Direkt zum Inhalt
Corona gefährdet Millionen Menschen mit HIV
ANZEIGE

Aids-Konferenz Corona gefährdet Millionen Menschen mit HIV

km - 10.07.2020 - 18:15 Uhr
Loading audio player...

UNAIDS und die WHO schlagen Alarm: Die weltweite SARS-CoV-2-Epidemie gefährdet die medizinische Versorgung von Millionen Menschen mit HIV. Die Anstrengungen gegen HIV/Aids weltweit drohen um mehr als 10 Jahre zurückgeworfen zu werden. Die ursprünglichen Ziele für das Jahr 2020 werden ohnehin verfehlt. Es muss sofort mehr getan werden, um eine Katastrophe zu verhindern. Das ist die bedrohliche Quintessenz der Internationalen Aids-Konferenz "AIDS2020: virtual", die heute zu Ende geht.

Dazu erklärt Sven Warminsky vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe (DAH):
"HIV ist heute eigentlich beherrschbar. Wo die Infektionszahlen wieder steigen und Menschen an Aids sterben, geschieht dies, weil nicht genug getan wird. Corona bringt zahlreiche neue Hürden und bindet enorme Ressourcen. Dies gilt es auszugleichen: Der Kampf gegen eine Epidemie darf nicht die mühsam errungenen Erfolge bei einer anderen kosten."

Corona hat finanzielle Auswirkungen auf die Bekämpfung von HIV und Aids

Den deutschen Beitrag gegen HIV verdoppeln

Die weltweite HIV/Aids-Prävention und -Versorgung ist ohnehin unterfinanziert, die Mittel sind rückläufig. Allein in diesem Jahr fehlen nach Angaben von UNAIDS 7,6 Milliarden Dollar. Corona führt nun zu vielfältigen zusätzlichen Belastungen. Deutschland hat darum bereits seine Zahlungen an UNAIDS auf 25 Millionen Euro verfünffacht. Die Hauptlast für die Finanzierung konkreter Maßnahmen gegen HIV weltweit - insbesondere in ärmeren Ländern - trägt allerdings der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria.

Dazu DAH-Vorstand Sven Warminsky:
"Die Bundesregierung sollte nun ihrem eigenen Beispiel folgen und auch beim Globalen Fonds massiv aufstocken - angesichts der außergewöhnlichen Situation ist eine Verdopplung der Beiträge auf 2 Milliarden für die Zeit bis 2022 angemessen. Das hätte angesichts der deutschen EU-Ratspräsidentschaft auch eine wichtige Signalfunktion."

Therapieausfälle könnten für Todeszahlen sorgen wie zuletzt 2008

Medikamente werden knapp - Hunderttausende könnten sterben

In 73 Ländern drohen nach Angaben der WHO zurzeit die HIV-Medikamente knapp zu werden. Bei mehr als acht Millionen Menschen, rund einem Drittel derjenigen, die weltweit eine HIV-Therapie erhalten, ist die Versorgung mit den lebensrettenden Medikamenten bereits unterbrochen oder akut gefährdet. Grund dafür sind Produktionsengpässe, unterbrochene Lieferketten und die Überlastung der Gesundheitssysteme. Hier gilt es Lösungen zu finden, zu forcieren und zu finanzieren.

UNAIDS rechnet in verschiedenen Szenarien vor, wie Therapieausfälle Hunderttausende Leben kosten könnten. Bei einem kompletten Stopp im südlichen Afrika für sechs Monate würde zum Beispiel eine halbe Million Menschen sterben - das Resultat wären Todesraten wie zuletzt 2008.

Ziele schon ohne Corona verfehlt

Dabei wollten die Vereinten Nationen eigentlich bis zum Jahr 2020 erreichen, dass 90 Prozent der weltweit HIV-positiven Menschen von ihrer Infektion wissen, 90 Prozent davon behandelt sind und dass bei wiederum 90 Prozent davon das Virus nicht mehr nachweisbar ist. Bis 2030 sollte es dann weltweit keine Aids-Erkrankungen mehr geben.

