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Neue Pornogesetze in England Auch schwule Community betroffen

Von ms - 19.10.2026 - 14:00 Uhr
Neue Pornogesetze in England
Foto: iStock / ADragan
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In England und Wales treten am 6. November 2026 neue Verbote für bestimmte pornografische Darstellungen in Kraft. Die britische Regierung geht damit gegen Bildmaterial vor, das ausgewählte Fetisch-Praktiken und andere sexuelle Handlungen zeigt. Betroffen sind nicht nur kommerzielle Pornografie-Angebote, sondern grundsätzlich auch Menschen, die entsprechende Inhalte besitzen oder im Internet verbreiten sowie auch private Hardcore-Content-Creator. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Neue Verbote ab 6. November: In England und Wales werden bestimmte pornografische Darstellungen von Fetisch-Praktiken und weiteren sexuellen Handlungen künftig strafbar. Das Gesetz betrifft nicht die einvernehmlichen Praktiken als solche, sondern bestimmte Bildinhalte.
  • Würgen und Ersticken im Fokus: Verboten werden unter anderem realistische pornografische Darstellungen von Strangulation und Erstickung sowie bestimmte Inzestdarstellungen und Szenen, in denen Erwachsene als Kinder unter 16 Jahren auftreten.
  • Auch gewisse Rollenspiele wie "Daddy-Sohn"-Fantasien fallen unter das Verbot. 
  • Auch schwule Pornografie betroffen: Die Vorschriften gelten unabhängig von der sexuellen Orientierung der dargestellten Personen. Damit können auch Inhalte aus der schwulen Fetisch- und Pornoszene unter die Verbote fallen.
  • Hohe Haftstrafen vorgesehen: Für die Veröffentlichung verbotener Inhalte drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis. Bereits der Besitz kann je nach Darstellung mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden.
  • KI-Bilder eingeschlossen: Auch künstlich erzeugte pornografische Darstellungen können strafbar sein, wenn sie realistisch wirken und die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.
  • Regierung verweist auf Gewaltschutz: Die britische Justizministerin Alex Davies-Jones betont, dass nicht harmlose sexuelle Vorlieben kriminalisiert werden sollen. Ziel sei es, die Verbreitung bestimmter gewaltbezogener und sexualisierter Darstellungen einzuschränken.

Gewisse Pornodarstellungen strafbar

Die Neuregelung gilt unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung. Sie betrifft damit auch die schwule Community, in der bestimmte Fetisch-Praktiken und entsprechende pornografische Darstellungen Teil des sexuellen Spektrums sind. Das Gesetz unterscheidet allerdings zwischen sexuellen Handlungen und deren pornografischer Darstellung. Die neuen Straftatbestände richten sich gegen den Besitz und die Veröffentlichung bestimmter Bilder. Sie bedeuten nicht, dass sämtliche einvernehmlichen Fetisch-Praktiken zwischen Erwachsenen grundsätzlich verboten werden. Die Änderungen sind Bestandteil des britischen Crime and Policing Act 2026.

Zu den künftig verbotenen Inhalten gehören explizite, realistisch wirkende pornografische Bilder, die Strangulation oder Ersticken zeigen. Damit geraten auch Darstellungen von Würgepraktiken in den Fokus, die in Teilen der Fetisch- und BDSM-Szene vorkommen. Das Verbot erfasst entsprechende pornografische Inhalte unabhängig davon, ob sie heterosexuelle oder homosexuelle Personen zeigen. Auch schwule Pornografie, in der solche Handlungen dargestellt werden, kann deshalb unter die neuen Strafvorschriften fallen. Die Regelung betrifft sowohl die Veröffentlichung als auch den Besitz des erfassten Materials. Bislang war nicht tödliche Strangulation nur dann strafbar, wenn sie ohne Einwilligung erfolgte. Die neuen Bestimmungen erweitert die Strafbarkeit nun. Dabei kommt es nicht ausschließlich darauf an, ob eine entsprechende Gewalthandlung tatsächlich stattgefunden hat. Entscheidend ist auch, ob das Bildmaterial die gesetzlichen Merkmale einer verbotenen realistischen Darstellung erfüllt.

Inzest und Rollenspiele 

Neben Würge- und Erstickungsszenen umfasst die Neuregelung weitere Kategorien pornografischen Materials. Dazu gehören realistisch wirkende Darstellungen von penetrativem Geschlechtsverkehr zwischen bestimmten Verwandten, beispielsweise in der schwulen Community besonders beliebte „Daddy-Sohn“-Rollenspiele.  Ebenfalls strafbar werden Bilder, auf denen Erwachsene bei sexuellen Handlungen so dargestellt werden, als seien sie jünger als 16 Jahre.  Damit erfasst das Gesetz auch bestimmte sexuelle Rollenspiele, bei denen volljährige Personen Minderjährige darstellen. Darüber hinaus gelten die neuen Vorschriften für bestimmte pornografische Darstellungen sexueller Handlungen zwischen Stiefverwandten und Pflegeverwandten, sofern eine beteiligte Person als unter 18 Jahre alt erscheint. Die Bestimmungen unterscheiden somit zwischen verschiedenen Arten von Darstellungen und sehen dafür unterschiedliche Strafrahmen vor.

