Verbrechen der Unzucht aufgehoben „Wir sind Zeugen eines historischen Moments in der Karibik!“
Einen großen Erfolg kann die Gay-Community in diesen Tagen in der Karibik feiern – der Oberste Gerichtshof der Ostkaribik hat ein, aus der britischen Kolonialzeit stammendes Gesetz aufgehoben, das bisher homosexuellen Sex mit einer Strafe von bis zu zehn Jahren Zwangsarbeit bestraft hat. In den vergangenen Jahren war es auf Grundlage dieser diskriminierenden Gesetzgebung auch immer wieder zu Erpressungen und Gewalt gegenüber homosexuellen Männern gekommen. Das Urteil des Gerichts wurde für den föderalen Inselstaat St. Kitts und Nevis ausgesprochen und ist sofort rechtskräftig.
Richter Trevor Ward fand deutliche Worte und begründete seine Entscheidung so: "Der absolute Charakter des Verbots ist in einer demokratischen Gesellschaft nicht mehr vernünftig zu rechtfertigen (…) In dem Ausmaß, in dem es das Privatleben von Homosexuellen bis heute kriminalisiert, ist das Gesetz überzogen und willkürlich." Ein schwuler Inselbewohner hatte bereits im Januar 2021 eine Verfassungsklage gegen die Richtlinien aus der britischen Kolonialzeit eingereicht und war vor Gericht von den beiden Organisationen St Kitts and Nevis Alliance for Equality sowie der Eastern Caribbean Alliance for Diversity and Equality (ECADE) unterstützt worden. Den jetzt errungenen Sieg feierten sowohl die Vereine wie auch der Kläger euphorisch. Kenita Placide, die Geschäftsführerin der ECADE, erklärte dazu: "Dies ist eine transformative Reise und ein Schritt zur vollständigen Anerkennung von LGBTI*-Personen in der gesamten Organisation der Ostkaribischen Staaten. Diese positive Entscheidung bedeutet ein Ja zur Privatsphäre und ein Ja zur Meinungsfreiheit."
Auch die LGBTI*-Rechtshilfeorganisation OutRight Action International begrüßte die jüngste Entscheidung des Obersten Gerichts. Geschäftsführerin Maria Sjödin dazu: "Wir sind Zeugen eines historischen Moments in der Karibik, in dem veraltete Gesetze aus der Kolonialzeit in Frage gestellt und aufgehoben werden. Wir sind beeindruckt von der strategischen Hartnäckigkeit der Aktivisten in der Region, die sich an vorderster Front dafür einsetzen, dass die Menschenrechte vorangebracht und diskriminierende, veraltete Gesetze wie dieses aufgehoben werden. Wir hoffen, dass die übrigen Länder in der Region und darüber hinaus folgen werden." Homosexualität ist in Teilen der Karibik noch immer ein tabu und britische Verbote aus der Kolonialzeit finden mancherorts noch immer Anwendung, beispielsweise in Barbados, Dominica, Guyana, Grenada, Jamaika, St. Lucia und St. Vincent sowie auf der Inselkette der Grenadinen. Der Weg in Richtung Gleichstellung scheint allerdings vorgegeben zu sein, der Oberste Gerichtshof hatte zuletzt erst im Sommer die “Sodomie-Gesetze“ in Antigua und Barbuda aufgehoben. Die positive Entscheidung von St. Kitts und Nevis markiert so den jüngsten Sieg in einer Welle von Liberalisierungsmaßnahmen in der Karibik.