Kirchlicher LGBTI*-Hass LGBTI*-Menschen entspringen einer "zutiefst verwirrten Kultur"
Eine der größten Kirchen der Vereinigten Staaten von Amerika, die First Baptist Church in Jacksonville, Florida, forderte in diesen Tagen all ihre Mitglieder auf, eine Erklärung gegen LGBTI*-Rechte zu unterschreiben oder anderenfalls mit sofortiger Wirkung auszutreten.
Biblische Vereinbarung gegen schwulen Sex
Konkret geht es dabei um eine sogenannte "Biblische Sexualitätsvereinbarung", die sich sehr detailliert gegen gleichgeschlechtlichen Sex, gleichgeschlechtliche Ehen und auch gegen Trans-Personen richtet. Allesamt sei dies gotteswidrig, so der leitende Pastor Heath Lambert: "Als Mitglied der First Baptist Church glaube ich, dass Gott den Menschen nach seinem Ebenbild entweder als Mann oder als Frau erschaffen hat und dass diese Erschaffung eine feste Angelegenheit der menschlichen Biologie ist und nicht eine individuelle Entscheidung. Ich glaube, dass die Ehe von Gott und nicht von der Regierung gestiftet wurde, dass sie zwischen einem Mann und einer Frau besteht und dass sie der einzige Rahmen für sexuelles Begehren und sexuellen Ausdruck ist.“
Unterstützung für homophobe Hardliner vor Gericht
Wie viele Kirchenmitglieder bereit sind, die Erklärung zu unterschreiben, ist derzeit noch nicht bekannt – Zeit dazu haben sie bis Mitte März, anderenfalls werden sie aus der Gemeinde ausgeschlossen. Laut Pastor Lambert bedürfe es einem „hellen Licht der Klarheit in diesen dunklen und verwirrenden Zeiten“. Zudem wolle der Geistliche damit auch ein notwendiges Zeichen setzen gegen all jene, die „uns vor Gericht bringen wollen, um von uns zu verlangen, dass wir unsere Politik für Menschen ändern, die nicht mit unseren biblischen Überzeugungen übereinstimmen."
Explizit nimmt Lambert damit auch Bezug auf die derzeit laufenden Verfahren bis hinauf zum Obersten Gerichtshof, die sich jüngst immer wieder mit der Frage beschäftigen, ob die Religionsfreiheit oder Anti-Diskriminierungsgesetze schwerer wiegen. Es steht zu befürchten, dass die mehrheitlich konservativen Richter am Supreme Court vielleicht noch in diesem Jahr ein Urteil mit verheerenden Folgen für die Gleichberechtigung von LGBTI*-Menschen fällen könnten.
LGBTI*-Aktivisten seien Extremisten
Lambert erklärte weiter, dass die Akzeptanz von LGBTI*-Menschen einer „zutiefst verwirrten Kultur" entspringe und dass LGBTI*-Aktivisten „versuchen, jede Opposition gegen ihre extremistische Agenda auszurotten. Sie werden nicht ruhen, bis ihre Verwirrung jeden Bereich der Gesellschaft durchdrungen und jede Stimme des Widerstands zum Schweigen gebracht hat. Sie haben versucht, jeden zu beschämen, zum Schweigen zu bringen, zu bekehren und zu bestrafen - sogar mit der Kraft des Gesetzes -, der nicht mit ihrer neuen und extremen Agenda übereinstimmt." Lambert polterte in seiner Rede immer weiter gegen die LGBTI*-Community und verbreitete auch direkt Fake News.
Es geht auch anders, zeigt Australien!
Wie große Kirchen indes auch anders mit der Thematik umgehen können, beweist indes in diesen Tagen die St. Michael's Uniting Church im australischen Melbourne, geleitet von den beiden lesbischen Pfarrerinnen Dr. Margaret Mayman und Clare Brockett. Die beiden Frauen segnen auch LGBTI*-Paare und entschuldigen sich immer wieder bewusst für den Schmerz, den die Religion vielen homosexuellen und queeren Menschen zugefügt habe. Die Uniting Church of Australia ist dabei eine progressive Kirche und hat seit 2021 auch die erste Trans-Predigerin in den eigenen Reihen. Kaum vorstellbar, dass sich die gläubigen US-Kollegen daran ein Beispiel nehmen.
Mayman betont dabei: "Ich weiß, wie viele Menschen sich von der Religion entfremdet und durch sie verletzt fühlen. Und trotzdem gehen sie das Risiko ein und kommen zu uns. Deshalb möchte ich dafür sorgen, dass unsere Kirche wirklich und wahrhaftig inklusiv ist. Einige Kirchen behaupten, sie seien es, haben aber eine Agenda, die es nicht ist. Spiritualität und Sexualität - die Menschen sollten sich nicht zwischen beiden entscheiden müssen. Es ist so wichtig, die Menschen offen zu ehren, wie sie sind, ihren Geist. Und ich bin froh, dass ich das tun kann.“