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Kirche hetzt gegen Euro-Pride Euro-Pride findet erstmals in Südosteuropa statt

Von ms - 16.08.2022 - 14:00 Uhr
Queer-Beauftragter Lehmann vertritt Bundesregierung
Foto: IMAGO / aal.photo
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Einmal mehr nutzen Kirchenvertreter ihren Einfluss und hetzen unerbittlich gegen die LGBTI*-Community. Dieses Mal richtet sich der Hass gegen den Euro-Pride im September in Serbien. Während beim fünfzigjährigen Pride-Jubiläum in London in diesem Sommer die Euro-Pride-Delegation noch frenetisch gefeiert und umjubelt wurde, eskalierte im Austragungsland Serbien die Situation in den letzten Tagen zusehends. Rund 10.000 Menschen gingen nach jüngsten Polizeiangaben auf die Straße, um gegen den geplanten Euro-Pride in Belgrad zu demonstrieren.

Der Euro-Pride ist allein schon deswegen besonders, weil er in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiern und erstmals dabei auch in Südosteuropa stattfinden wird. Das Organisationsteam stellt dabei noch einmal klar, wie besonders und außergewöhnlich die diesjährige Wahl des Veranstaltungsortes ist: „Belgrad, die Hauptstadt Serbiens, wird die erste Stadt in Südosteuropa und die erste außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums sein, die eine Großveranstaltung für die gesamteuropäische LGBTI*-Community ausrichtet. In den westlichen Balkanstaaten ist die LGBTI*-Community mit großer Ungleichheit und Diskriminierung konfrontiert. Der Euro-Pride in Belgrad ist ein Wendepunkt in der Region, der die Bemühungen von LGBTI*-Aktivisten um Gleichberechtigung bestätigt und sie ermutigt, ihren Kampf fortzusetzen.“

Angeheizt von der serbisch-orthodoxen Kirche vor Ort sahen das die rund 10.000 Demonstranten offenbar anders und skandierten mit Holzkreuzen, Heiligenbildern und Transparenten durch die Stadt, auf denen zu lesen war: "Wir wollen keine Schwulenparade und keine Besetzung durch den Westen! Haltet euch von unseren Kindern fern!" Vor den Demonstrationen hatten diverse Kirchenvertreter den Hass auf Homosexuelle weiter befeuert, beispielsweise auch Bischof Nikanor von Banat, der öffentlich erklärt hatte: „Die Teilnehmer des Euro Pride werden unsere heilige serbische Stadt Belgrad zur Schau stellen und entweihen. Wir müssen unsere Stimme gegen solche Leute erheben. Ich werde alle verfluchen, die so etwas organisieren und daran teilnehmen. Und ich kann noch viel mehr tun! Wenn ich eine Waffe hätte, würde ich sie benutzen, ich würde diese Kraft einsetzen!“

Die Programmdirektorin der Jugendinitiative für Menschenrechte (YIHR), Sofija Todorovic, erklärte daraufhin, dass die Äußerungen von Bischof Nikanor von Banat eine "direkte Bedrohung" für eine ganze Gruppe von Menschen seien: "Wieder einmal erleben wir, dass die Bischöfe und Kirchenoberhäupter sich mit Dingen befassen, die nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fallen! Auf diese Weise missbrauchen Beamte der serbisch-orthodoxen Kirche ihre Position und Legitimität unter den gläubigen Bürgern Serbiens, um Ideen zu verbreiten, die diskriminierend sind und letztlich eine Gruppe von Menschen völlig entmenschlichen!" Das Team des Euro-Pride hat sich indes auch auf Widerstand eingestellt – ein Pride allein wird die Gesamtsituation in den stark religiös und oftmals überdurchschnittlich homophoben Ländern Europas nicht sofort verbessern, kann aber ein wichtiger erster Schritt sein. Auch der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, kündigte deswegen inzwischen an, offiziell im Namen der Bundesregierung Deutschland im September zum Euro Pride nach Belgrad reisen zu wollen: „Ich werde für die Bundesregierung zum Euro-Pride reisen und dort für das Recht aller Menschen demonstrieren, ein freies und sicheres Leben zu führen – auf dem Balkan und überall!“

Der Euro-Pride selbst erklärte zudem: „Der Euro-Pride in einer solchen Region ist eine Gelegenheit für die Menschen in Europa, ihre Solidarität mit der LGBTI*-Community in den westlichen Balkanländern zu zeigen und sie für ihren langen Kampf für Gleichheit, Toleranz und Menschenrechte zu bekräftigen, der vor zwei Jahrzehnten mit der ersten Pride in Belgrad im Jahr 2001 begann. Obwohl in den letzten Jahren einige Fortschritte erzielt wurden, ist die Diskriminierung der LGBTI*-Community in der Region nach wie vor üblich und weit verbreitet. Die Regierungen in der gesamten Region haben die Forderungen von Aktivisten und Mitgliedern der Gemeinschaft nach gleichen Rechten für LGBTI*-Menschen ignoriert.“ Sollte die Situation weiter eskalieren, könnte es allerdings passieren, dass der Pride “aus Sicherheitsgründen“ ganz abgesagt werden müsse, wie der serbische Präsident Aleksandar Vučić erklärte. Im weiteren Verlauf bekräftige er allerdings, dass Menschen das Recht hätten, auf einem CSD zu demonstrieren. Eine finale Entscheidung wird für Anfang September erwartet.

Serbien könnte dabei in der Tat einen Schritt in Richtung LGBTI* sehr gut tun – das Land und seine Bevölkerung gilt bis heute als sehr homophob. Seit 2011 kommt es im Rahmen des normalen CSD in Belgrad immer wieder zu Kontroversen, auch die erste lesbische Regierungschefin Ana Brnabić konnte daran bisher wenig ändern. Zwar ist Homosexualität seit 1994 legal und auch Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung ist seit 2009 verboten, doch noch immer je nach Studie lehnt eine breite Mehrheit der Serben Homosexualität ab und beschimpft es als Sünde. Die jüngste Befragung des Guardians hielt fest, dass 65 Prozent der Einwohner Homosexualität bis heute zudem auch für eine Krankheit halten. Serbien ist seit 2012 offiziell Beitrittskandidat der Europäischen Union.  

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