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Jahreswechsel // © svetikd

Leserumfrage Gedanken zum Jahreswechsel 2019/20

vvg - 30.12.2019 - 18:00 Uhr

Ich werde Silvester irgendwo im tiefsten Siegerland bei Freunden verbringen. Und egal wie das Wetter wird, wir werden ca. zehn Leute sein und werden es uns dort gutgehen lassen.

2019 hat mich sehr beeindruckt, wie sich die Puppy-Szene entwickelt, durchgesetzt und vergrößert hat. Ich finde es wahnsinnig, was für Entwicklungen in der Szene noch möglich sind und hätte nie gedacht, dass die Puppys so enorm schnell groß und erfolgreich werden können. Ich sehe, dass diese Szene vielen Menschen Halt bietet, dass es aber auch durch die gewachsene Größe zu Verwerfungen kommen kann.

Politisch macht mir die immer größer werdende Feindschaft gegenüber Fremden Angst. Und damit meine ich nicht Herkunft oder Hautfarbe, sondern das, was nicht in die Normität passt. Was nicht angesehen und angesagt ist, ist unbequem und wird automatisch ausgestoßen. Ob das nun von Trump ausgeht, oder von lokalen Politikern. Nicht nur von der AfD, sondern auch von der CDU/CSU hört man Zitate, wo ich mich frage, ob da noch Menschlichkeit vorhanden ist.

2020 möchte ich ein bisschen konkreter meinen persönlichen Zielen nachgehen, das ist in den letzten Jahre durch viele persönliche Veränderungen etwas zurückgefallen. Ich möchte Lehrer werden, studiere Biologie und Sozialwissenschaft und habe mich jetzt in Bochum eingeschrieben. Desweiteren wünsche ich mir wieder mehr Menschlichkeit und Akzeptanz, dass man ein bisschen mehr auf seine Mitmenschen achtet und nicht nur immer hektisch den eigenen Weg verfolgt. Auch wenn man nicht immer alles toll findet, was der andere macht, kann man ihn trotzdem akzeptieren. Wir sind Menschen und wir können miteinander umgehen. Wenn wir nicht miteinander umgehen können, dann gehen wir uns aus dem Weg und hassen uns nicht dafür, wer oder was wir sind.
Aaron aus Essen

Aaron // © vvg

2019 war toll, da ich bei „Queen of Drags“ teilnehmen durfte; das war eine sehr gute und fantastische Erfahrung. Ein Highlight war auch meine Geburtstags-Show Anfang November im „Oscar im Apropos“ - ich wünschte mir Geldspenden und damit unterstütze ich 50 brasilianische Kinder, die unter einer Brücke leben.

2019 ist auch das Jahr, wo das Amazonasgebiet – die Lunge der Welt – verbrannt ist. Ich komme aus Brasilien, da tut es mir besonders weh - die Leute müssen sich deutlich mehr um die Umwelt kümmern.

2020 habe ich das große Glück, Mitte Februar wieder beim Karneval in Rio de Janeiro dabei sein zu dürfen. Ich freue mich riesig, denn ich darf auf Einladung von Alcione, der bekanntesten und populärsten Sängerin Brasiliens, am Karnevalsumzug teilnehmen. Dieses Jahr durfte ich als erste Drag auf dem ersten Wagen der Sambaschule mitfahren, das ist einfach sensationell und eine große Ehre für mich.

Mein Wunsch für das neue Jahr: Ich möchte gesund bleiben und weiter arbeiten können. Natürlich erhoffe ich mir auch neue Engagements durch meine Teilnahme an „Queen of Drags“. Und ich hoffe, dass sich die Menschen durch dieses TV-Format mit dem Thema auseinandersetzen und den Kopf dafür öffnen. Ich bekomme jetzt schon viele Fragen von Eltern gestellt, wie sie mit ihrem schwulen Sohn umgehen sollen. Wir sind schließlich nicht homosexuell, weil wir es sein wollen, sondern wir werden so geboren. Und wir wollen ganz einfach so geliebt und angenommen werden, wie wir sind.

