Ein größerer Penis soll Männern zu mehr Selbstvertrauen, sexueller Zufriedenheit und einem besseren Lebensgefühl verhelfen. Mit diesem Versprechen verdient zumindest eine wachsende Branche viel Geld. Wie groß der Leidensdruck mancher Männer ist und welche Folgen medizinische Eingriffe haben können, zeigt die neue Dokumentation „Manhood“, die jetzt offiziell in den USA anläuft und bereits jetzt für hitzige Debatten sorgt.
Das Wichtigste im Überblick
- Dokumentation über männliche Unsicherheit: „Manhood“ von Regisseur Daniel Lombroso untersucht den boomenden Markt für Penisvergrößerungen und die psychologischen Gründe für solche Eingriffe.
- Bis zu 15.000 Dollar für eine Penisverdickung mit injizierbaren Füllmaterialien.
- Patienten berichten von ihren Erfahrungen: Zu Wort kommen unter anderem ein OnlyFans-Darsteller und ein fünffacher Vater. Während einige Männer von mehr Selbstbewusstsein sprechen, leiden andere unter Komplikationen.
- Kritischer Blick auf Männlichkeitsideale: Der Film thematisiert Körperdruck, Scham und die Frage, ob ein größerer Penis tatsächlich glücklicher macht.
- Die amerikanische Mayo Clinic warnt vor unzureichend belegten Methoden zur Penisvergrößerung und möglichen gesundheitlichen Schäden.
Männer und ihre Penisse
Regisseur Daniel Lombroso begleitete für seinen Film über zwei Jahre hinweg Patienten und Mitarbeiter von Kliniken, die Behandlungen zur Penisvergrößerung in den USA anbieten. Im Mittelpunkt steht unter anderem ein Unternehmer aus Dallas, der den Penisumfang durch Injektionen mit Füllmaterial vergrößern lässt. Er möchte solche Behandlungen zu einem alltäglichen kosmetischen Eingriff machen, vergleichbar mit Botox-Anwendungen. Seine Patienten verbinden damit jedoch häufig weit mehr als den Wunsch nach einer körperlichen Veränderung. Die Dokumentation wurde beim Filmfestival South by Southwest (SXSW) vorgestellt. Produziert wurde sie von World of Wonder.
Schon die ersten Szenen zeigen, wie stark männliches Selbstbewusstsein mit Vorstellungen von sexueller Leistungsfähigkeit und körperlicher Attraktivität verbunden sein kann. Männer suchen im Internet nach Antworten auf Fragen wie „Was glaubt ihr, wie lang ein durchschnittlicher Penis ist?“. Eine männliche Stimme verspricht: „Hier sind ein paar Tipps, wie du männlicher werden kannst.“ Parallel dazu sind Männer zu sehen, die ihre Körper vor dem Spiegel betrachten oder zu Hause trainieren. Der Film stellt damit die zentrale Frage, wie gesellschaftliche Erwartungen, soziale Medien und persönliche Unsicherheiten das männliche Körperbild beeinflussen. Die jüngsten Studien haben belegt, dass die durchschnittliche Länge zwischen 12,9 cm und 13,92 cm liegt – vielen Männern scheint das offenbar nicht genug.
Grundsätzliche Probleme
Regisseur Lombroso sieht darin ein grundsätzliches gesellschaftliches Problem. „Die Manosphere und ihre Form toxischer Männlichkeit erobern Amerika – von den sozialen Medien bis ins Weiße Haus“, erklärte er. „Ich wollte die gewaltige Menge an männlicher Scham und Unsicherheit untersuchen, aus der all das entsteht.“ Auf den entsprechenden Internetseite werden so dann Interessenten direkt mit der Frage angesprochen: „Bist du bereit, riesig zu werden?“ Gründer Bill Moore kennt nach eigener Darstellung die Ängste seiner Kunden. „Ich kann nachvollziehen, wie sich ein Mann auf die Größe seines Penis fixieren kann, weil er glaubt, davon hänge sein Glück ab“, sagt er. Der Trailer zeigt die Eingriffe unmittelbar. Patienten liegen auf Behandlungsliegen, während der Arzt die Injektionen vorbereitet und durchführt. Die Bereitschaft, für die Behandlung hohe Summen von bis zu 15.000 US-Dollar auszugeben, ist offenbar groß.
Mehr Selbstbewusstsein?
