Direkt zum Inhalt
Mehr Schutz für queere Menschen
ANZEIGE

Schutz für queere Menschen LGBTI*-Hassverbrechen sollen in Irland mit fünf Jahren Haft bestraft werden

ms - 27.10.2022 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Irland will deutlich stärker gegen Hassverbrechen vorgehen, die LGBTI*-Menschen erleiden müssen. Das irische Kabinett hat jetzt einen ersten Gesetzentwurf verabschiedet, der künftig die Täter von Hassverbrechen mit mehrjährigen Gefängnisstrafen ahnden soll. Die LGBTI*-Community in Irland feierte diesen Schritt als Meilenstein für das Land, bisher stehen in erster Linie Menschen unter Schutz, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert wurden. Das Kabinett reagiert damit auch auf die massiv gestiegenen Fallzahlen von Hassverbrechen in weiten Teilen Europas – je nach Land wurde binnen eines Jahres ein Anstieg von durchschnittlich rund 50 Prozent verzeichnet.  

Fünf Jahre Haft für Hassverbrechen

Wer nun künftig absichtlich zu Hass und Gewalt gegenüber einer LGBTI*-Person aufgrund ihrer Geschlechtsidentität oder ihres Geschlechtsausdrucks anstachelt oder selbst einen solchen Menschen deswegen angreift, soll mit einer Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren bestraft werden. Im Fokus dabei sind auch Trans-Personen, die der Gesetzgeber als besonders vulnerable Gruppe anerkennt und ihnen mehr Schutz bieten will. Die Aktualisierungen des irischen Gesetzes über Hassverbrechen sehen auch vor, Menschen mit Behinderungen in den Kreis der geschützten Personen aufzunehmen. Das irische Kabinett will die neuen Beschlüsse dabei auf Grundlage international bereits erfolgreich angewandter Anti-Hass-Gesetze umsetzen. Zu den anderen "geschützten Merkmalen", die bereits in dem Land eingeführt wurden, gehören Nationalität, Religion, Rasse, ethnische Zugehörigkeit, Hautfarbe, sexuelle Orientierung und nationale Herkunft.

Die Redefreiheit bleibt unangetastet

Allerdings hält Irland auch zwei zusätzliche Aspekte fest: Zum einen soll es einen sogenannten "Demonstrationstest" geben, ein Kontrollorgan, welches sachlich beurteilen soll, ob ein Vergehen oder eine Straftat wirklich ein Hassverbrechen ist oder nicht. Dabei soll konkret festgestellt werden, ob eine Straftat tatsächlich aufgrund von Hass über die Identität einer Person zustande gekommen ist. Zum anderen bekräftigten die irischen Abgeordneten den Wert der Redefreiheit, sodass der Gesetzentwurf auch vorsieht, dass Kritik oder auch eine strittige Diskussion über queere sowie Trans-Themen nach wie vor legal und geschützt sind und nicht als Anstiftung zu Gewalt oder Hass eingestuft werden wird.

Der Kampf um Gleichberechtigung wurde in Irland mit aller Härte geführt, das Land hielt dabei lange auch an dem sogenannten Labouchère Amendment fest, der Homosexualität illegal machte und einst vor hundert Jahren von der britischen Gesetzgebung übernommen worden war. Obwohl das Vereinigte Königreich selbst den Paragrafen 1967 abschaffte, hielt Irland lange Zeit und gegen erbitterte Widerstände daran fest. Erst eine Klage für dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte sorgte für ein Einlenken der Regierung, sodass Homosexualität 1993 legal wurde. Fünf Jahre später wurde dann auch die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung gesetzlich als Straftat festgeschrieben. Ebenso langwierig gestaltete sich die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe, die schlussendlich im Oktober 2015 in Kraft getreten ist.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Happy Birthday Ralf König

Comic-Ikone feiert Schnapszahl

Mit seinen Comics prägte Ralf König über Jahrzehnte das Selbstverständnis schwuler Männer – jetzt wird der Meister 66 Jahre jung. Wir gratulieren!
Musikwelt in Trauer

Madonna-Produzent ist tot

William Orbit ist tot. Die Musikwelt verliert einen der einflussreichsten Produzenten, unter anderem von Madonna, Britney Spears und Pink.
Gute Ausreden im Sommer

Hitzefrei im Regenbogenland

Wenn die Temperaturen steigen, wird das Nachtleben kreativ – vor allem bei der Frage, warum heute wirklich niemand auf die Tanzfläche muss.
Schwule Badehäuser in New York

Comeback nach 40 Jahren Verbot

Die Stadt New York prüft nach 40 Jahren Verbot die Rückkehr von schwulen Badehäusern – ein Abschied von Regeln aus der frühen AIDS-Krise.
Tödliche Dating-Masche

Mord in Niederösterreich

Ein 29-jähriger schwuler Mann wurde in Niederösterreich in eine Dating-Falle gelockt und zu Tode geprügelt. Tatverdächtig ist ein 18-Jähriger.
Streit um gleiche Elternrechte

120.000 Unterschriften gesammelt

Eine Petition des LSVD+ fordert gleiche rechtliche Absicherung für alle Kinder – inzwischen haben rund 120.000 Menschen unterschrieben.
LSVD+ und HateAid

Neues Bündnis gegen Hass

QueerSafe Berlin und HateAid bündeln ihre Angebote, um queere Menschen bei digitaler Gewalt schneller und umfassender zu unterstützen.
Feuerwehrkapitänin getötet

Ehefrau legt Mordgeständnis ab

Eine 54-jährige Frau hat jetzt in Kalifornien den Mord an ihrer Ehefrau Rebecca Marodi gestanden. Ermittler sehen Eifersucht als mögliches Motiv.
Streit im Tennissport

Debatte um neue Gen-Tests

Der Streit über den Ausschluss von trans* Sportlerinnen im Frauentennis geht weiter, jetzt äußerte sich Coco Gauff zu den Geschlechtstests der WTA.