Den Jahreswechsel, also Silvester, werde ich im Oscar, allerdings in der Remise in Bonn feiern, da wollen mich die Gäste auch sehen, da ich zurzeit sehr viel in Köln bin. Kommt gerne vorbei und laßt uns gemeinsam das Jahr begrüßen!
Catherrine Leclery, Kandidatin bei “Queen of Drags”

Catherrine Leclery // © vvg

Das Wichtigste in diesem Jahr war, dass ich meinen Freund kennen gelernt habe und wir im Januar 2020 unseren ersten Jahrestag feiern. Es ist übrigens meine erste öffentliche Beziehung mit einem Mann. Vorher hatte ich eine Freundin, habe mich aber nie richtig wohlgefühlt. So hatte ich während meines Studiums eine kurze heimliche Beziehung mit einem Mann parallel zu meiner Freundin. Seit meinem Outing fühle ich mich befreit, nun kann ich so leben, wie ich das möchte. Bei meiner Familie war das gar kein Problem, es hat sich auch niemand von meinen Freunden von mir abgewendet. Im Gegenteil, einige fanden es toll, dass ich es gesagt habe, sie hatten es aber auch schon erwartet. Lediglich von einigen in der Verwandtschaft wurde immer gefragt, wann ich denn eine Freundin mitbrächte, jetzt kann ich jemanden mitbringen: meinen Freund. Beruflich steht mir das Outing noch bevor, aber ich glaube nicht, dass meine Kollegen damit Probleme haben. Im Jahr 2020 möchte ich mit meinem Freund gerne mal verreisen. Er wünscht sich nämlich mit mir nach Island zu fahren. 2019 fehlte es an der notwendigen Zeit, da ich sehr eingespannt war. Ich trete für eine gute Klimapolitik ein, aber Aktionismus bringt keinem etwas. Ich arbeite im Umweltamt und versuche eigentlich nachhaltig zu leben.

Wie wir in diesem Jahr den Jahreswechsel verbringen ist noch ungewiss. Eigentlich wollten wir mit Freunden zusammen feiern, aber die waren alle schon verplant, weil wir zu spät angefragt haben. Aber das wichtigste ist eh`, dass ich mit meinem Freund zusammen bin. Wir werden es uns schon schön machen.
Julian aus Düsseldorf

Julian // © vvg

Was hat mich im Jahr 2019 nachhaltig am meisten beeindruckt? Meine beste Freundin hat geheiratet, das war wirklich sehr aufregend, weil: Ich war ihr Trauzeuge. Wir haben ein Jahr lang vor der Hochzeit mit der Planung begonnen und haben wirklich jedes Wochenende an dem für sie perfekten Tag gefeilt. Der 18. Mai, der Tag aller Tage wurde so wirklich zu einem absolut traumhaften Tag. Wir hatten das perfekte Wetter und alle Gäste waren begeistert von der tollen Feier und der perfekten Organisation. Als ich meine Rede halten mußte, war ich total aufgeregt und nervös, aber im Anschluss erntete ich Beifall, was mich natürlich sehr glücklich machte.

Wie werde ich meinen Jahreswechsel verbringen? Das erste Mal seit vielen Jahren habe ich am 31. Dezember frei (endlich!), da ich sonst im Einzelhandel tätig bin. Wir feiern bei meiner besten Freundin zu Hause. Abends sind wir alle im Garten rings um das Lagerfeuer, trinken Glühwein und lassen die ersten Raketen in die Luft steigen. Nach einem großen Buffett stossen wir mit den Familien und den Freunden auf das neue Jahr 2020 an.

