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Vandalismus in Berlin Was sagt die Polizei zu den Angriffen auf die Regenbogenbank?

Von ms - 16.10.2026 - 12:00 Uhr
Vandalismus in Berlin
Foto: IMAGO / Stefan Zeitz
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Mehrfach binnen weniger Wochen wurde die Regenbogenbank zum Gedenken an das Attentat auf den Berliner CSD beschädigt, übermalt oder ganz verwüstet. Ein Thema, das landesweit in der Community derzeit für viel Gesprächsstoff sorgt. SCHWULISSIMO wollte von Berlins Polizeisprecher Stefan Petersen-Schümann wissen, wie die Polizei die Lage bewertet – und warum es immer wieder zu Angriffen dieser Art kommt. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Vier Angriffe auf den Gedenkort: Die Regenbogenbank im Berliner Tiergarten wurde seit Anfang September 2026 mehrfach beschädigt, übermalt oder verwüstet. Sie erinnert an die Opfer des Anschlags auf den Berliner CSD 2026 und setzt ein Zeichen gegen Queerfeindlichkeit.
  • 18-Jähriger unter Verdacht: Nach Angaben der Berliner Polizei konnte für zwei der vier Taten ein 18-jähriger Tatverdächtiger ermittelt werden. Bei den übrigen Fällen sind die Verantwortlichen noch unbekannt.
  • Polizei verstärkt Kontrollen: Die Regenbogenbank ist inzwischen fester Bestandteil der täglichen Streifen des zuständigen Polizeiabschnitts 28. Weitere Schutzmaßnahmen werden aus ermittlungstaktischen Gründen nicht öffentlich erläutert.
  • Angst innerhalb der Community: Nach dem CSD-Anschlag berichteten queere Menschen und Gewerbetreibende von Wut, Angst, Sorge und Ohnmacht. Die wiederholten Beschädigungen können dieses Gefühl der Bedrohung verstärken.
  • Klare Absage an Schuldzuweisungen: Polizeisprecher Stefan Petersen-Schümann weist Behauptungen zurück, die Regenbogenbank sei zu provokativ. Die Verantwortung liege ausschließlich bei den Tätern, nicht bei der queeren Community.
  • Gesellschaft gemeinsam gefordert: Die Polizei betont, dass Strafverfolgung allein nicht ausreicht. Um Queerfeindlichkeit und tief verwurzelte Vorurteile zu bekämpfen, seien auch Politik und Zivilgesellschaft gefragt.

Interview mit Stefan Petersen-Schümann 

 

Was wissen Sie bislang über die Taten und mögliche Täter oder Tatmotive?

Zu zwei der vier Taten konnte bislang ein 18-jähriger Tatverdächtiger ermittelt werden. Die Ermittlungen zu den weiteren Taten richten sich derzeit noch gegen unbekannte Personen.

Wie bewerten Sie die wiederholte Beschädigung eines Ortes, der ausdrücklich dem Gedenken an die Opfer des Attentats und der Solidarität mit der queeren Community gewidmet ist? 

Die Polizei Berlin nimmt die wiederholte Beschädigung eines solchen Gedenkortes sehr ernst. Ein Ort, der dem Gedenken an die Opfer des Anschlags auf den CSD und der Solidarität mit der queeren Community dient, hat eine besondere gesellschaftliche und emotionale Bedeutung. Entsprechende Sachbeschädigungen können daher über den materiellen Schaden hinaus das Sicherheitsgefühl der Betroffenen und das Vertrauen in den Schutz solcher Orte beeinträchtigen.

Gibt es Hinweise auf ein queerfeindliches Motiv?

Ob den Taten ein queerfeindliches Motiv zugrunde liegt, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Die Polizei Berlin prüft dabei alle relevanten Umstände und Hinweise, um die Hintergründe der Beschädigungen aufzuklären.

Wie lässt sich die Regenbogenbank künftig besser schützen? Sind beispielsweise eine stärkere Polizeipräsenz oder andere Schutzmaßnahmen wie eine Kameraüberwachung denkbar? 

Die Einsatzkräfte des zuständigen Abschnitts 28 werden fortlaufend für diese Thematik sensibilisiert. Der Gedenkort im Großen Tiergarten ist fest in ihre tägliche Streifentätigkeit integriert: Sie legen dort Haltepunkte ein und bestreifen den Bereich regelmäßig. Ich bitte darüber hinaus um Ihr Verständnis, dass aus ermittlungstaktischen Gründen keine weiteren Auskünfte zu den polizeilichen Schutzmaßnahmen getroffen werden können.

Wie erleben Sie die queere Community in Berlin seit dem Attentat auf den CSD? Begegnen Ihnen mehr Angst und Verunsicherung?