Schwule Branche betroffen

Die Änderungen sind auch für schwule Männer und die schwule Pornografie-Branche von Bedeutung. Insbesondere Anbieter, Produzenten und Konsumenten von Fetischpornografie müssen künftig berücksichtigen, dass bestimmte Darstellungen bereits durch ihren Besitz strafrechtliche Folgen haben können, auch private Hardcore-Anbieter. Auch die Frage, ob dargestellte Personen tatsächlich in eine sexuelle Handlung eingewilligt haben, hebt die neuen Bildverbote nicht automatisch auf. Für die Strafbarkeit bestimmter Darstellungen ist vielmehr maßgeblich, ob das Material unter die gesetzlich festgelegten Kategorien fällt. Inwieweit sich die Verbote konkret auf die schwule Pornografie-Branche auswirken werden, ist derzeit noch nicht absehbar. 

KI-generierte Pornografie 

Die neuen Vorschriften beschränken sich dabei nicht auf Aufnahmen tatsächlicher sexueller Handlungen. Auch Bilder, die mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt wurden, können unter die Verbote fallen. Voraussetzung ist, dass sie realistisch wirken und den Eindruck vermitteln, echte Menschen zu zeigen. Damit will die britische Regierung verhindern, dass die neuen Regeln durch künstlich erzeugtes Bildmaterial umgangen werden. Die Bestimmungen erfassen somit sowohl entsprechende herkömmliche pornografische Bilder als auch bestimmte digitale Darstellungen. Für Anbieter von Onlinepornografie und Menschen, die solche Inhalte verbreiten, erweitert sich dadurch der Kreis potenziell strafbarer Materialien erheblich.

Bis zu fünf Jahre Haft 

Mit den neuen Verboten sind erhebliche strafrechtliche Konsequenzen verbunden. Wer verbotenes pornografisches Material veröffentlicht, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen. Als Veröffentlichung gilt dabei nicht nur die Verbreitung über kommerzielle Plattformen. Auch das Hochladen entsprechender Inhalte oder deren Bereitstellung für eine andere Person im Internet kann den Straftatbestand erfüllen. Bereits der Besitz bestimmter Darstellungen wird unter Strafe gestellt. Für pornografische Bilder, auf denen Erwachsene so dargestellt werden, als seien sie jünger als 16 Jahre, drohen bis zu drei Jahre Haft. Wer Material besitzt, das Strangulation, Ersticken oder penetrativen Geschlechtsverkehr zwischen bestimmten Verwandten zeigt, kann mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe bestraft werden. Damit gehen die neuen Vorschriften über ein reines Veröffentlichungsverbot hinaus.

Grundlage der gesetzlichen Änderungen ist eine unabhängige Untersuchung zur Regulierung von Pornografie. Sie wurde unter Leitung der konservativen Oberhauspolitikerin Baroness Gabby Bertin durchgeführt und im Februar 2025 veröffentlicht. Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass gewisse Darstellungen auf bekannten Pornografie-Websites weit verbreitet seien. Besonders kritisch bewertete der Bericht mögliche Auswirkungen solcher Inhalte auf das Sexualverhalten junger Menschen. Baroness Bertin begrüßt die Verschärfung, die Änderungen kämen „keinen Moment zu früh“, erklärte die konservative Politikerin. Gegenüber der britischen Nachrichtenagentur Press Association sagte sie außerdem, die Gesetzgebung werde „ein unmissverständliches Signal senden“, dass „extreme und gewalttätige Inhalte, die zu tatsächlicher Schädigung im realen Leben ermutigen, nicht akzeptabel sind“.

Regierung fordert Löschung 

Die britische Justizministerin Alex Davies-Jones betonte, die neuen Vorschriften zielten nicht darauf ab, sexuelle Vorlieben grundsätzlich unter Strafe zu stellen. Zugleich warnte sie vor dem möglichen Einfluss von Pornografie auf das Verständnis von Sexualität und Partnerschaft. „Pornografie kann beeinflussen, wie Menschen sich eine gesunde Beziehung vorstellen, insbesondere junge Menschen“, erklärte Davies-Jones. Mit Blick auf das Inkrafttreten der neuen Strafvorschriften richtete Davies-Jones eine direkte Warnung an Menschen, die entsprechendes Material besitzen oder verbreiten. „Wenn Sie solches Material haben, löschen Sie es. Wenn Sie es weitergeben, hören Sie damit auf“, sagte die Ministerin. Erst vor kurzem hatte auch Frankreich schärfere Richtlinien beim Sex-Bildern und Videos beschlossen. 

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