Rebellion oder Niederlage? Verteidigen die deutschen Bischöfe ihre Reformideen oder knicken sie vor Rom ein?
Seit 2019 versucht der sogenannte Synodale Weg die römisch-katholische Kirche in maßgeblichen Punkten zu reformieren – dazu gehören ein diskriminierungsfreier Umgang mit Homosexuellen inklusive der Segnung von schwulen und lesbischen Paaren ebenso wie eine Neubewertung der Sexualmoral insgesamt und auch die Gleichstellung und Zulassung von Frauen in Priesterämtern. Zum vorerst letzten Mal kommen von heute an bis zum Sonntag insgesamt 230 Bischöfe und Laien zusammen, um über die Reform der Kirche zu sprechen. Zudem sollen Mitglieder des synodalen Ausschusses gewählt werden, die dann in den kommenden drei Jahren innerkirchliche Reformvorschläge voranbringen sollen.
Wankelmut unter deutschen Bischöfen
Allein, wie das überhaupt funktionieren kann, bleibt weiter völlig offen. Der Vatikan sowie auch Papst Franziskus selbst haben mehrfach mit scharfen Worten klargestellt, dass die deutschen Bischöfe ihre Reformvorhaben beenden sollen. Kritik kommt zudem auch aus den eigenen Reihen, einige deutsche Bischöfe um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki kämpfen ebenso gegen jedwede Neuerungen. Gerade auch der Plan, offener mit dem Thema sexueller Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche umzugehen, stößt hier auf wenig Gegenliebe. Damit die Beschlüsse der Synodalversammlung tatsächlich Gültigkeit haben, muss eine Zweidrittelmehrheit unter den 67 Bischöfen in Deutschland zusammenkommen – das misslang bisher zumeist und die Situation dürfte sich weiter negativiert haben, seitdem der Vatikan ganz offen Kritik am Synodalen Weg übt.
Quadratur des Kreises
Ein wenig entstand zuletzt auch der Eindruck, die Bischöfe um ihren Vorsitzenden Georg Bätzing versuchen die Quadratur des Kreises: Einerseits wollen sie Reformen voranbringen und sehen dies als einzige Möglichkeit, dass die Kirche als Institution in Deutschland erhalten bleibt, andererseits wollen sie das Oberhaupt der Kirche in Rom nicht brüskieren oder erzürnen und lehnen jedwede Debatten um eine mögliche Spaltung der deutschen Kirche vom Vatikan ab. Beides wird nicht funktionieren – bleibt die Frage offen, ob wenigstens diese Tatsache in den kommenden Tagen als Erkenntnisgewinn beim Treffen des Synodalen Weges festgehalten werden kann.