Diskriminierung von LGBTI*-Lehrern Die Mehrheit der britischen LGBTI*-Lehrer wird im Stich gelassen
Eine neue Umfrage der britischen Lehrergewerkschaft NASUWT offenbart nun dramatische Zahlen über die Lage von LGBTI*-Lehrern an Schulen im Vereinigten Königreich: Sechs von zehn queeren Lehrern werden am Arbeitsplatz diskriminiert, belästigt und offen aufgrund ihrer Sexualität angegriffen.
In ihrer Konsultationskonferenz erklärte die NASUWT mit deutlichen Worten: Britische Lehrer werden im Stich gelassen. Die Details: Für rund zwei Drittel (59 %) der LGBTI*-Lehrkräfte gehören Diskriminierung, Mobbing und Belästigung inzwischen zum Alltag, dabei gehen die Angriffe größtenteils (68 %) von den Schülern selbst aus. Die Hälfte von ihnen (49 %) erlebte homophobe Übergriffe auch von Seiten der eigenen Kollegen, jeder vierte Lehrer (25 %) wird sogar von den Eltern diskriminiert. Der Rückhalt von Seiten der Schulleitung ist dabei zudem gering, darüber hinaus erlebten 25 Prozent aller britischen LGBTI*-Lehrer sogar bereits Anfeindungen von höchster Stelle der Bildungseinrichtung.
Eine Studie des NDR kam erst vor wenigen Tagen zu einem ähnlich dramatischen Ergebnis und belegte, dass Homophobie und Diskriminierung gegenüber LGBTI* auch an deutschen Schulen nach wie vor Alltag ist. Noch immer werde viel zu wenig dagegen unternommen, nach wie vor erleben viel zu viele LGBTI*-Menschen die Schule als Ort der Gefahr, nicht der wertungsfreien Bildung. In Großbritannien kommen die Lehrer zu einer sehr ähnlichen Einschätzung. Mehr als drei Viertel (76 %) der befragten Lehrkräfte ist der Meinung, dass ihre Schule nicht genug für die Förderung der Gleichstellung von LGBTI* unternimmt und 29 Prozent sind zudem davon überzeugt, dass an ihrer Schule Vorfälle von LGBTI*-Diskriminierung, Mobbing oder Belästigung gar nicht erst ordnungsgemäß untersucht werden würden. In jeder vierten britischen Schule (26 %) gibt es erst gar nicht die Möglichkeit, LGBTI*-Diskriminierung melden zu dürfen oder zu können.
Ähnlich wie in Deutschland steigen auch in Großbritannien die Angriffe gegenüber LGBTI*-Menschen in letzter Zeit rapide an – diese gesamtgesellschaftliche Entwicklung zeichnet sich laut der Gewerkschaft auch in den britischen Schulen ab. Die Zahl der Lehrer, die LGBTI*-Feindlichkeit erlebt haben, ist binnen eines Jahres um rund 50 Prozent angestiegen. NASUWT-Generalsekretär Dr. Patrick Roach sagte in einer Erklärung: "Arbeitgeber von Schulen und Hochschulen, die ihrer gesetzlichen Pflicht, LGBTI*-Lehrkräfte vor Diskriminierung, Belästigung und Viktimisierung am Arbeitsplatz zu schützen, nicht nachkommen, verstoßen gegen das Gesetz und müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Es muss eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Homophobie, Biphobie und Transphobie geben, damit unsere Schulen und Hochschulen sichere und geschützte Orte sind, an denen Lehrer unterrichten und Schüler lernen können, ohne von Vorurteilen, Missbrauch und Gewalt bedroht zu sein. Es ist höchste Zeit, dass die Regierung die Realitäten ernst nimmt, mit denen zu viele unserer Lehrer konfrontiert sind, und Maßnahmen ergreift, um sicherzustellen, dass LGBTI*-Personal bei der Arbeit einbezogen und respektiert wird. Die Bereitstellung eines LGBTI*-inklusiven Lehrplans für die Schüler muss auch ein integraler Bestandteil der Bemühungen sein, das Problem der Vorurteile und des Missbrauchs in den Schulen zu bekämpfen.“