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Ein Schrecken ohne Ende für Queers? Ein Kommentar Qlympia 2022: Ein Ende mit Schrecken?

Von ms - 18.02.2022 - 16:30 Uhr
Welche Erkenntnis bleibt übrig – gerade für die LGBTI*-Community
Foto: © IMAGO / ZUMA Wire
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Die olympischen Winterspiele 2022 – an diesem Sonntag finden sie ihren populistischen finalen Abschluss. Es lebe Peking, es lebe die chinesische Weltmacht. Ist es ein Ende mit Schrecken oder doch eher ein Schrecken ohne Ende? Für die heimische LGBTI*-Community darf letzteres angenommen werden. Sie blieb gezwungenermaßen im Heimatland der Zensur weitestgehend sprachlos – sieht man einmal von dem einen „Skandal“ ab, diesem „Akt der Revolution“, als sich bei einer Live-Berichterstattung des Fernsehsenders CNA zwei schwule Männer hinter dem Rücken der Reporterin in einer Bar in Peking küssten. Natürlich ein schönes Ereignis, ein kleiner Nadelstich in die ansonsten perfekte Heile-Welt-Kulisse Chinas. Aber am Ende bleibt es eine nur kleine Störung, die die Weltmacht nicht weiter ärgern dürfte.

In allen anderen Bereichen liefen die sportlichen Wettkämpfe und die mediale Supershow so ab, wie sich Peking das gewünscht hatte – live übertragen in über 200 Länder. Human Rights Watch (HRW) kritisierte dann Ende dieser Woche noch, dass die kommunistische Führung die sportliche Veranstaltung dazu genutzt habe, um ihre Macht und ihre Rolle auf der Weltbühne endgültig zu zementieren. Im Konkreten beklagte HRW die Einschüchterung der (auch mindestens 37 queeren) Sportler, die Verfolgung der Uiguren sowie im Wesentlichen die Zensur und Politisierung der Veranstaltung. Durch sein Schweigen habe sich das Internationale Olympische Komitee daran beteiligt, Menschenrechtsverletzungen vor einem weltweiten Publikum reinzuwaschen. Kaum verwunderlich zog IOC-Präsident Bach dagegen eine positive Bilanz und spricht von sehr erfolgreichen Spielen, beispiellos beseelt vom olympischen Geist. Ach, wie schön – der olympische Geist in Verbindung mit einer Selbstinszenierung inklusive zahlreicher willfähriger internationaler Politiker und Sportler als traumhaft schöne Kulisse. Fürwahr, einige Politiker und Prominente blieben zumeist unter kleinlauten Beteuerungen dem Event fern, klare Worte fanden aber nur sehr wenige wie beispielsweise der schwule Freestyle-Skifahrer Gus Kenworthy, der sagte, China hätte gar nicht als Gastgeberland zugelassen werden dürfen, da die Nation nicht vollständig hinter den Menschenrechten stehe.

Michael Bach – credits IMAGO / SNA
Michael Bach © IMAGO / SNA

Noch eine sehr freundliche Beschreibung für den Umgang der chinesischen Staatsführung mit Menschen, die sie nicht mag – allen voran auch die LGBTI*-Community. Doch inzwischen hat es bereits eine gewisse Tradition, eine Olympiade oder ein sportliches Großereignis in jenen Ländern zu veranstalten, die auf so nervige Nichtigkeiten wie Menschenrechte gerne weitestgehend verzichten. So können wir uns also nun gleich dem nächsten sportlichen Superevent widmen, der Fußballweltmeisterschaft in Katar – eine im Grunde gekaufte WM (Redaktionsnetzwerk Deutschland) in einem Land, das Homosexualität verbietet und mit fünf Jahren Gefängnis bestraft – im Bestfall. Auch Peitschenschläge und Totschlag sind willkommen, übrigens gerne auch gegen ausländische queere Besucher und Touristen. Wenigstens haben die Fußballer dieses Mal dann einen wirklich guten Grund, sich weiterhin nicht zu outen. Oder wie erklärte es FIFA-Präsident Sepp Blatter so schön noch einmal den homosexuellen Fans? Er forderte schwule Männer auf, sie mögen doch „aus Respekt“ vor dem Gastgeberland auf Sex während der WM verzichten. Damit ist ja alles wieder in Butter in jenem Land, in dem die Hauptquelle der Rechtsprechung bis heute die Scharia ist. Aber mit etwas Glück bekommt der homosexuelle Fan, sofern er denn vor Ort ist, die Gesamtsituation gar nicht mehr so richtig mit, weil er – ähnlich wie die Sportler – bei über 50 Grad Hitze einen Schwächeanfall erleiden wird.

Fußball in der Wüste? Winterspiele ohne Schnee? PR-Prestigeprojekte für menschenfeindliche Despoten? Alles gar kein Problem. Die Spiele in Beijing finden nun ihr Ende, weitestgehend störungsfrei und mit großem Erfolg für China. Die Sportler indes können selbstverständlich nichts dafür, sie sind ihrem Sport verpflichtet, doch warum schweigen alle anderen meist so kleinlaut? Warum können weltweite Sportveranstaltungen, die im Kern die Gleichheit und Akzeptanz aller Menschen in den Mittelpunkt stellen wollen, so leicht von den schlimmsten Menschenschändern der Welt gekauft werden?

Vielleicht ist das aber auch nur kleinliches Genörgel, oder? Als LGBTI*-Mensch darf man doch froh sein, zuzuschauen oder gar als Sportler mitzumachen. Ist das nicht Ehre und Anerkennung genug? Eben! Also, nach Russland, China und Katar ist es daher vollkommen falsch, die nächsten sportlichen Großereignisse wie geplant in Paris, Los Angeles, Brisbane oder gar Kanada stattfinden zu lassen. Wie wäre es mit Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate oder gleich dem Iran? Auch Afghanistan böte sich an – da könnten wir dann auch gleich erkunden, wer von den zurückgelassenen heimischen Mitarbeitern der deutschen und amerikanischen Streitkräfte überhaupt noch lebt. Nur als einige Beispiele, immerhin gibt es rund 70 Staaten, in denen Homosexualität noch immer strafrechtlich verfolgt wird und in rund einem Dutzend davon könnten zeitgleich neben der Siegerehrung auch die Steinigung von LGBTI*-Personen live übertragen werden – quasi als crossmediales Megaevent. Von einigen Zuschauern aus dem rechten Lager von Deutschland bis in die USA gäbe es dafür sicher den sportlichen Like-Button nach oben! 

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