Startschuss fürs britische LGBTI*Museum Ein Museum zur rechten Zeit: Die Probleme der LGBTI*-Community sind groß
Ein gewisses Gespür fürs perfekte Timing kann man dem Team des ersten britischen Museums rund um die LGBTI*-Community der Insel nicht absprechen – gleichzeitig zu den Regionalwahlen öffnet Queer Britain heute seine Tore.
Während in der Downing Street 10 im Amtssitz von Premierminister Boris Johnson die Katerstimmung aufgrund eines höchstwahrscheinlich schlechten Abschneidens der Konservativen Partei immer größer werden dürfte, wird einige Kilometer weiter im Herzen von London gefeiert.
Am Granary Square in King´s Cross werden heute Prominente, Politiker und LGBTI*-Interessierte zur großen, feierlichen Eröffnung erwartet. Kurz vor der Eröffnung zeigte sich bereits der Direktor von Queer Britain, Joseph Galliano, sichtlich stolz:
"Es ist an der Zeit, dass das Vereinigte Königreich ein LGBTI*-Museum für alle hat.“ Und Kollegin Lisa Power ergänzt: "Ich freue mich sehr, dass Queer Britain endlich einen Raum bekommt, in dem wir zeigen können, was wir können, und dass wir für die gesamte Community da sind, von alten lesbisch-feministischen Haudegen wie mir bis hin zu jungen queeren Menschen aller Geschlechter und Ethnien. Queer Britain hat sich zum Ziel gesetzt, unsere zahlreichen und unterschiedlichen Geschichten zu erzählen, und jetzt haben wir ein Zuhause, von dem aus wir das tun können.“
Die Vorbereitungen für das Museum begannen 2018. Heute umfasst die Einrichtung vier Galerien, eine Werkstatt, einen Bildungsraum und einen Geschenkeladen. Der Eintritt ist kostenlos. Finanziert wird das Museum vom Art Fund und zahlreichen Spenden. Nebst den aktuellen Ausstellungen verfügt das Museum auch über ein reichhaltiges Archiv, das für die Öffentlichkeit sowie für Forscher zugänglich bleiben soll.
In wechselnden Ausstellungen soll ab heute die ganze Bandbreite des queeren Lebens in Großbritannien angemessen zur Geltung kommen.
Die britische Presse ist sich schon jetzt sicher, dass das Museum dabei genau zur richtigen Zeit kommt – nicht nur wegen den heutigen Wahlen in Großbritannien, sondern vor allem auch wegen den zahlreichen Problemen, denen sich die queere Community des Landes aktuell stellen muss.
Der Streit um ein Verbot von Konversionstherapien mit oder ohne die Einbindung von trans-Menschen hat die Community aktuell entzweit, zudem steigt die Zahl der Hassverbrechen gegenüber queeren Menschen ebenso an wie die Homophobie innerhalb der britischen Polizei, insbesondere bei der Met Police in der Hauptstadt.
Vielleicht kann der Blick zurück auf die bewegte Geschichte der LGBTI*-Community im Vereinigten Königreich ein Stück weit zur Befriedung von innergemeinschaftlichen Konflikten auf der einen Seite und zu einem Erkenntnisgewinn sowie einen Sensibilisierungsprozess außerhalb der Community beitragen. Das Ziel ist jedenfalls abgesteckt – das Team von Queer Britain hofft auf rund 26.000 Besucher im ersten Jahr.