Direkt zum Inhalt
Tausende Menschen gedenken heute dem Trans-Mann
ANZEIGE

Beerdigung von Malte Geschäfte und Privatpersonen zeigen mit Regenbogenflaggen ihre Anteilnahme

ms - 04.10.2022 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Am heutigen Dienstag wird Malte C. auf dem Waldfriedhof Lauheide in Münster beerdigt – der 25-jährige Trans-Mann war das Opfer eines tödlichen Angriffs während des diesjährigen CSDs Ende August in Münster geworden. Nach Angaben der Polizei soll der 20-jährige Tschetschene Nuradi A. eine Gruppe von lesbischen Frauen am Rande des Prides als “lesbische, dreckige Huren“ beschimpft haben, bis Malte dazwischen ging. Ohne Vorwarnung soll der Tschetschene und Boxsportler zwei Mal mit der Faust direkt in das Gesicht des jungen Trans-Mannes geschlagen haben, der daraufhin zu Boden ging und mit dem Hinterkopf auf den Asphalt aufschlug. Trotz mehrerer Notoperationen konnten die Ärzte das Leben von Malte nicht retten, er verstarb wenige Tage später an den Verletzungen eines schweres Schädel-Hirn-Traumas.  

Heute Nachmittag nun wird der junge Trans-Mann in Münster beerdigt, die Tat wirkt dabei bis heute innerhalb wie außerhalb der LGBTI*-Community nach. Bundesinnenministerin Nancy Faeser hatte daraufhin eine unabhängige Expertengruppe eingerichtet, die künftig über konkrete Handlungsempfehlungen beraten soll, um Hasskriminalität gegenüber LGBTI*-Menschen besser begegnen zu können. Das Gremium hat Ende September seine Arbeit bereits aufgenommen. Wie bei den Demonstrationen gegen LGBTI*-Hass in Münster im September, werden auch heute mehrere tausend Menschen zu der Beerdigung erwartet. 14 LGBTI*-Vereine aus dem Raum Münster baten letzte Woche bereits alle Einwohner der Stadt, am heutigen Tag Flagge gegen Hass und Anfeindung zu zeigen. In einem offenen Brief schrieben sie unter anderem: „Dieser Angriff schockiert uns noch immer. Er hat uns schmerzhaft vor Augen geführt, dass wir uns nirgendwo wirklich sicher fühlen können und lässt uns traurig und wütend zurück.“ Malte sei dabei allein im Krankenhaus gestorben, weil zuletzt aufgrund seiner schweren Verletzungen niemand mehr zu ihm durfte. „Wir möchten ihm einen angemessenen Abschied gewähren. Dieser soll sowohl seine Zivilcourage würdigen, als auch ein entschiedenes Zeichen gegen Queerfeindlichkeit setzen und dafür brauchen wir Ihre Hilfe. Wir bitten Sie, am Tag der Beisetzung und Trauerfeier in Geschäften, Firmen und aus privaten Wohnungen Regenbogenflaggen oder Transgenderflaggen zu hängen. Wir bitten darum, dass an dem Tag ganz Münster solidarisch an der Seite queerer Menschen steht. Insbesondere die nächste Generation – queere Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene – braucht ein deutliches Zeichen, dass sie in Münster erwünscht und sicher ist.“ Eine zusätzlich bittere Note bekam die Tat auch dadurch, dass ausgerechnet in Münster vor fünfzig Jahren die deutschlandweit allererste Gay-Demonstration für die Rechte von Homosexuellen stattgefunden hatte.  

