Ein möglichst muskulöser Körper, ein attraktives Gesicht, bessere Haut oder eine optimierte Ernährung: Der Wunsch, das eigene Erscheinungsbild und die persönliche Leistungsfähigkeit zu verbessern, ist auch in Teilen der schwulen Männer-Community ein verbreitetes Thema. In sozialen Netzwerken werden entsprechende Ziele zunehmend unter dem Schlagwort „Maxxing“ diskutiert. Nun hat das US-amerikanische Online-Wörterbuch Dictionary.com „Maxxing“ zum Wort des Jahres 2026 gekürt.
Das Wichtigste im Überblick
- Wort des Jahres 2026: Das Online-Wörterbuch Dictionary.com hat „Maxxing“ zum wichtigsten Begriff des Jahres gewählt.
- Selbstoptimierung als Trend: Die Wortendung steht dafür, das eigene Aussehen, die Gesundheit oder andere Lebensbereiche möglichst umfassend zu verbessern.
- Solche Themen spielen insbesondere auch in Teilen der schwulen Community eine wichtige Rolle, teilweise mit besonderen Trends wie dem „Ball-Maxxing“.
- Rasante Verbreitung: 2026 wurde „Maxxing“ in digitalen Medien extrem häufig verwendet.
- Die Variante „Looksmaxxing“ verbreitete sich ursprünglich in Incel-Foren und der sogenannten Manosphere.
- Gefährliche Auswüchse: Neben Sport und Hautpflege werden unter dem Begriff auch riskante Praktiken propagiert.
Entscheidung der Jury
Der Begriff steht für den Versuch, aus einem bestimmten Lebensbereich möglichst viel herauszuholen. Er begegnet Internetnutzern inzwischen in zahlreichen Varianten – vom „Looksmaxxing“ für die äußere Erscheinung bis zum „Sleepmaxxing“ für einen möglichst erholsamen Schlaf. Die Entscheidung der Jury spiegelt dabei die stark gestiegene Verwendung des Ausdrucks wider. Gleichzeitig verweist sie auf die gesellschaftlichen Fragen, die mit dem wachsenden Drang zur Selbstoptimierung verbunden sind. Allerdings stammt eine der bekanntesten Varianten des Begriffs aus Online-Milieus, die wegen frauenfeindlicher Einstellungen, gesteigerter Homophobie und problematischer Schönheitsideale massiv in der Kritik stehen.
Was bedeutet „Maxxing“?
Das Wort leitet sich vom englischen „maximising“ ab, was auf Deutsch „maximieren“ bedeutet. In der Internetsprache wird „Maxxing“ als eigenständiger Ausdruck oder als Wortendung verwendet. Gemeint ist damit, eine bestimmte Tätigkeit besonders intensiv zu betreiben oder einen Lebensbereich so weit wie möglich zu optimieren. Das Prinzip lässt sich auf nahezu alles übertragen. Wer seinen Schlaf verbessern möchte, betreibt demnach „Sleepmaxxing“. Menschen, die ihre Proteinzufuhr möglichst gezielt steigern wollen, sprechen von „Proteinmaxxing“. Auch der Begriff „Cozymaxx“ gehört zu dieser Entwicklung. Er bezeichnet den Versuch, einen möglichst gemütlichen und entspannten Abend zu Hause zu gestalten.
Die Wortschöpfungen reichen inzwischen weit über klassische Fitness- und Schönheitsthemen hinaus. Mit „Fibermaxxing“ wird beispielsweise das Bestreben beschrieben, mehr Ballaststoffe zu essen. „Tokenmaxxing“ bezeichnet dagegen die möglichst intensive Nutzung von Werkzeugen der künstlichen Intelligenz. Die Endung kann dabei sowohl ernst gemeinte Optimierungsversuche als auch ironisch übertriebene Beschreibungen alltäglicher Gewohnheiten kennzeichnen. In der schwulen Männer-Community verbreitete sich auch der Begriff des „Ball-Maxxing“ zur Vergrößerung der Hoden.
