Pinkwashing als Straftat? Bußgeld für Greenwashing – wann wird Pinkwashing eine Straftat?
Die australische Regierungsbehörde hat jetzt erstmals in der Geschichte eine Geldstrafe für das sogenannte “Greenwashing“ verhängt – dabei handelt es sich um Unternehmen und Organisationen, die sich klimafreundlich geben, ohne tatsächlich entsprechende Maßnahmen umzusetzen. LGBTI*-Aktivisten in Down Under erhoffen sich von dem Urteil eine Signalwirkung, die künftig auch mit Blick auf das Pinkwashing umgesetzt werden könnte – jedes Jahr während den Pride-Monaten im Sommer geben sich auch hier große Firmen zumeist aus Image-Gründen und mit Blick auf mögliche Umsatzsteigerungen einen LGBTI*-freundlichen Anstrich, während sie sich das restliche Jahr kaum oder gar nicht für die Belange der Community einsetzen. Oftmals fehlt es in solchen Fällen auch an einem queer-freundlichen Arbeitsumfeld und Diversity-Strukturen innerhalb der Unternehmen.
Sind Strafen auch für Pinkwashing denkbar?
Kann der Fall Australien also bestenfalls Schule machen? Im Land selbst wurde die Energiefirma “Tlou Energy“ abgestraft, wobei sich konkret nachweisen lassen konnte, dass das Unternehmen seine Praktiken als umweltfreundlicher darstellte, als sie in der Realität waren. Die Firma hatte angegeben, dass der von ihr produzierte Strom CO2-neutral und ihr Gas-Energieprojekt emissionsarm sei. Die australische Regierungsbehörde verhängte aufgrund dieser Falschangaben ein Bußgeld von umgerechnet rund 22.000 Euro. Für andere Unternehmen, die sich vermeintlich klimafreundlich geben, ohne es zu sein, dürfte das Urteil eine eindringliche Warnung sein. Beim Pinkwashing allerdings, so befürchten Aktivisten vor Ort, liege der Fall komplexer, da sich nicht immer so eindeutig nachweisen lässt, wann ein Unternehmen Akzeptanz nur simuliert und wann es dies ernst meint. Zudem sind die Übergänge fließend und obliegen oftmals einer individuellen Interpretation. Was sind Lippenbekenntnisse und wann steckt vielleicht doch echtes Engagement dahinter?
Zerreißprobe für die LGBTI*-Community
Trotzdem, sofort klein beigeben will die australische LGBTI*-Community nicht und hofft auch auf ein Umdenken bei den großen Unternehmen im kommenden Pride-Sommer 2023. Weg vom reinen Symbolcharakter hin zu echtem Einsatz für mehr Rechte für die LGBTI*-Community. Gerade in Australien ein aktuell sehr heißes Eisen, weil die Gesellschaft sich in diesen Monaten gerade bei Fragen um die Rechte für die LGBTI*-Community sehr zerrissen zeigt. So werden einerseits noch immer zumeist zahlreiche religiöse Bildungseinrichtungen geduldet, die homophobe Leitlinien zur Grundbedingung für die Aufnahme von Schülern machen, während anderenorts in einigen Bundesstaaten wie Victoria inzwischen Eltern dazu gezwungen werden, ohne Rückfragen Transitionen von ihren Kindern unreflektiert zu erlauben, weil anderenfalls der Gesetzgeber mit dem Entzug des Sorgerechts droht.
Pinkwashing in Deutschland
In Deutschland sorgten auch in den letzten Jahren besonders dreiste Pinkwashing-Fälle immer wieder für hitzige Diskussionen. Im Sommer 2021 hatte beispielsweise BMW sein Firmenlogo auf dem internationalen Instagram-Account mit den Regenbogenfarben versehen, behielt in Ländern wie Saudi-Arabien, Russland und Polen das Standard-Logo allerdings bei. Ähnliche Kritik wurde gegenüber dem Autokonzern Daimler oder auch gegenüber der UEFA und dem DFB laut, die sich 2021 digital in Regenbogenfarben zeigten, an anderer Stelle aber während des Fußballspiels Ungarn gegen Deutschland bei der Europameisterschaft untersagten, das Münchner Fußballstadion in Regenbogenfarben erstrahlen zu lassen. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hatte daraufhin die beiden Fußballverbände scharf kritisiert: "Ich finde es beschämend, dass die UEFA uns verbietet, ein Zeichen für Weltoffenheit, für Toleranz, für Respekt und für Solidarität mit den vielen Menschen in der LGBTI*-Community abzugeben. Und ich finde es sehr enttäuschen, dass der DFB sich nicht in der Lage sah - oder sich nicht in der Lage sehen wollte - dieses Ergebnis zu beeinflussen." So mancher deutscher LGBTI*-Aktivist würde sich in solchen Fällen inhaltlich wahrscheinlich den Kollegen aus Down Under anschließen und eine Strafe für derart eindeutige Fälle von Pinkwashing einfordern.