Der mutmaßliche Täter Nuradi A., ein Tschetschene mit russischer Staatsbürgerschaft, war bereits wenige Tage nach der Tat aufgegriffen worden, er befindet sich seitdem aufgrund von Fluchtgefahr in der JVA Herford in Untersuchungshaft. Nuradi A. lebte trotz eines nicht bewilligten Asylantrages in Deutschland, da die Bundesrepublik aufgrund des Ukraine-Krieges aktuell keine russischen Staatsbürger ausweist. Sein Aufenthaltstitel war laut der BILD-Zeitung von der Ausländerbehörde erst wenige Tage vor der Tat um ein Jahr bis 2023 verlängert worden. Dem jungen Mann drohen zwischen drei und fünfzehn Jahre Haft, je nachdem, ob er nach Jugendstrafrecht verurteilt wird oder nicht. Wie der  Spiegel berichtet, ist Nuradi A. bereits polizeibekannt und mehrfach wegen Körperverletzung vorbestraft. Die Mutter des mutmaßlichen Täters, Rizuana A., hatte kurz nach dem Tod von Malte gegenüber RTL erklärt, ihr Sohn sei tolerant und habe nie etwas gegen Homosexuelle gesagt. „Das hätte ich auch nicht geduldet, jeder soll doch sein und machen, was er will. Jetzt denke ich die ganze Zeit an den toten Jungen, an seine Familie. Es tut mir unendlich leid.“ In ihrem Sohn will sie keinen Killer sehen, so die Mutter weiter. Nuradi A. soll beim Integrationsprojekt “Farids QualiFighting“ in Münster geboxt haben und wurde mit 14 Jahren Deutscher Meister in der Gewichtsklasse bis 44 Kilogramm. Zu seinen Beweggründen schweigt der 20-Jährige noch immer, mehrfach kam das Gerücht auf, der junge Tschetschene hätte während des CSDs in Münster selbst erwähnt, dass er homosexuell sei. Eine zweifelsfreie Bestätigung für diese Aussage gibt es nicht.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Happy Birthday Ralf König

Comic-Ikone feiert Schnapszahl

Mit seinen Comics prägte Ralf König über Jahrzehnte das Selbstverständnis schwuler Männer – jetzt wird der Meister 66 Jahre jung. Wir gratulieren!
Musikwelt in Trauer

Madonna-Produzent ist tot

William Orbit ist tot. Die Musikwelt verliert einen der einflussreichsten Produzenten, unter anderem von Madonna, Britney Spears und Pink.
Gute Ausreden im Sommer

Hitzefrei im Regenbogenland

Wenn die Temperaturen steigen, wird das Nachtleben kreativ – vor allem bei der Frage, warum heute wirklich niemand auf die Tanzfläche muss.
Schwule Badehäuser in New York

Comeback nach 40 Jahren Verbot

Die Stadt New York prüft nach 40 Jahren Verbot die Rückkehr von schwulen Badehäusern – ein Abschied von Regeln aus der frühen AIDS-Krise.
Tödliche Dating-Masche

Mord in Niederösterreich

Ein 29-jähriger schwuler Mann wurde in Niederösterreich in eine Dating-Falle gelockt und zu Tode geprügelt. Tatverdächtig ist ein 18-Jähriger.
Streit um gleiche Elternrechte

120.000 Unterschriften gesammelt

Eine Petition des LSVD+ fordert gleiche rechtliche Absicherung für alle Kinder – inzwischen haben rund 120.000 Menschen unterschrieben.
LSVD+ und HateAid

Neues Bündnis gegen Hass

QueerSafe Berlin und HateAid bündeln ihre Angebote, um queere Menschen bei digitaler Gewalt schneller und umfassender zu unterstützen.
Feuerwehrkapitänin getötet

Ehefrau legt Mordgeständnis ab

Eine 54-jährige Frau hat jetzt in Kalifornien den Mord an ihrer Ehefrau Rebecca Marodi gestanden. Ermittler sehen Eifersucht als mögliches Motiv.
Streit im Tennissport

Debatte um neue Gen-Tests

Der Streit über den Ausschluss von trans* Sportlerinnen im Frauentennis geht weiter, jetzt äußerte sich Coco Gauff zu den Geschlechtstests der WTA.