50 Jahre LGBTI* in der Schweiz Kernthemen sind Hasskriminalität, Affenpocken und mehr Rechte für LGBTI*
Eine der größten und ältesten Organisationen für LGBTI*-Menschen in der Schweiz feiert in diesen Tagen sein 50-jähriges Jubiläum. Die HAZ (Homosexuelle Arbeitsgruppen Zürich) in Zürich bietet dabei eine breite Palette von Angeboten für queere Menschen an, das Spektrum reicht von Beratung über Gedankenaustausch in verschiedenen Gruppen bis zur stetigen Erweiterung einer eigenen LGBTI*-Bibliothek und gezielten politischen Kampagnen unter dem Motto “HAZ Regenbogenpolitik“. Die Organisation ist parteipolitisch, ideologisch und religiös unabhängig. In zehn unterschiedlichen Gruppen für LGBTI*-Jugendliche, Bisexuelle sowie Homosexuelle oder auch trans-Menschen können Interessierte sich austauschen und beraten werden. Zudem konfrontiert der Verein bei nationalen, kantonalen und kommunalen Wahlen auch heimische Politiker mit den LGBTI*-Themen, die die Community in der Schweiz derzeit bewegt. Zuletzt setzte sich die HAZ auch sehr erfolgreich für die Kampagne zur Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe ein, die seit Juli 2022 nun Realität in der Schweiz ist. Co-Präsident Patrick Hadi Huber beschreibt die Organisation kurz und knapp so: „Die HAZ sind Anlaufstelle, Seelsorgerin und Treffpunkt in einem. Sie bieten in diesem Rahmen für viele Menschen ein Zuhause.“
Noch bis Ende dieser Woche laufen die zweiwöchigen Feierlichkeiten und stehen unter dem allseits bewährten Motto der Organisation: Menschen zusammenbringen. Das Grundkonzept erklärt Co-Präsidentin Ulla Blume so: „Schwul, lesbisch, bi oder trans, das ist nicht alles, was wir sind – aber es gehört zu allem, was wir sind. Solange Homosexualität, Bisexualität- und Trans-Sein nicht selbstverständlich sind, solange Menschen diskriminiert und gemobbt werden und verzweifeln, weil sie nicht hetero oder cis sind, solange werden wir nicht aufhören, für die Emanzipation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und trans-Menschen zu kämpfen.“ Die Resonanz der ersten Tage zeigt dabei klar, dass in den letzten Jahren viel erreicht wurde, aber andererseits auch noch viel Arbeit vor der LGBTI*-Community liegt. Zwischen zahlreichen Workshops, Podiumsdiskussionen und queeren Poetry-Slams wird in diesen Tagen mit Freude, aber auch mit viel Ernsthaftigkeit über die Zukunft der queeren Szene gerungen und debattiert.
Die Kernthemen sind sowohl aktuelle Kampagnen gegen die steigende Hasskriminalität in der Schweiz wie aber auch der Kampf für mehr Rechte und für eine weitere Öffnung der Gesellschaft hin zur LGBTI*-Community. Parallel zu den Feierlichkeiten will die Stadt Zürich auch mit großflächigen Plakatkampagnen auf Feindseligkeiten gegenüber LGBTI*-Menschen aufmerksam machen. Das Motto lautet dabei: "Zürich schaut hin - Gemeinsam gegen Sexismus, Homo- & Transfeindlichkeit". Verbunden ist die Aktion mit einem digitalen Portal, bei dem sich Betroffene melden können. Wie auch in Deutschland sind auch in der Schweiz die Fälle von Hasskriminalität gegenüber queeren Menschen massiv angestiegen, Ballungszentrum ist Zürich. Weitere Themen in diesen Tagen sind dann auch Forderungen nach einer Neugestaltung der Stiefkind-Adoption, eine Stärkung von Regenbogenfamilien und die Affenpocken – in der Schweiz wurde trotz stetig steigender Fallzahlen in der Gay-Community bis Ende August kein Impfstoff zugelassen, bis der Schweizer Bundesrat auf Druck der LGBTI*-Community schlussendlich doch vor wenigen Tagen 100.000 Impfdosen bestellt hat. Wann diese allerdings in der Schweiz eintreffen werden, ist noch vollkommen ungewiss. Es gibt also in der Tat nach wie vor viel zu tun und viel zu besprechen in der Schweiz.