„Wir waren schon mal weiter“: Mit dieser ernüchternden Bilanz blickt Daniel Petzoldt vom Vestischen Christopher Street Day auf die Lage queerer Menschen. Mehr als 100 CSD-Veranstalter aus ganz Deutschland haben sich am Wochenende in Recklinghausen getroffen. Ihre Antwort auf Anfeindungen und den politischen Rechtsruck: sichtbar bleiben, einander helfen und von der Politik verlässlichen Schutz verlangen.
Das Wichtigste im Überblick
- Die Herbsttagung von CSD Deutschland fand vom 16. bis 18. Oktober in Recklinghausen statt.
- Mehr als 100 CSD-Veranstalter kamen zusammen.
- Die Teams wollen sich bei der Organisation ihrer Prides stärker unterstützen.
- Auch der EuroPride 2029 in Dresden rückte in den Blick.
Akzeptanz unter Druck
Die Sorge der Veranstalter reicht weit über die Demonstrationstage hinaus. Petzoldt schilderte dem WDR, dass gleichgeschlechtliche Paare beim Händchenhalten weiterhin mit Ablehnung rechnen müssten. Queeres Leben werde wieder stärker angefeindet. Der Organisator engagiert sich seit acht Jahren für den CSD in Recklinghausen.
Auf der Tagung ging es deshalb auch darum, die Sichtbarkeit der Community zu erhalten. Von der Politik verlangen die Veranstalter, bestehende Projekte weiter zu fördern und LGBTIQ+-Menschen zu schützen. Besonders wichtig sei Unterstützung für die Community in Ostdeutschland.
Hilfe über Stadtgrenzen hinweg
Die Pride-Teams wollen enger zusammenarbeiten und sich bei ihren Veranstaltungen gegenseitig unterstützen. Das kann nach Petzoldts Schilderung auch ganz praktisch heißen, aus Recklinghausen zu einem CSD nach Wilhelmshaven zu fahren. Die Sorgen einzelner örtlicher Teams werden damit zur gemeinsamen Aufgabe.
Der Bundesverband hatte das Treffen bereits im September unter dem Motto „Jetzt erst recht!“ angekündigt. Damals kritisierte CSD Deutschland fehlende Gespräche mit der Bundesregierung und Kürzungen von Fördermitteln. Der Verband erklärte zugleich, trotz der Anfeindungen weiter auf die Straßen gehen und sichtbar bleiben zu wollen.
Dresden als nächstes Signal
Ein gemeinsames Ziel liegt bereits vor den Organisatoren: Dresden richtet den EuroPride 2029 aus. Unter dem Motto „Turn Walls into Bridges“ will die sächsische Landeshauptstadt Brücken zwischen Regionen und Lebensrealitäten bauen. Beim Treffen in Recklinghausen ging es laut WDR auch darum, für das europäische Pride-Event Kräfte zu bündeln.
Der Zuschlag an Dresden war am 10. Oktober bei der Mitgliederversammlung der European Pride Organisers Association in Magdeburg gefallen. Nach 25 Jahren kehrt der EuroPride damit nach Deutschland zurück. Zuletzt war Hamburg 2004 Gastgeber.
Wie angespannt die Sicherheitslage bereits vor der diesjährigen Saison war, zeigt auch das SCHWULISSIMO-Interview zur Gefahrenlage bei CSDs. Die Veranstalter setzen jetzt auf Rückhalt über die eigene Stadt hinaus.