Für ein beeinträchtigtes Sicherheitsgefühl in Teilen der queeren Community sprechen die Schilderung des ehemaligen Leiters des schwulen Anti-Gewalt-Projekts Maneo, Herrn Bastian Finke. Demnach haben nach dem Anschlag auf den CSD viele Teilnehmende Hilfsangebote genutzt und Beratungsstellen aufgesucht. Gegenüber den Ansprechpersonen LSBTIQ der Zentralstelle Prävention der Polizei Berlin schilderten unter anderem Gewerbetreibende des Regenbogenkiezes ihre Eindrücke nach dem Terroranschlag und beschrieben Gefühlslagen aus Wut, Angst, Sorge und Ohnmacht. Anfragen durch und Gespräche mit Einzelpersonen zeigen insgesamt einen weiterhin hohen Beratungsbedarf ohne direkten Bezug zum Anschlagsgeschehen. Die geschilderten Stimmungsbilder bilden dabei jedoch lediglich Eindrücke aus bestimmten Teilbereichen der queeren Community in Berlin ab. 

Welche Erfahrungen machen Sie in Ihren Gesprächen mit Betroffenen? Hat sich das Vertrauen queerer Menschen in die Polizei verändert? Laut der Studie der EU-Grundwerteagentur werden 90 Prozent der Attacken auf LGBTIQ+-Menschen bis heute gar nicht erst angezeigt. 

Das Vertrauen queerer Menschen in die Polizei ist ein zentrales Thema unserer Arbeit. Die Polizei Berlin setzt sich aktiv für eine diskriminierungsfreie und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen Bevölkerungsgruppen ein – insbesondere mit queeren Communitys. Für die Erhellung der Datenlage ist ein positives Anzeigeverhalten geschädigter Personen bei der Polizei essentiell. Dieses kann durch negative Erfahrungen mit staatlichen Organen, mangelndem Vertrauen in die Ermittlungsarbeit und Schamgefühl beeinflusst sein. Durch die beständige, jahrelange Präventionsarbeit im Bereich LSBTIQ versucht die Polizei Berlin Vertrauensvorbehalte in den entsprechenden Communitys zu begegnen und diese abzubauen. Konkrete Sachverhalte und Anhaltspunkte für einen Vertrauensverlust gegenüber den Ansprechpersonen LSBTIQ liegen nicht vor.

Wenn ein Gedenkort innerhalb kurzer Zeit immer wieder verwüstet wird: Welche Botschaft kann das bei queeren Menschen auslösen – und was können Polizei, Politik und Stadtgesellschaft konkret tun, damit nach dem Attentat nicht dauerhaft ein Gefühl der Bedrohung zurückbleibt? 

Die Anfang August 2026 als Parkbank errichtete „Regenbogenbank“ dient nicht nur als Gedenkort an die Opfer des Anschlags auf den Christopher-Street-Day 2026 in Berlin, sondern setzt außerdem ein generelles Zeichen gegen Queerfeindlichkeit. Die dort seit Anfang September erfolgten Sachbeschädigungen können bei queeren Menschen – insbesondere bei Betroffenen von Queerfeindlichkeit oder deren Angehörigen – Verunsicherung, Angst und das Gefühl auslösen, dass ihre Sicherheit und Sichtbarkeit nicht ausreichend geschützt sind, einhergehend mit einer Botschaft der Einschüchterung und Ablehnung. Solche Taten können das Vertrauen in den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Schutz durch den Staat beeinträchtigen. Die Polizei Berlin setzt alles daran, solche Straftaten aufzuklären und zu verhindern. Zugleich berät sie den zuständigen Bezirk in Zusammenhang mit Vandalismus-Prävention. Die Grenzen polizeilichen Handelns sind immer dort erreicht, wo es um gesellschaftliche und strukturelle Herausforderungen geht. Hasskriminalität und gezielte Angriffe auf Gedenkorte sind nicht nur Einzeltaten, sondern spiegeln oft tief verwurzelte Vorurteile wider. Die Polizei allein kann Vorurteile nicht abbauen oder eine Kultur der Solidarität erschaffen. Für eine klare Haltung gegen Queerfeindlichkeit braucht es die gemeinsame Verantwortung von Politik und allen Bereichen der Zivilgesellschaft.

In den sozialen Netzwerken wie X oder Instagram werden nebst viel Fassungslosigkeit auch immer wieder Stimmen laut, die sinngemäß erklären, eine Regenbogenbank sei eben „zu provokativ“ und würde daher zum Ziel von Vandalismus werden. Kurz gesagt und überspitzt: Die Community ist ein Stück weit „selbst schuld“ daran. Wie bewerten Sie das?

Solche Aussagen sind nicht nur falsch, sondern gefährlich – denn sie verkehren Ursache und Wirkung. Ein Gedenkort wie die Regenbogenbank im Großen Tiergarten steht für Solidarität, Sichtbarkeit und den Widerstand gegen Queerfeindlichkeit. Dass er zum Ziel von Vandalismus wird, ist kein Zeichen von Provokation, sondern von Hass und Intoleranz. Queere Menschen haben das Recht, sichtbar zu sein, ohne dafür mit Angriffen rechnen zu müssen. Die Verantwortung für Gewalt liegt immer bei den Tätern und Täterinnen – nicht bei denen, die für ihre Rechte und ihre Sicherheit einstehen. Die Polizei Berlin verurteilt solche Taten und ermittelt konsequent. Gleichzeitig ist es wichtig, dass wir als Gesellschaft klar Position beziehen: Gegen Queerfeindlichkeit – und gegen jede Form von Victim Blaming.

Vielen Dank für das Gespräch. 

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