Wird Brasilien eine Diktatur? Der homophobe Präsident kann die Wahl verlieren
Wird Brasilien bald zu einer Diktatur? Die Frage mag ketzerisch klingen, doch ist sie von der Wahrheit gar nicht so weit entfernt, wenigstens, wenn es wohl insgeheim nach den Wünschen von Staatschef Jair Bolsonaro geht, der jetzt ankündigte, bei einer Wahlniederlage im Oktober einfach im Amt bleiben zu wollen. Das erinnert nicht nur stark an diktatorische feuchte Träume, sondern durchaus auch an Ex-Präsident Donald Trump, weswegen die Brasilianer Bolsonaro inzwischen den Spitznamen “Tropen-Trump“ verpasst haben. Als Schmähung gedacht, könnte Bolsonaro selbst dies wohl noch als Ehrung verstehen wollen.
Die Zeichen stehen dabei nicht gut für den homophoben Politiker, der sich immer wieder in extremer Weise gegen die Rechte von Homosexuellen positioniert hat und ein Männerbild zwischen Machowahn und Selbstherrlichkeit zelebriert, das der Realität nichts mehr anhaben kann – auch nicht, wenn es beispielsweise um Fragen des Klimaschutzes geht. Kein anderer Staatschef hat in der jüngeren Geschichte des Landes so radikal und rücksichtslos den Amazonas Regenwald, die grüne Lunge der Welt, abholzen lassen. Doch auch diesen Fakt weiß Bolsonaro als Erfolg zu verkaufen: „Ich habe das Land in einer schlechten wirtschaftlichen Lage übernommen, die durch die Corona-Pandemie, den Krieg in der Ukraine und eine große Trockenheit noch verstärkt wurde“, so Bolsonaro in einem Interview mit dem Sender TV Globo. Daraufhin betonte er, wie wirksam seine Wirtschaftsreformen gewesen seien.
In den vergangenen Wochen war Bolsonaro auch immer wieder mit scharfer Rhetorik über Homosexuelle und LGBTI*-Menschen hergezogen – Beobachter werten dies inzwischen durchaus als eine Verzweiflungstat, denn bei der Wahl zum neuen Präsidenten in Brasilien hat der linke Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva nach den letzten Umfragen eindeutig die Nase vorne. Im größten Land Lateinamerikas haben immer mehr Menschen genug von Bolsonaros Politik, die ohne Rücksicht auf Verluste immer wieder gerne auf vulnerable Gruppen losging. In mehreren großen Städten wie beispielsweise São Paulo oder auch Rio de Janeiro marschieren in den letzten Wochen immer wieder Demonstranten durch die Stadt, darunter auch LGBTI*-Gruppen, die laut skandieren: “Bolsonaro raus!“ Der Angesprochene selbst hatte zuletzt auch mehrfach versucht, dass elektronische Wahlsystem des Landes anzuzweifeln, auch wenn dieses seit vielen Jahren etabliert ist und allen Untersuchungen standgehalten hatte. Bisher, wenn die Wahl zu seinen Gunsten ausgefallen war, hatte sich Bolsonaro auch nie beschwert – nun versucht er immer wieder durchblicken zu lassen, dass das System sehr anfällig für Fehler wäre. Wir kennen auch diese Denkweise eins zu eins von Donald Trump. Böse gesagt, scheint Bolsonaro selbst nicht mehr viel neues einzufallen, es fehlt im Grunde nur noch, dass er sich seine schwarze Haarpracht blond färben lässt.