Ein Flirt mit einer Frau – und trotzdem ein bisexueller Superheld. Für Ruaridh Mollica liegt darin kein Widerspruch. Der Schauspieler verkörpert in der neuen Marvel-Serie „VisionQuest“ Tommy Shepherd, auch bekannt als Tommy Maximoff. Im Gespräch mit „Variety“ erklärt er, warum ihn diese Besetzung persönlich berührt: „Ich fühle mich gesehen.“
Das Wichtigste im Überblick
- Ruaridh Mollica bezeichnet seinen „VisionQuest“-Charakter Tommy als bisexuell.
- Der Schauspieler ist selbst bisexuell und verwendet für sich auch die Bezeichnung queer.
- Tommy ist der Zwillingsbruder von Billy, den Joe Locke in „Agatha All Along“ spielt.
- „VisionQuest“ läuft seit dem 14. Oktober auf Disney+. Den offiziellen deutschen Trailer findest du direkt hier im Artikel.
Ein Flirt ist kein Gegenbeweis
Tommy flirtet mit Lisa Molinari, gespielt von Lauren Morais. Für Mollica macht gerade das die Rolle interessant. Bisexualität lässt sich schließlich nicht daran ablesen, mit wem jemand gerade ausgeht. Ein Mann verliert seine bisexuelle Identität nicht dadurch, dass er sich für eine Frau interessiert.
Mollica sagt im Interview, es gehe nicht unbedingt darum, mit wem man zusammen sei, sondern darum, wer man sei und zu wem man sich hingezogen fühle. Dass Marvel einen bisexuellen Darsteller für die bisexuelle Figur besetzt habe, empfinde er als Ehre. Er hoffe, dass sich auch andere Menschen dadurch repräsentiert fühlten.
Das ist eine klare Aussage über Tommy. Eine große Liebesgeschichte mit einem Mann kündigt Mollica damit allerdings nicht an. Im Mittelpunkt seiner Äußerungen steht die Identität der Figur – und die Erfahrung, dass diese auch bei einem Flirt mit einer Frau Bestand hat.
Der offizielle deutsche Trailer
Queere Zwillinge im Marvel-Universum
Tommy gehört zu einer ungewöhnlichen Familie: Seine Mutter Wanda Maximoff ist eine Hexe, sein Vater Vision ein künstliches Wesen. Als Kinder waren die Zwillinge Tommy und Billy bereits in „WandaVision“ zu sehen. Billy kehrte später in „Agatha All Along“ zurück, gespielt von dem offen schwulen Joe Locke. Die älteren Versionen der Brüder führen die Familiengeschichte nun weiter.
„VisionQuest“ schickt den neu gestarteten Vision, gespielt von Paul Bettany, auf die Suche nach sich selbst. Nachdem ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt wird, gerät er mit dem geheimnisvollen Thomas Shepherd auf die Flucht. James Spader kehrt als Ultron zurück. Für Tommy geht es dabei auch um Einsamkeit und die Sehnsucht nach einer Familie.
Von „Sebastian“ zu den Superhelden
Mollica brachte bereits vor Marvel Erfahrung mit queeren Geschichten mit. In „Sebastian“ spielte er einen jungen Schriftsteller, der in London als Sexarbeiter tätig wird. In einem früheren Interview mit „The Skinny“ sprach er darüber, wie die Arbeit an dem Film mit seiner eigenen Auseinandersetzung mit Queerness zusammenfiel. Dort bezeichnete er sich als bisexuell und erklärte, den Begriff queer für sich zu bevorzugen.
Seine jetzigen Aussagen sind damit die Fortsetzung eines schon länger offenen Umgangs mit seiner Sexualität. Mit „VisionQuest“ erreicht er nun das Publikum einer großen Marvel-Produktion. Der Flirt seiner Figur berührt dabei eine Erfahrung, die viele bi Menschen kennen: Von außen wird ihnen schnell eine Orientierung zugeschrieben, die nur zur gerade sichtbaren Beziehung passt. Über bisexuelles Leben und Lieben haben wir auch mit Christian Soest gesprochen.
„VisionQuest“ ist bei Disney+ abrufbar.