Direkt zum Inhalt

Italien vor der Wende In letzter Sekunde mehr LGBTI*-Rechte gesichert

Von ms - 13.10.2022 - 12:00 Uhr
Italien vor der Wende
Foto: IMAGO / Pacific Press Agency
ANZEIGE
Loading audio player...

In einem letzten Kraftakt hat die aktuelle italienische Regierung jetzt ein neues Gesetz zum Schutz von sexuellen Minderheiten auf den Weg gebracht. Es dürfte das letzter dieser Art für einen längeren Zeitraum sein, denn sobald die neu gewählte, designierte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni vereidigt wird, können Homosexuelle und queere Menschen in Italien nicht auf mehr Rechte hoffen. Meloni hatte bereits unmissverständlich klargemacht, dass ihr die jetzige Gesetzgebung wie beispielsweise ein Partnerschaftsgesetz für Homosexuelle bereits viel zu weit gehen würde.

Ziel der sogenannten “LGBT-Strategie 2022-2025” der noch aktuellen Mitte-Links-Regierung soll es sein, durch gezielte Maßnahmen und Richtlinien der Diskriminierung von LGBTI*-Menschen im alltäglichen Leben entgegen zu wirken. Darunter fallen beispielsweise auch Sensibilisierungskurse für Polzisten, Ärzte oder Lehrer. Zudem soll in Arbeitsverträgen künftig ein Passus gegen die Diskriminierung von LGBTI*-Menschen verpflichtend inkludiert sein. Des Weiteren soll vermehrt in den Medien auf homophobe Äußerungen geachtet werden. Das Gesetz wurde buchstäblich in letzter Sekunde verabschiedet, denn Meloni arbeitet zielstrebig daran, durch ein rechtspopulistisches Bündnis eine regierungsfähige Mehrheit zu erlangen. Läuft alles nach ihren Plänen, könnte sie bereits Ende Oktober offiziell die neue Ministerpräsidentin Italiens werden.

Fraglich ist, ob und wie lange das soeben beschlossene Gesetz wirksam sein wird. Zwar hat Meloni vor der Wahl ausgeschlossen, bestehende Gesetze zum Schutz von LGBTI*-Menschen zurückzunehmen, fraglich bleibt aber, ob dies auch für eben erst verabschiedete Richtlinien Gültigkeit hat. Klar hingegen ist bereits jetzt, dass es mit ihr an der Spitze des Staates keine gleichberechtigte Homo-Ehe oder gar ein Adoptionsrecht für Homosexuelle geben wird. Die italienische LGBTI*-Community blickt daher in diesen Tagen eher zurückhaltend auf die neusten Entwicklungen, Italien könnte noch mehr in puncto LGBTI* zum Schlusslicht in Mitteleuropa werden. Erst im Jahr 2016 hatte Italien als letztes westeuropäisches Land die eingetragene Lebenspartnerschaft für Homosexuelle eingeführt. Ende September hatte das Bündnis aus Melonis Partei Fratelli d'Italia (Brüder Italiens), der konservativen Forza Italia sowie der rechtsnationalen Lega 43 Prozent der Wählerstimmen hinter sich vereinen können, allein Melonis Partei kam dabei auf rund 25 Prozent. Ihr Wahlspruch: "Gott, Vaterland, Familie".

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Berliner MorgenpostNach Razzia gegen queeres Gesundheitsprojekt: Demo in Berlin angekündigtSWRGrüner Sozialminister BW sorgt sich um Minderheiten: Hildenbrand will "Anwalt" der queeren Community seinFalterBlauland: Zum Jubiläum ein Regenbogen-Hirschgeweihntv"Man hat sich geschminkt": Thomas Anders vergleicht sich mit Bill KaulitzAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Heated Rivalry Look-a-Like

Doppelgänger auf Liebesurlaub

Erst gewannen sie als „Heated Rivalry“-Doppelgänger einen Wettbewerb, jetzt genießen Felix Eller und Aram Matagi romantische Tage in Kanada.
Wege aus der Sexspirale

Chemsex-Therapie zeigt Erfolge

Eine britische neue Studie zeigt ermutigende Ergebnisse: Gruppentherapie kann Männern helfen, Chemsex und zwanghaftes Sexualverhalten zu verändern.
Der Lügenbaron im Oval Office

Santos als Trumps Pressesprecher?

Nach dem Blitzabgang von Trumps Sprecherin bewirbt sich der wegen Betrugs verurteilte Ex-Abgeordnete George Santos öffentlich um den Job.
Hildenbrand will Mut machen

Schwuler Minister über Coming-Out

Baden-Württembergs Sozialminister Oliver Hildenbrand spricht über seine Jugend als schwuler Mann, Familienvielfalt und den Schutz von LGBTIQ+-Menschen
Growlr verliert Nutzer

Bears wechseln zur Konkurrenz

Nach dem Ende der Livestreams bei Growlr berichten Konkurrenten von abwandernden Nutzern. Die neuen Eigentümer versprechen indes einen Neustart.
Türkei hält Aktivisten fest

Menschenrechtler schlagen Alarm

Mehr als einen Monat nach landesweiten Razzien sitzen in der Türkei weiterhin LGBTIQ+-Aktivisten ohne Anklage in Untersuchungshaft.
Debatte um Grindr-Spende

13.500 Dollar für Republikanerin?

Grindr-Chef George Arison unterstützt offenbar eine republikanische Senatorin finanziell und sorgt damit für neue Debatten in der Community.
Trumps Männerbild

Präsidenten-Nichte übt Kritik

Mary Trump kritisiert die öffentlichen Bemerkungen ihres Onkels über Männerkörper und sieht darin Anzeichen nachlassender Impulskontrolle.
Queere Jugend in Neuseeland

Regierung scheitert mit Verboten

Neuseelands Oberster Gerichtshof hebt das Verbot neuer Pubertätsblocker-Verordnungen für trans* Jugendliche auf und rügt Diskriminierung.