Mit einer stadtweiten Aktion wollen Berliner Kultureinrichtungen ein Zeichen gegen Queerfeindlichkeit und für gesellschaftlichen Zusammenhalt setzen. An mehreren Theatern und anderen Kulturhäusern sollen künftig Sitzbänke in Regenbogenfarben zu sehen sein. Den Anfang hat das Berliner Ensemble gemacht, wo bereits eine entsprechend gestaltete Bank aufgestellt wurde.
Das Wichtigste im Überblick
- Solidaritätsaktion in Berlin: Zahlreiche Kulturhäuser wollen Regenbogenbänke aufstellen oder vorhandene Sitzgelegenheiten entsprechend gestalten.
- Reaktion auf Vandalismus: Hintergrund sind wiederholte Beschädigungen einer Gedenkbank im Berliner Tiergarten.
- Breite Beteiligung: Unter anderem das Deutsche Theater, der Friedrichstadt-Palast und die Staatsoper Unter den Linden unterstützen die Initiative.
- Erinnerung an Terroropfer: Die ursprüngliche Bank erinnert an einen islamistischen Anschlag beim Christopher Street Day, bei dem eine Frau starb und 31 Menschen verletzt wurden.
Solidarisierung mit LGBTIQ+
Auslöser der Initiative sind wiederholte Beschädigungen des Gedenkorts im Berliner Tiergarten. Dort erinnert eine Regenbogenbank an die Opfer des islamistischen Terroranschlags beim Christopher Street Day (CSD) in diesem Jahr. Die Angriffe auf das Erinnerungszeichen haben nun mehrere Kulturinstitutionen dazu veranlasst, sich gemeinsam mit der LGBTIQ+-Community zu solidarisieren. Der Intendant des Berliner Ensembles, Oliver Reese, erklärte dazu: „Die Kultureinrichtungen Berlins stehen für eine diverse und bunte Stadtgesellschaft und sind Orte des friedlichen Miteinanders und des Austauschs.“ Zugleich wandte er sich gegen die wiederholten Beschädigungen des Gedenkorts. „Wir verurteilen diese Angriffe auf die friedliche Zivilgesellschaft und wollen ein Zeichen setzen gegen die wiederholte Zerstörung dieses Gedenkorts und Queerfeindlichkeit.“
Kulturinstitutionen und Unternehmen
Die Initiative soll sich in den kommenden Tagen und Wochen auf weitere Standorte in der Hauptstadt ausweiten. Nach Angaben der Beteiligten haben sich bereits mehrere bekannte Berliner Bühnen und Kulturhäuser der Aktion angeschlossen. Dazu gehören das Deutsche Theater, der Friedrichstadt-Palast, das HAU Hebbel am Ufer, die Komödie am Kurfürstendamm, das Maxim Gorki Theater, die Staatsoper Unter den Linden und die Sophiensäle. Die Einrichtungen wollen entweder zusätzliche Sitzbänke in den Regenbogenfarben aufstellen oder bereits vorhandene Bänke entsprechend bemalen.
Auf diese Weise soll das Solidaritätszeichen an verschiedenen Orten im Berliner Stadtbild sichtbar werden. Die Aktion ist dabei nicht auf den Kulturbereich beschränkt. Auch andere gesellschaftliche Akteure sollen sich beteiligen können. Reese rief weitere Institutionen, Unternehmen und Privatpersonen dazu auf, „ihre Möglichkeiten zu nutzen und auf ihrem Gelände Regenbogenbänke in ganz Berlin aufzustellen“. Damit soll die Initiative über die beteiligten Theater und Opernhäuser hinausgetragen werden.
Gedenkbank im Tiergarten
Der Hintergrund der Aktion reicht in den Sommer zurück. Am 6. August war im Berliner Tiergarten unweit des Anschlagsorts eine Bank in Regenbogenfarben errichtet worden. Sie dient dem Gedenken an die Menschen, die bei dem Terroranschlag am Rande des CSD im Juli getötet oder verletzt wurden. Seit ihrer Aufstellung wurde die Bank mehrfach beschädigt. Am 25. Juli hatte der 21 Jahre alter Attentäter Abdul Ballout beim Christopher Street Day einen schweren islamistischen Terroranschlag verübt. Der Mann fuhr zunächst mit einem Auto in eine Gruppe von Menschen. Anschließend attackierte er weitere Personen mit einer Machete und ergriff die Flucht. Bei der Tat wurde eine Frau getötet. Insgesamt 31 Menschen erlitten Verletzungen, einige davon schwere. Die Flucht des Angreifers endete einen Tag später. Polizisten erschossen den 21-Jährigen in einer Gartenlaube in Spandau.