Katar stimmt gegen LGBTI*-Mandat Gastgeberland der Fußball-WM stellt sich erneut gegen die Rechte von Homosexuellen
Mit einer knappen Mehrheit von 23 zu 17 Stimmen wurde das UN-Mandat zur Stärkung der LGBTI*-Community für weitere drei Jahre verlängert. Pikant dabei: Einige Länder wie Polen enthielten sich direkt, während andere Länder sogar gegen eine Interessenvertretung für LGBTI* bei den Vereinten Nationen votieren – neben den üblichen Verdächtigen von Pakistan über Eritrea oder die Vereinigten Arabischen Emirate lehnte auch das Fußball-WM-Gastgeberland Katar das UN-Mandat klar ab. Einmal mehr beweist das Emirat damit deutlich, dass den Regierenden des Landes die Rechte von LGBTI*-Menschen gleichgültig sind, allen Beteuerungen von FIFA-Chef Gianni Infantino zum Trotz. Zuletzt zeichnete im Juni eine RTL-Dokumentation ein düsteres Bild von der Lebensrealität von schwulen Männern in Katar ab, die in ständiger Angst vor Verfolgung und Gewalt leben müssen. Auch Ex-Profi-Fußballer und heutiger DFB-Direktor Oliver Bierhoff kritisierte die Vergabepraxis der FIFA scharf. Tatsächliche Konsequenzen oder ein Boykott gab es indes nach wie vor nicht. Im Gegenteil: Immer wieder hatte die Landesführung erklärt, dass homosexuelle Fans Rücksicht auf die “kulturellen Werte“ des Landes nehmen müsse – auch Symbole wie die Regenbogenflagge würden so strikt konfisziert werden.
Freude kommt hingegen bei den Vereinten Nationen auf, denn die Mandatsverlängerung des UN-Menschenrechtsrats in Genf ist trotzdem ein starkes Signal. In der nun verabschiedeten Resolution werden zudem erstmals auch ausdrücklich Gesetze kritisiert, die Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit unter Strafe stellen. Kernziel des UN-Mandats ist der Schutz vor Diskriminierung und Gewalt aufgrund der sexuellen Orientierung sowie der Geschlechtsidentität. Vor der Abstimmung hatten über 1.100 Organisationen aus 134 Ländern weltweit in einer gemeinsamen Erklärung gefordert, die Position des unabhängigen Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen (UN) zu verlängern. Das Mandat existiert seit 2016 und wurde bereits einmal im Jahr 2019 erneuert. Rechtsanwalt Victor Madrigal-Borloz wird sich nun für weitere drei Jahre als unabhängiger Sonderbeauftragter für die LGBTI*-Sichtbarkeit und gegen Hass und Gewalt gegenüber LGBTI*-Menschen einsetzen. Seine Aufgabe ist es zudem auch, Studienergebnisse und Statistiken zusammenzutragen, auf Grundlage dessen Vorschläge erarbeitet werden sollen, um LGBTI* künftig besser schützen zu können. Das dürfte UN-Mitglied Katar nicht gefallen, obwohl man doch im November bei der Fußballweltmeisterschaft “zu Gast bei Freunden“ ist. Zahlreiche LGBTI*-Organisationen begrüßten indes die Mandatsverlängerung ausdrücklich, die ILGA Europe sprach von einem “historischen Tag für alle LGBTI*-Personen und für die Vereinten Nationen.“