Angst vor Fake News LGBTI*-Community im Fokus vieler Fake-News-Debatten
Fake News – spätestens seit der Präsidentschaft von Donald Trump ist der Begriff in aller Munde. Das Problem an den falschen Behauptungen ist nicht unbedingt ihre reine Ferne zur Realität, sondern oftmals genau jene unheilvolle Verquickung zwischen Wahrheit, Meinung und Lüge. Nicht jede Fake News ist zu einhundert Prozent falsch, nicht jede offizielle Meldung im Nachhinein zu einhundert Prozent richtig. Diese Ausgangssituation hat sich gefühlt in den letzten Jahren weiter verschärft – wie jetzt eine neue Studie für Deutschland eindrucksvoll belegt. Dabei befindet sich gerade die LGBTI*-Community und der Einsatz um mehr Rechte und Gleichberechtigung für Homosexuelle und queere Menschen in diesem Minenfeld zwischen gefühlter und echter Realität.
Mehrheit der Deutschen hat Angst
Inzwischen hat eine Mehrheit von 64 Prozent der Deutschen sehr große Angst vor Falschinformationen, so das Ergebnis der neusten Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Studie mit dem Titel „Welchen Nachrichten kann man noch trauen?“ zeigt zudem auf, dass sich die Sorge vor Fake News durch alle Gesellschaftsschichten zieht. Nur die Angst vor dem Klimawandel sowie der Ukraine-Krieg und mögliche weitere Konflikte zwischen Europa und Russland ängstigen in diesen Tagen noch mehr Bundesbürger.
Vertrauen in etablierte Medien sinkt
Dabei zeigt die Studie auch auf, dass das Vertrauen in die Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) innerhalb der Bevölkerung sinkt. In den letzten Jahren ist dieses Vertrauen von einstmals 78 Prozent auf 70 Prozent gesunken. Kurz gesagt: Beinahe jeder dritte Bundesbürger traut Nachrichtenanbietern wie ARD oder ZDF nicht mehr. Dabei stellte die Studie auch Unterschiede zwischen Ost und West fest; in Ostdeutschland bestand nur noch 58 Prozent Vertrauen gegenüber politischen Nachrichten der Öffentlich-Rechtlichen, in Westdeutschland waren es noch 70 Prozent.
LGBTI*-Menschen vertrauen am meisten in den ÖRR
Unterschiede gibt es auch bei den unterschiedlichen Altersschichten: Am meisten vertrauen junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren den Öffentlich-Rechtlichen – die sogenannte Generation Z, die sich inzwischen auch zu 22 Prozent als Mitglied der LGBTI*-Community definiert. Das niedrigste Vertrauen ist in der Altersgruppe der 46- bis 55-jährigen Deutschen vorhanden. Auch bei den Parteianhängern zeigten sich deutliche Unterschiede: 96 Prozent der Grünen-Wähler glauben dem ÖRR, bei den Anhängern der AfD sind es wenig überraschend nur 16 Prozent.
Hasserfülltes Schwarz-Weiß-Denken
Diese Zerreißprobe erlebt seit einigen Monaten derweil auch die LGBTI*-Community, gerade auf digitalen Plattformen wie aber auch im öffentlichen Raum wird immer drastischer über Themen wie das neue Selbstbestimmungsgesetz, die Details im Abstammungsrecht oder auch die genauen Formulierungen bei einer möglichen Ergänzung des Grundgesetzes Artikel 3 gestritten.
LGBTI*-Fachleute wie Autorin, Diplom-Sozialwissenschaftlerin und Beraterin für geschlechtersensible Kommunikation, Sigi Lieb, erklärt dazu in ihrem Buch „Alle(s) Gender“, dass man es immer mehr mit einem hasserfüllten Schwarz-Weiß-Denken zu tun habe. Darin sieht Lieb eine „grobe Gefahr“ und erklärt weiter: „Zu dieser Inszenierung gehört die Selbstdarstellung als Opfer. Die eigene Diskriminierung wird überhöht, alle anderen Aspekte werden ausgeblendet. Das Ich steht im Zentrum und nur es zählt. Kritischen Nachfragen wird mit Polemik begegnet.“ Der Soziologe und Co-Autor der Studie Roose erklärte indes dem RND: „Demokratien leben davon, dass man sich einigt, was Fakten sind und was nicht.“ Andernfalls könne keine fruchtbare Debatte mehr stattfinden.