Absurdes Streben
Wie stark sich „Maxxing“ im Internet verbreitet hat, zeigen Untersuchungen von Dictionary.com. Demnach tauchte der Ausdruck in digitalen Medien im Jahr 2026 massiv verstärkt auf, beispielsweise allein im August dieses Jahres rund 19-mal häufiger als im monatlichen Durchschnitt des Jahres 2025. Für die Sprachforscher ist die Entwicklung auch Ausdruck eines gesellschaftlichen Widerspruchs. Steve Johnson, Leiter der Lexikografie bei der Dictionary Media Group, erklärte: „Maxxing ist besonders aufgefallen, weil es einen Widerspruch darin einfängt, wie wir an das moderne Leben herangehen: Wir suchen ständig nach Möglichkeiten, uns selbst zu verbessern und aus allem mehr herauszuholen, obwohl wir gleichzeitig erkennen, wie erschöpfend oder absurd dieses Streben werden kann.“
„Looksmaxxing“ und Schwule
Besonders sichtbar ist der Trend im Bereich des äußeren Erscheinungsbildes. Unter „Looksmaxxing“ verstehen Internetnutzer Maßnahmen, mit denen sie ihre körperliche Attraktivität möglichst umfassend verbessern wollen. Dazu gehören etwa gezieltes Krafttraining, Hautpflege, Körperpflege und Veränderungen des persönlichen Stils. Solche Themen fanden sich 2026 auch verstärkt in Teilen der schwulen Community. Körperbilder, Fitnessideale und Attraktivitätsvorstellungen wurden und werden dort viel diskutiert. Dictionary.com führt die Entstehung von „Looksmaxxing“ allerdings auf sogenannte Incel-Communitys und Foren aus dem Umfeld der Manosphere zurück.
Ursprünge in der Manosphere
Als Incels werden Menschen bezeichnet, die sich selbst als unfreiwillig sexuell enthaltsam verstehen. Teile dieser Online-Szene sind durch frauenfeindliche und oftmals auch homophobe Einstellungen und starre Vorstellungen von Attraktivität und Geschlechterrollen geprägt. Der Begriff Manosphere beschreibt verschiedene männerzentrierte Internetmilieus, zu denen auch solche Gemeinschaften gehören. In diesen Foren tauschten sich Nutzer darüber aus, wie Männer ihr Aussehen verändern könnten, um attraktiver zu wirken.
Ein Teil der diskutierten Methoden umfasst gewöhnliche Maßnahmen wie Sport, Körperpflege oder Hautpflege. Andere Ansätze gehen jedoch deutlich darüber hinaus und können erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Zu den bekannt gewordenen Vertretern des Looksmaxxing-Trends gehört der Influencer Braden Peters, der unter dem Namen „Clavicular“ auftritt. Er hat im Internet verschiedene Versuche dokumentiert, sein äußeres Erscheinungsbild zu verändern. Dazu gehört auch das sogenannte „Bone Smashing“. Bei dieser gefährlichen Praktik schlagen sich Menschen mit einem Hammer ins Gesicht. Dahinter steht die falsche Vorstellung, durch die Schläge eine markantere Knochenstruktur und ausgeprägtere Gesichtszüge entwickeln zu können. Eine solche Methode kann jedoch schwere Verletzungen verursachen und ist keine sichere Möglichkeit, das Aussehen zu verändern.
Erstmals 2015 aufgetaucht
Neu ist die Wortschöpfung allerdings nicht. Nach Angaben von Dictionary.com finden sich in archivierten Internetdaten bereits aus dem Jahr 2015 Beispiele für die Verwendung von „Looksmaxxing“. Bis 2021 kamen weitere Varianten hinzu. Eine weitere sprachliche Wurzel liegt in der Computerspielkultur. In Rollenspielen wird seit vielen Jahren der Ausdruck „Min-maxing“ verwendet. Er beschreibt eine Strategie, bei der die Stärken einer Spielfigur maximiert und ihre Schwächen möglichst gering gehalten werden. Bei der Entscheidung über das Wort des Jahres setzte sich „Maxxing“ gegen andere Kandidaten durch. 2025 wurde „Rage Bait“ zum Oxford-Wort des Jahres gekürt. Der Begriff bezeichnet Inhalte, die gezielt Wut oder Empörung hervorrufen sollen, um Aufmerksamkeit und Reaktionen in sozialen Netzwerken zu erzeugen. Mit „Maxxing“ rückt damit nun ein anderes Phänomen des digitalen Alltags in den Mittelpunkt.