Jugendliche empfinden großes Misstrauen Neue Studie sei ein alarmierendes Warnsignal
Die neusten Daten der “Vertrauensstudie 2022“ der Universität Bielefeld sollten als eindringliche Warnung an alle verstanden werden: Das Vertrauen vieler Kinder und Jugendlicher in andere Menschen und Institutionen unserer Gesellschaft ist schwer erschüttert. Rund 22 Prozent dieser Generation Z definiert sich dabei selbst als LGBTI*, sodass die neusten Zahlen auch in der Community für Diskussionsbedarf sorgen dürften.
Im Detail: Zwei Drittel der Jugendlichen (64%) vertraut anderen Menschen grundsätzlich nicht, jeder zweite Befragte ist der Auffassung, dass man nur noch ausgenutzt wird, wenn man sich auf jemand anderen verlässt. Einer von vier Jugendlichen hat dabei zudem selbst auch sehr wenig Selbstvertrauen. Das Team der Universität Bielefeld befragte dazu insgesamt rund 1.600 Kinder und Jugendliche in zweit getrennten Altersgruppen zwischen sechs und sechszehn Jahren. Alle zwei Jahre untersucht das Forschungsteam dabei seit 2009 die Lebensrealität junger Menschen der Generation Z in Deutschland. Der Trend sei dabei eindeutig, so Studienleiter Prof. Dr. Holger Ziegler: „Das Vertrauen nimmt tendenziell ab“. Natürlich sei eine gewisse Skepsis gegenüber Erwachsenen in diesem Alter durchaus nicht ungewöhnlich, diese hohen Fallzahlen indes gehen aber anscheinend über jedes normale Maß weit hinaus.
Besonders dramatisch sei dabei das eklatante Misstrauen der Jugendlichen in die Medien, so Ziegler. Rund 76 Prozent der jungen Befragten haben kein Vertrauen mehr in die Zeitungen, kaum weniger (72%) misstrauen allen Journalisten generell. Mehr als jeder dritte Jugendliche (38%) ist der Auffassung, dass die Medien absichtlich wichtige Informationen zurückhalten und nur noch ihre eigene Meinung vertreten. „Das eklatante Misstrauen der Jugendlichen in die Medien, verbunden mit der Annahme, dass diese absichtlich Informationen verschweigen oder nur ihre eigene Meinung verbreiten, halten wir für alarmierend«, so Studienleiter Ziegler weiter. Das deckt sich unter anderem auch mit Vorfällen im Sommer dieses Jahres, nachdem mehrere Gastautoren der Welt die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten kritisiert hatten, weil diese einseitig über queere Themen wie Transsexualität oder das neue Selbstbestimmungsgesetz berichten würden. Daraufhin entbrannte ein medialer Sturm, der die Fronten auf beiden Seiten offensichtlich noch weiter verhärtet hat. Bei vielen, gerade auch LGBTI*-Jugendlichen scheint sich so der Eindruck weiter gefestigt zu haben, dass man Medien insgesamt nicht mehr vertrauen könne.
Nicht ganz so dramatisch aber immer noch sehr hoch fällt das Misstrauen gegenüber Behörden und politischen Organisationen aus. Auch nur knapp jeder zweite Jugendliche (54%) vertraut noch der aktuellen rot-grün-gelben Bundesregierung. Die Studie belegt zudem auch, dass bildungsferne Jugendliche sowie Mitglieder aus ärmeren Familien eher an Verschwörungstheorien glauben als andere. Der Großteil der Jugendlichen (74%) macht sich Sorgen über die Klimakrise und die Umweltverschmutzung, gefolgt vom Ukraine-Krieg und einer drohenden Armut. Gänzlich ohne Vertrauen sind junge Menschen in Deutschland allerdings nicht – der Polizei (80%) und Wissenschaftlern (76%) vertraut der Großteil der Generation Z.