Hass-Rhetorik schafft Gewalt Rechtsextremisten schwören sich immer mehr auf LGBTI* ein
Eine neue US-Studie des Armed Conflict Location & Event Data Projects (ACLED) legt nun die Vermutung nahe, dass Hass-Rhetorik gegenüber LGBTI*-Menschen auch direkt zu einer Zunahme von rechtsextremer Gewalt und Anti-LGBTI*-Protesten führt. Bisher war dies zwar oftmals schon vermutet worden, die ACLED-Untersuchung befasste sich aber erstmals wissenschaftlich damit.
Homophober Hass führt zu mehr rechter Gewalt
Vor allem gäbe es eine starke Korrelation zwischen der Zunahme von Anti-LGBTI*-Rhetorik und der Zunahme rechtsextremen Protesten in den Vereinigten Staaten von Amerika. An erster Stelle in puncto Motivation für rechtsextremistische Gewalttäter steht zwar nach wie vor die Mär von der weißen Vorherrschaft und einer Hingebung zum Nationalismus, gleich danach erscheinen aber bereits Anti-LGBTI*-Aktionen als Motiv in der Rankingliste. Besonders auffällig ist dabei, dass der starke Anstieg von rechtsextremen Taten in den USA in direktem Zusammenhang mit einer homophoben Rhetorik und Anti-LGBTI*-Aktionen zusammenhängt.
Rechtsextreme machen mobil gegen LGBTI*
Konkret in Zahlen bedeutet dies, dass 14 Prozent aller rechtsextremen Demonstrationen in den USA im Jahr 2022 durch Anti-LGBTI*-Ideologie angeheizt worden sind – im Jahr zuvor waren es nur drei Prozent gewesen. Die bekanntesten Köpfe der rechtsextremen US-Szene nahmen 2022 an 55 Anti-LGBTI*-Veranstaltungen in 18 Bundesstaaten teil. 2021 waren es nur 16 Veranstaltungen gewesen. Wenig verwunderlich zeigte sich dabei auch: Je stärker die homophobe Rhetorik gerade vor den diesjährigen Kongresswahlen in einem Bundesland ausgeprägt war, desto öfter kam es auch zu Angriffen auf LGBTI*-Menschen.
Was bringt die Zukunft?
Die bange Frage, die sich das Forscherteam nun stellt, ist jene nach der Zukunft. Immer mehr zeichnet sich ab, dass es für LGBTI*-Menschen in Amerika von Jahr zu Jahr gefährlicher wird, in Regionen zu leben, in denen sich immer mehr Anti-LGBTI*-Organisationen gründen. Aus dem verbalen Hass wird physische Gewalt. Zudem befürchtet ACLED, dass Donald Trumps Präsidentschaftswahlkampf in den nächsten zwei Jahren die Situation massiv weiter verschlimmern könnte. „Wir gehen davon aus, dass bestimmte Sektoren der extremen Rechten, beispielsweise Gruppen wie die Proud Boys, wiederbelebt werden könnten", so ACLED-Direktorin Roudabeh Kishi. Von den 100 Pro-Trump-Demonstrationen, die bisher in diesem Jahr stattgefunden haben, waren dem Bericht zufolge bereits 25 Prozent mit rechtsextremen Akteuren besetzt.
Hass auf LGBTI* allein ist nicht mehrheitsfähig
Zwar habe sich für die Republikaner bei den Zwischenwahlen gezeigt, dass es nicht ausreicht, nur Stimmung gegen LGBTI*-Menschen zu machen, ein grundsätzlich gutes Signal, auch wenn Kishi nicht glaubt, dass die Hardliner der Partei deswegen von ihrer Anti-LGBTI*-Rhetorik abrücken werden. Die “dominante Erzählstrategie der Rechten" müsse sich aus Sicht der Rechtsextremisten ändern, um wieder erfolgreich zu sein – Kishi befürchtet, dass so neue Gruppen entstehen könnten, in denen sich Republikaner mit Rechtsextremisten und anderen Fanatikern wie Evangelikalen oder christlichen Nationalisten zusammenschließen werden. Nebst der Beschwörung der “weißen Vorherrschaft“ könnte der Feind auch bereits ausgemacht sein: LGBTI*-Amerikaner und ihre Rechte.