Was sind meine Erwartungen für 2020? Ich muss mich endlich, also wirklich für den Sport anmelden. Da war ich in den letzten Jahre wirklich nicht aktiv. Und ich bin jetzt auch keine 20 mehr, wo der Körper von Natur aus perfekt ausschaut. Ich will auch kein Muskelpaket werden, sondern will mich einfach nur fit und gesund fühlen.
René aus Berlin

René // © vvg

2019 war ein tolles Jahr, in dem ich sehr viel mit guten Freunden unternommen habe. Das fing schon mit der Silvesterparty in Köln an, wo wir zuerst privat und später dann in der Szene weiter gefeiert haben. Ein großartiges Event war in diesem Jahr auch das Pink Lake Festival, eine Superparty für Schwule und Lesben am Wörthersee. Das ist eine tolle Veranstaltung, die immer Ende August stattfindet und die ich jedem nur wärmstens empfehlen kann.

Das Negative 2019 ist die Tatsache, dass die AfD im Osten so groß geworden ist und so viele Stimmen für sich verbuchen konnte. Das schockiert mich und ist bei mir negativ hängen geblieben. Ich lebe zum Glück in Hamburg, wo die AfD nicht so große Erfolge hat. Aber so etwas beunruhigt einen und veranlasst, darüber nachzudenken. Da ist natürlich mein größter Wunsch für das Jahr 2020, dass diese Partei nicht noch größeren Einfluss gewinnt. Das wäre besonders für die Community ein Schlag. Wir haben uns in den letzten Jahren so viel erkämpft und auch erreicht, ein Erfolg der AfD würde für uns einen großen Rückschritt bedeuten.

Für mich persönlich nehme ich mir vor, meinen kommenden runden Geburtstag – ich werde tatsächlich schon ein halbes Jahrhundert – richtig groß mit all meinen Freunden zu feiern und wenn mir dann irgendwann mal der richtige Mann begegnet, wäre ich auch einer festen Beziehung nicht abgeneigt. Vielleicht treffe ich den ja zum Jahreswechsel. Den verbringe ich auf jeden Fall wieder mit Freunden in Köln. Dieses Mal bringe ich sogar noch einen Hamburger Freund mit, weil es letztes Jahr so großen Spaß gemacht hat.
Stefan aus Hamburg 

Stefan // © vvg

2019 war ich so viel unterwegs, dass ich kaum Zeit hatte mich mit dem Zeitgeschehen auseinander zusetzen. Warum? Ich hatte endlich mein Outing! Ich komme aus Rumänien, habe dort eine Frau und Kinder und habe endlich den großen Schritt gewagt, mir einzugestehen, dass ich auf Männer stehe. Es ist ein Segen, dass Rumänien Mitglied der Europäischen Union wurde und damit die sexuelle Orientierung gesetzlich geschützt ist. Aber in der Bevölkerung auf dem Lande gibt es immer noch alle gängigen Vorurteile. Meine Tochter, meine Frau, meine Mama, sowie zwei Tanten und mein Bruder wissen Bescheid. Dann bin ich nach Bayern gegangen und von hier erkunde ich seitdem die mir bisher verborgene und unbekannte schwule Welt. Es ist toll, was es im westlichen Europa für eine Szene gibt und was ich bisher alles versäumt habe.

Den Jahreswechsel werde ich erstmals ohne meine Familie verbringen. Wahrscheinlich arbeite ich in meiner jetzigen Beschäftigung im Restaurant. Sollte ich frei haben, überlege ich mir noch, ob ich Freunde in Dubai oder in Antwerpen besuchen werde oder einfach in München bleiben.

2020 hoffe ich, eine gute Arbeit zu finden. Ich habe mich bei der Bahn beworben, für das Bordrestaurant oder auch als Kontrolleur und vielleicht gelingt es mir auch im neuen Jahr, einen Partner zu finden; verliebt habe ich mich in der letzten Zeit schon des Öfteren. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass niemand verurteilt, ausgestossen, verletzt oder getötet wird, nur weil er anders ist, als es die Norm verlangt. Das sollte ein Gesetz in allen Ländern dieser Welt sein, so wie in Deutschland: Die Würde des Menschen ist unantastbar!
Vasile aus Bayern

Vasile // © vvg

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