemeldet war.

Inspiriert hat mich auch, als Waffen um ihren nackten Körper lagen; da wurde eindrucksvoll gezeigt, wozu Menschen fähig sind: Marina wurde mit den Waffen bedrohte. Das ist für mich gesellschaftliche Präsentanz. Sie ist für mich die Einzige, die in dieser Form so performt. Einfach hervorragend.

Ein ähnliches Beispiel beim Kölner Trans-Pride. Es gab eine Person, die nach der Pronomenbeschreibung nicht klar als weiblich definiert war. Aber da die Person weibliche Brüste trug, wurde ihr untersagt, diese in der Öffentlichkeit zu zeigen. Mir war gar nicht klar, dass das eine geltende Rechtslage ist. Ein Unding. Doch es gab direkt eine spontane Solidaritätsaktion, als sich eine große Anzahl von Personen mit weiblichem Oberkörper auszogen und sich zu ihr stellten. Das war ein Moment, wo mir die Tränen kamen, weil das war mutig, selbstbestimmt und vorbildlich! Deswegen noch mehr Marina!

Max aus Hürth

Max // © vvg

Mein Vorbild ist unser ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt. Er war rhetorisch ein guter Redner und absolut reflektiert. Er liess sich Zeit beim Reden, handelte sehr überlegt, war von der Denke her immer einen Schritt weiter, als seine Gesprächspartner und immer auf den Punkt. Das ist, was ich immer bewundert und mir bei ihm abgeguckt habe.

Er ist aber erst nach seiner politischen Karriere für mich richtig präsent geworden. Als er mit dem Schreiben anfing, habe ich sein Potential richtig erkannt. Er hat mich also als Person des öffentlichen Lebens mehr interessiert als Politiker. Ich selbst bin und war zwar immer politisch interessiert, aber nie politisch aktiv. Da war mir zu viel „Messerstecherei“ im Hintergrund und dazu hatte ich keine Lust. Schmidt stand leider immer ein wenig im Schatten von Willi Brandt; das war schon da ein Hauen und Stechen.

Was ich persönlich von Helmut Schmidt lernen konnte? Ich wohne jetzt seit 14 Jahren in der Schweiz; arbeite als Trainer und Coach im Kommunikationbereich. Ich habe aber schon vor Jahren auf der Bühne gestanden und die Zuschauer im Comedybereich unterhalten. Da stand ich am Pult, musste frei reden und schlagfertig mit der Reaktion des Publikums umgehen können. Schon da konnte ich all das, was ich bei Helmut Schmidt bewundert habe, gut ein- und umsetzen: Seine Präsenz, seine Rhetorik, sein öffentliches Auftreten und seine Denkweise kamen mir da sehr gelegen, und damit schließt sich einfach der Kreis.

Dass die Jugend heutzutage kaum Vorbilder hat, liegt daran, dass wir uns zu einer Gesellschaft der Egoisten entwickelt haben, wo jeder nur sich selbst sieht. Ob das auf Dauer gut geht und in die richtige Richtung führt, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Ralf Rochau aus Aarau/CH

Ralf // © vvg

Ich finde, Karl Lagerfeld ist ein großartiges Vorbild. Ich bin in den 90ern auf ihn aufmerksam geworden, als er bei „Wetten dass?" auftrat. Ich fand ihn gut, weil er mit seiner Sonnenbrille, seinem Fächer und seinem Zopf zwar sehr auffällig, aber auch ganz anders war, als alle anderen. Da war er zwar noch kein Vorbild, aber von da an habe ich mich für ihn interessiert und seine Aktionen in den Medien verfolgt. So fiel er mir z.B. in einer H&M Kampagne auf, die ich Klasse fand. Ich wußte, dass er Mode macht, nicht aber, dass er auch als Fotograf arbeitet, Skizzen anfertigt und Modenschauen in großartigen Locations durchführt, die nach seinen Vorstellungen und Ideen entstehen.

Er ist ein Mann, der sich immer wieder neu erfunden hat und in seinem Leben nur das gemacht hat, wofür er sich auch begeistern konnte. Er sagt ja dazu: "Wer gestresst ist, macht etwas falsch. Den amüsiert seine Arbeit nicht!“ Ein Spruch, den ich versuche, jeden Tag umzusetzen; auch wenn es nicht immer funktioniert.

Ich habe seine Ausstellung in der Bundeskunsthalle besucht, leider nicht zu dem Termin, als er persönlich anwesend war. Da war ich auf Ibiza, schade, so habe ich ihn nie live gesehen. Ich habe vieles gesammelt, was über ihn veröffentlicht wurde oder er selbst herausgebracht hat. Was ihn ausgemacht hat und dass er nie ein Vorbild sein wollte. Er hat sich nie verbiegen lassen oder untergeordnet und hat mit seiner Meinung nicht hinter den Berg gehalten. Er wusste sein Talent zu nutzen, war kreativ, zielstrebig, konsequent und hatte damit Erfolg. Er war gebildet, ohne intellektuell zu sein. Und großartig fand ich natürlich auch seinen ikonischen Look.

Uli aus Köln

Uli // © vvg

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