Direkt zum Inhalt
Gegenwind in Schottland

Gegenwind in Schottland Geschlechtliche Selbstdefinition spielt im Gefängnis keine Rolle mehr

ms - 13.02.2023 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

Die schottische Premierministerin Nicola Sturgeon bekommt noch mehr Gegenwind bezüglich ihres angedachten Selbstbestimmungsgesetzes, das im Januar erst von Großbritannien gestoppt worden war, da es Frauen diskriminiere und somit gegen das Gleichstellungsgesetz im gesamten Vereinigten Königreich verstoßen würde. Nun stellt sich auch die schottische Strafvollzugsbehörde SPS (Scottish Prison Service)  nach heftigen Diskussionen in den letzten Wochen gegen die Premierministerin und erklärte, dass sie die von Sturgeon eingeführte Politik der geschlechtlichen Selbstidentifizierung neuer Gefangener aufgibt. Künftig wird bei der Entscheidung über die Einweisung eines Gefangenen in ein Gefängnis für Frauen oder für Männer ausschließlich nur noch deren biologisches Geschlecht berücksichtigt. Die Selbstdefinition einer Person spielt dabei jetzt keine Rolle mehr.  

Trans-Vergewaltiger sollte ins Frauengefängnis kommen

Zuvor war es in Schottland in diesen Tagen zu einem medialen Skandal um die Unterbringung eines transsexuellen Vergewaltigers in einem Frauengefängnis gekommen. Der Fall sorgte landesweit und darüber hinaus für Schlagzeilen, weil die Trans-Frau Isla Bryson, die als Mann zwei Frauen vergewaltigt hatte, bevor sie sich als trans definierte, in ein Frauengefängnis verlegt werden sollte. Vor einem ähnlichen Fall hatte bereits vorab auch die britische Regierung gewarnt, weswegen sie unter anderem auch das Selbstbestimmungsgesetz von Sturgeon abgelehnt hatte – in der Begründung war erklärt worden, dass die Gefahr bestünde, dass Frauen von Sexualstraftätern ausgenutzt werden könnten.

Die Causa Bryson ist dabei nicht der einzige Fall dieser Art, bekannt geworden ist auch die Geschichte einer Trans-Frau namens Amy Miller, die vor ihrer Selbstdefinition noch als Mann ein 11-jähriges Mädchen entführt hatte. Miller war bisher in einem Frauengefängnis untergebracht und soll nun in dieser Woche in ein Männergefängnis verlegt werden.

Herber Rückschlag für Premierministerin

Die jetzt angekündigte Änderung, die neu verurteilte oder in Untersuchungshaft befindliche transsexuelle Straftäter betrifft, stellt eine direkte Umkehrung der bisherigen Politik des schottischen Strafvollzugsdienstes dar. Nach ersten Streitigkeiten hatte es noch danach ausgesehen, dass eine Einzelfallentscheidung unter Einbeziehung der Straftaten eines Gefangenen – beispielsweise Sexualstrafakte – mit einbezogen werden würden. Das ist nun vom Tisch. Für Premierministerin Sturgeons ist die Entscheidung ein herber politischer Rückschlag und immer mehr britische Medien sprechen vom Ende ihres Vorhabens in puncto Selbstbestimmung.

Russell Findlay, der Sprecher für kommunale Sicherheit der schottischen Tories, bezeichnete die Kehrtwende als "außergewöhnlich" und erklärte, dass die schottische Politik damit das „Prinzip der Selbstidentifikation praktisch aufgibt". Für die schottische Presse eine spannende Situation, die Premierministerin Sturgeon zudem durch ihr Verhalten verschärft – selbst nach 13 Nachfragen bei offiziellen Pressekonferenzen weigert sich Sturgeon bis heute so, die Frage zu beantworten, ob sie denkt, dass der Sexualstraftäter Bryson nun ein Mann oder eine Frau sei.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Moritz de Hadeln ist tot

Ein Leben für den Film

Mit Moritz de Hadeln verliert die internationale Filmwelt einen langjährigen Festivalleiter und der queere Filme einen ihrer großen Förderer.
TikTok als Spiegelbild

Algorithmus erkennt Queerness

Eine neue Studie zeigt: TikTok-Algorithmen können queere Identitäten erkennen, bevor Menschen sich dessen selbst bewusst sind. Bedenklich oder Chance?
Appell für den Sexclub

Sinnliche Räume ohne Scham

Ein namhafter britischer Psychotherapeut beschreibt Sexclubs als Orte, die für viele schwule Männer weit mehr als sexuelle Begegnungen bedeuten können
US-Soldaten und die Pille

Rekord bei Verschreibungen

Doppelmoral? Während trans* Gesundheitsversorgung eingeschränkt wird, erreichen Potenzmittel-Verschreibungen im US-Militär derweil einen Höchststand.
CSDs unter politischem Druck

Queere Angst vor AfD-Mehrheit

In Sachsen-Anhalt wächst vor der Landtagswahl die Sorge, dass eine mögliche AfD-Mehrheit die Situation queerer Menschen deutlich verschlechtern könnte
Brutaler Angriff in Palermo

Homophobie als Tatmotiv

Nach einem homophoben Angriff inklusive Taser-Einsatz auf ein schwules Paar in Palermo hat die Polizei jetzt drei Verdächtige ermittelt.
Auslieferung nach Deutschland

Gericht weist Beschwerde zurück

Tschechien hat den Weg für die Auslieferung der verurteilten Rechtsextremistin Marla Svenja Liebich nach Deutschland freigemacht.
30 Jahre neue HIV-Therapie

Wendepunkt in der Aids-Geschichte

Vor 30 Jahren veränderte die Kombinationstherapie die HIV-Behandlung – von einer lebensbedrohlichen Infektion zu einer chronischen Erkrankung.
Neues Urteil aus Seoul

Fortschritt mit Grenzen

Ein weiteres Gerichtsurteil stärkt die Rechte gleichgeschlechtlicher Paare in Südkorea – eine vollständige rechtliche Anerkennung bleibt jedoch aus.