Sensation in den USA! Künftig gelten gleiche Kriterien bei der Blutspende, unabhängig von der sexuellen Orientierung!
Schneller und deutlicher als erwartet hat die US-Arzneimittelbehörde Food and Drug Administration (FDA) in den USA jetzt neue Richtlinien für die Blutspende von homosexuellen Männern herausgegeben – künftig werden potenzielle Spender nach denselben Kriterien eingestuft, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung. Was banal klingen mag, ist für die USA nicht weniger als eine Sensation, denn seit Jahren wird darum gestritten, wie man mit schwulen Männern bei der Blutspende künftig umzugehen habe. Zuletzt war im Januar dieses Jahres durch die Washington Post geleakt worden, dass die Behörde vielleicht zum Jahresende zaghaft erste Schritte in puncto Antidiskriminierung gehen wolle – dass es jetzt so schnell und allumfassend passiert, überrascht in den USA sogar viele Fachleute.
Keine geschlechtsspezifischen Ausschlusskriterien mehr!
Bisher mussten Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), in den USA drei Monate lang ganz auf schwulen Sex verzichten, um Blut spenden zu können. Dies entfällt nun ganz – es wird keine geschlechtsspezifischen Ausschlusskriterien oder Screening-Fragen mehr geben, die sich auf Sex mit Männern beziehen. Damit schließen sich die Vereinigten Staaten dem Vereinigten Königreich und Kanada bei der Umsetzung risikobasierter Vorschriften an.
„Wir haben in den letzten sieben, acht Jahren eine Entwicklung durchlaufen, die von einem unbefristeten Aufschub der Blutspende für Männer, die Sex mit Männern haben, über einen 12-monatigen Aufschub, der 2015 begann, bis hin zu einem dreimonatigen Aufschub, der 2020 in Kraft trat, reichte", so Dr. Peter Marks, Direktor des Center for Biologics Evaluation and Research der FDA. „Jeder dieser Schritte basierte auf den uns zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Erkenntnissen, der Einführung hochsensibler Tests und der Verwendung von Fragebögen zur Spendersuche.“
Fragen zum Analverkehr und Anzahl der Sexualpartner
Künftig werden Spender gleich welchen Geschlechts oder sexuellen Orientierung zurückgestellt, die in den letzten drei Monaten Analverkehr mit einem neuen Partner oder mehr als einen Sexualpartner gehabt haben. Darüber hinaus werden Personen, die Medikamente zur Vorbeugung oder Behandlung einer HIV-Infektion einnehmen, ebenso zurückgestellt, einschließlich antiretroviraler Therapie (ART), Präexpositionsprophylaxe (PrEP) und Postexpositionsprophylaxe (PEP). Obwohl die heutigen sensiblen Instrumente die Sicherheit der Blutversorgung hervorragend gewährleisten würden, sei es gerade beim Nachweis von HIV wichtig, gesondert vorzugehen.
Rückstellung bei Menschen mit antiretroviraler Therapie oder PrEP
„Bei unseren derzeitigen Tests gibt es einen Zeitraum von etwa zehn Tagen nach der Infektion, in dem unsere derzeitigen Tests nicht in der Lage sind, festzustellen, ob jemand infiziert wurde. Sie sind einfach nicht empfindlich genug, um das Virus aufzuspüren. Deshalb brauchen wir eine zusätzliche Sicherheitsebene, indem wir die Menschen fragen, ob sie in der jüngsten Vergangenheit etwas getan haben, das sie dem Risiko einer Ansteckung aussetzen könnte“, so Marks weiter.
Die Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass beim Analsex deutlich leichter HIV übertragen werden könne als beim Oralsex, weswegen explizit auch hier weiterhin nach Analsex gefragt werden wird. Ähnlich bei der PrEP, die das Blutergebnis in puncto HIV-Diagnose verfälschen könnte. Sollten die Testmöglichkeiten weiter verbessert werden, könne sich die FDA sehr gut vorstellen, weitere Beschränkungen bei der Blutspende aufzuheben. Die LGBTI*-Organisation GLAAD begrüßte die neuen Richtlinien, sagte aber auch, dass der Aufschub für diejenigen, die PrEP nehmen, zu einer "unnötigen Stigmatisierung" beitragen würde.