Schon ohne Corona sind die Ziele - trotz großer Erfolge in manchen Ländern und Regionen - insgesamt weit verfehlt worden: Noch immer haben knapp 13 Millionen Menschen mit HIV weltweit keinen Zugang zur Therapie. Die Zahl der Neuinfektionen liegt mit 1,7 Millionen in 2019 mehr als dreimal so hoch wie angestrebt, in Osteuropa sind die Zahlen in den letzten Jahren dramatisch gestiegen.

Diskriminierung und Stigmatisierung erschwert den Kampf gegen HIV/AIDS in Osteuropa, Südostasien und Afrika

Stigma und Diskriminierung verhindern Erfolge

Die Hauptgründe sind neben der Unterfinanzierung die Diskriminierung von Menschen mit HIV sowie die Vernachlässigung, Marginalisierung und Verfolgung besonders stark betroffener Gruppen. In Osteuropa und Zentralasien sind es vor allem Männer, die Sex mit Männern haben und Menschen, die intravenös Drogen konsumieren. Im südlichen Afrika brauchen beispielsweise junge Frauen besondere Aufmerksamkeit, auf die etwa ein Viertel der Infektionen entfallen.

"Die Erfolge der letzten 10 Jahre zeigen: Wo besonders betroffene Gruppen gut angesprochen und versorgt werden, gehen Infektionen, Erkrankungen und Todesfälle stark zurück. Das heißt im Umkehrschluss: Misserfolge sind hausgemacht. Nur ohne Stigma und Diskriminierung können wir wieder Kurs auf das Ziel nehmen, die Aids-Epidemie zu beenden", sagt DAH-Vorstand Sven Warminsky.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Reaktionen auf Amokfahrt

Entsetzen in der Community

Nach dem Terroranschlag auf den Berliner CSD läuft die Fahndung. Politik und Community reagieren mit Entsetzen.
Anschlag auf CSD Berlin

Eine Tote, mehrere Schwerverletzte

Bei einer Amokfahrt beim CSD in Berlin starb eine Frau, mehrere Menschen wurden lebensgefährlich verletzt. Der mutmaßliche Täter ist ein Islamist.
CSD Berlin abgebrochen

Auto rast in Menschenmenge

Der CSD in Berlin wurde am Samstagabend gegen 22 Uhr abgebrochen. Nach ersten Informationen ist ein Auto in eine Menschenmenge gerast.
Der schwule Gentleman-Dieb

Gegenentwurf zu Sherlock Holmes

Der viktorianische Meisterdieb Raffles gilt als schwuler Gegenentwurf zu Sherlock Holmes und wurde von realen schwulen Persönlichkeiten inspiriert.
War Chopin schwul?

Neue Studie über den Komponisten

Eine neue Studie untersuchte Chopins Briefe an Männer und stellt traditionelle Erzählungen über sein Liebesleben infrage. War der Komponist schwul?
Templo zeigt Kraft und Kunst

Schwuler Pole-Star auf Welttour

Der costa-ricanische schwule Pole-Performer Templo bringt beim World Pride 2026 queere Kunst, Athletik und lateinamerikanische Kultur auf die Bühne.
Glamour trotz Hitze

Drag-Queens in der CSD-Sonne

Wenn die Temperaturen wieder Rekorde brechen, liefern sich Make-up, Mode und Sommerhitze bei CSDs einen Kampf, den meist nur der Humor gewinnt.
Team LGBTIQ+ in Glasgow

Commonwealth Games 2026

Bei den Commonwealth Games 2026 in Glasgow treten mehrere LGBTIQ+-Athleten an und setzen trotz kleinerem Teilnehmerfeld ein Zeichen für Vielfalt.
Ekelhafter Angriff in Kiew

Abgehackte Schweineköpfe

Ein Kiewer Schönheitssalon wurde wegen seiner LGBTIQ+-Unterstützung angegriffen: Mit Schweineköpfen sollten die Betreiber eingeschüchtert werden.