HIV-Diskriminierung Ablehnung von Schwulen und HIV-Positiven in Sachsen noch weit verbreitet
Mit einem klaren Statement richtet sich jetzt die sächsische Staatsregierung gegen Diskriminierung und Stigmatisierung von Menschen mit HIV – das Land hat sich der Deklaration „Positiv Arbeiten“ der Deutschen Aidshilfe angeschlossen und will ab sofort verstärkt gegen die Ausgrenzung in den eigenen Behörden vorgehen. „Die Krankheit ist behandelbar und durch Medikamente nahezu nicht ansteckend. Es muss keine Vorurteile mehr geben!“, so Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bei der Unterzeichnung der Erklärung.
Handlungsbedarf bei HIV-Positiven und Schwulen
Die Deutsche Aidshilfe (DAH) selbst zeigte sich erfreut und erklärte weiter: „Mit der Unterzeichnung unserer Deklaration #PositivArbeiten setzt die sächsische Staatsregierung ein Zeichen für einen diskriminierungsfreien Umgang mit Menschen mit HIV im Arbeitsleben. Handlungsbedarf gibt’s zum Beispiel bei der Landespolizei.“ Auch mit Blick auf die allgemeine Lage von Homosexuellen in Sachsen zeigte sich jüngst in der OECD-Studie, dass noch deutlich mehr Einsatz gefordert ist – in keinem anderen Bundesland in Deutschland gibt es derzeit mehr Repressalien gegenüber Schwulen und Lesben. Gerade einmal knapp 40 Prozent der Sachsen haben beispielsweise kein Problem damit, wenn zwei Homosexuelle sich in der Öffentlichkeit küssen – im Bundesdurchschnitt sind es 62 Prozent.
Die Frage nach dem Ansteckungsgrund
Es bedarf also dringend noch einer größeren Kraftanstrengung in puncto Akzeptanz, bei Menschen mit HIV ebenso wie bei Homosexuellen und den Schnittmengen. Aktuell gibt es in Sachsen rund 3.400 HIV-positive Menschen, der Großteil davon sind homosexuelle Männer. Eine aktuelle Studie der DAH zeigte in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft auf, dass fast die Hälfte der HIV-Positiven am Arbeitsplatz nie über HIV redet.
Christian Willno von der DAH ist hoffnungsvoll, dass sich durch die neue Aktion diese Situation ändert: „Nur so werden sie sichtbar und können zu Vorbildern für weitere HIV-Positive werden.“ Noch immer erlebten viele Menschen mit HIV Diskriminierung, sei es von Kollegen oder dem Vorgesetzen. „Positive werden mit großen Augen angeschaut. Die Frage nach dem Woher schwingt immer mit", so Willno weiter gegenüber dem Newsportal Sächsische SZ.
Polizei lehnt HIV-Positive zumeist ab
Besonders dramatisch zeigt sich die Diskriminierung offenbar vor allem noch bei der Polizei, hier werden Bewerber mit HIV nach wie vor direkt vorab ausgeschlossen. Die einzigen Ausnahmen gibt es derzeit in Berlin sowie bei der Bundespolizei. Ministerpräsident Kretschmer will hier allerdings keinen Vorstoß wagen, sondern wolle „im Gleichschritt mit anderen Bundesländern“ mögliche Neuerungen umsetzen.
Beim Vorstand der Dresdner Aidshilfe Ricardo Schulze stößt das auf Unverständnis: „HIV-Positive sind genauso belastungsfähig wie andere auch. Wir können es uns heutzutage gar nicht leisten auf diese Arbeitskräfte zu verzichten.“ Schulze will in Sachsen bis zum Herbst rund 30 Unternehmen überzeugen, sich der Deklaration der Aidshilfe anzuschließen, bisher sind gerade einmal 17 Firmen dabei. Bundesweit haben bisher 160 Unternehmen, Verbände und Kommunen die Aktion unterzeichnet.