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Angriff auf Harvey Milk US-Schulpräsident will schwulen Politiker im Lehrplan verbieten!

Von ms - 09.06.2023 - 11:00 Uhr
Angriff auf Harvey Milk
Foto: IMAGO / UPI Photo
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Der Präsident der Schulbehörde im kalifornischen Temecula, Joseph Komrosky, kann die heftigen Reaktionen auf ein Statement seinerseits wohl immer noch nicht so ganz nachvollziehen – er hatte Harvey Milk, den ersten offen schwulen Politiker der USA, der in ein öffentliches Amt gewählt worden war, als pädophil bezeichnet.

Milk - ein „Pädophiler“ im Lehrplan?

Auf der Sitzung der Schulbehörde Mitte Mai beanstandete der Präsident den sozialwissenschaftlichen Lehrplan für die Grundschule, in dem Milk als Lehrstoff aufgeführt wird. „Meine Frage ist, warum ein Pädophiler überhaupt erwähnt werden muss?“, so Komrosky. Milk wurde 1977 zum ersten schwulen Stadtrat in San Francisco gewählt und ein gutes Jahr später von einem Kollegen zusammen mit dem damaligen Bürgermeister George Moscone erschossen. Nachdem der Attentäter, Stadtrat Dan White, zu einem sehr milden Urteil (sieben Jahre Gefängnis wegen Totschlags) verurteilt worden war, kam es 1979 zu gewalttätigen Protesten der Gay-Community, den White Night Riots.

Sie gelten nebst dem Aufstand zehn Jahre zuvor im Stonewall Inn in New York als eine der Initialzündungen für die landesweite Gay-Bewegung. Bei der Gay-Parade 1979 wurde zu Ehren Milks erstmals auch die berühmte Regenbogenflagge als festes Symbol für die ganze Community verwendet. Inzwischen gibt es zahlreiche Gedenkstätten für ihn, eine Briefmarke mit seinem Gesicht darauf, eine Harvey-Milk-Schule in New York und 2009 wurde dem ermordeten schwulen Politiker postum sogar die Presidential Medal of Freedom verliehen. Im Bundesstaat Kalifornien gibt es ebenso seit 2009 den Harvey-Milk-Gedenktag Mitte Mai, eingeführt vom damaligen Gouverneur Arnold Schwarzenegger.

Harvey Milk (links) mit San Franciscos Bürgermeister George Moscone (rechts)

Lehrbuch mit Milk wurde abgelehnt!

Umso erstaunlicher scheint es daher, dass ausgerechnet im selben Bundesstaat der Präsident eines Schulbezirks von Milk offensichtlich nichts wissen will. Mehr noch, Komrosky befeuerte offenbar während der Sitzung auch noch das Narrativ, dass Homosexuelle häufiger Pädophile wären. Als seine Kollegen lautstark daraufhin protestierten, bekräftige der Schulpräsident erneut seine Aussage und sagte: „Da bin ich anderer Meinung!“ Die Aufnahme von Milk in den Lehrplan sei „purer Aktivismus“.  Komrosky und zwei weitere Mitglieder des Schulausschusses lehnten daraufhin den Lehrplan für Sozialwissenschaften mit 3:2 Stimmen ab, so dass der Bezirk für das kommende Jahr kein Lehrbuch mehr hat.

Gouverneur schaltet sich ein

Die Empörung darüber schlug weitere Welle, jetzt hat sich auch der Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, zu Wort gemeldet und erklärte: „Das ist eine beleidigende Aussage von einer ignoranten Person. Wir sind hier nicht in Texas oder Florida. Im Golden State haben unsere Kinder die Freiheit zu lernen. Herzlichen Glückwunsch, Herr Komrosky, sie haben jetzt unsere ganze Aufmerksamkeit. Und wir bleiben dran, versprochen!“

Petition und Kundgebungen geplant

Das politische Aktionskomitee One Temecula Valley hat inzwischen eine Petition gestartet, die den Rücktritt von Komrosky und den beiden anderen Schulratsmitgliedern fordert. Der verantwortliche Pädagogen-Verband erklärte zudem, dass sich der Lehrplan mit Milk im vergangenen Jahr bereits bewährt habe und „altersgerecht, unvoreingenommen und politisch neutral“ sei. Um den Druck auf Komrosky weiter zu erhöhen, wird es in diesem Monat noch zwei Kundgebungen geben. Dabei steht auch die Frage im Raum, auf welches Lehrbuch die Jugendlichen im anstehenden Schuljahr dann jetzt zurückgreifen sollen – das letzte Lehrbuch stammt aus dem Jahr 2006 und ist inzwischen vergriffen.

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