Einige der porträtierten Männer berichten von positiven Veränderungen nach ihrer Behandlung. Ein Patient betrachtet sich in der Praxis im Spiegel, spannt seinen Bizeps an und erklärt: „Das war das beste Jahr meines Erwachsenenlebens.“ Ein anderer Mann beschreibt den Effekt mit den Worten: „Es stärkt das Selbstvertrauen.“ In einer weiteren Szene sind Silikonmodelle von Penissen unterschiedlicher Größe auf einem Tisch zu sehen. Ein Mann sagt dazu: „Ich würde lieber an meinem Penis arbeiten als an meinem Bizeps.“ Die Dokumentation zeigt damit, wie eng manche Männer ihr Selbstwertgefühl mit einem einzelnen Körpermerkmal verknüpfen. Ob eine körperliche Veränderung tatsächlich zu langfristiger Zufriedenheit führt, bleibt allerdings eine der zentralen Fragen des Films.
Zu den Protagonisten gehört auch ein Vater von fünf Kindern, der gemeinsam mit seiner Ehefrau vor der Kamera über seine Entscheidung spricht. Er beschreibt, wie sich sein Körper im Laufe der Jahre verändert habe. Die Hoffnung auf mehr Zufriedenheit ist für ihn ein wichtiger Beweggrund, sich behandeln zu lassen. Doch seine Ehefrau sieht die körperlichen Voraussetzungen ihres Mannes offenbar anders. Als sie gefragt wird, ob sie die Veränderung bemerke, antwortet sie: „Ich war mit seinem besten Stück vollkommen zufrieden, so wie es war.“
Körperliche und emotionale Folgen
Neben zufriedenen Patienten begleitet Lombroso auch Männer, bei denen die Eingriffe schwerwiegende Folgen hatten. Einer von ihnen berichtet, dass er ursprünglich lediglich seinen Penisumfang vergrößern lassen wollte. Vor der Behandlung habe er sich gefragt: „Ich dachte: Wenn es mir nicht gefällt, was kann im schlimmsten Fall passieren?“ Später ist derselbe Mann emotional aufgewühlt zu sehen. Eine Stimme aus dem Off erhebt schwere Vorwürfe gegen einen behandelnden Arzt: „Er wurde von einem Arzt ausgenutzt, dem er völlig egal war.“ Sein Penis habe nach der Behandlung ausgesehen wie „der Penis eines Außerirdischen.“ Die Dokumentation begleitet auch einen OnlyFans-Darsteller, der sich mit den körperlichen und emotionalen Folgen von Penisbehandlungen auseinandersetzen muss. Damit geht der Film über die Darstellung kosmetischer Eingriffe hinaus. Er zeigt auch, wie verletzlich Menschen sein können, die mit hohen Erwartungen medizinische Veränderungen an ihrem Körper vornehmen lassen.
Debatte in der Community
Besonders kritisch beleuchtet die Dokumentation die Suche nach allumfassenden Glück, das sich mit einer Penisvergrößerung einstellen soll. „Ich kann deinen Penis mit Füllmaterial auffüllen, aber ich kann nicht das Loch in deinem Herzen füllen“, bringt es ein Anbieter auf den Punkt. In der schwulen Community und diversen Online-Foren von Männern in den USA hat die Dokumentation bereits jetzt Debatten über die Frage nach dem besten Stück ausgelöst. Die Produzenten Fenton Bailey und Randy Barbato sehen in „Manhood“ so auch mehr als eine Dokumentation über ein ungewöhnliches medizinisches Geschäftsfeld. „Männlichkeit und die Frage, was einen Mann ausmacht, sind heutzutage große gesellschaftliche Themen“, erklärten sie.
Mayo Clinic warnt vor Risiken
Die medizinischen Möglichkeiten und Versprechen der Penisvergrößerung werden deswegen auch von Fachleuten kritisch beurteilt. Die amerikanische Mayo Clinic weist darauf hin, dass zahlreiche Produkte und Behandlungen beworben werden, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nicht ausreichend nachgewiesen ist. Die Experten betonen zugleich die begrenzte wissenschaftliche Grundlage vieler Angebote. Die Mayo Clinic warnt ausdrücklich davor, sich von Werbeversprechen zu riskanten Behandlungen verleiten zu lassen. „Die meisten der beworbenen Methoden funktionieren nicht. Einige können den Penis sogar schädigen. Überlegen Sie es sich deshalb zweimal, bevor Sie eine davon ausprobieren.“ Ein besonders drastischer Fall einer missglückten Penisvergrößerung sorgte 2024 für Schlagzeilen: Der britisch-nigerianische Influencer Igho „Tiny“ Ubiribo starb im Alter von 43 Jahren während eines Aufenthalts in Thailand an einer Lungenembolie, die nach Angaben einer britischen Gerichtsmedizinerin durch eine Penisauffüllung ausgelöst wurde. Die Dokumentation soll voraussichtlich auch in Deutschland bei einem Streamingdienst erscheinen, einen Termin oder eine Plattform gibt es aber noch nicht.