Im Senegal setzt sich die Verfolgung mutmaßlich homosexueller Menschen fort. In der ostsenegalesischen Stadt Tambacounda hat die Polizei jetzt 35 Personen wegen des Verdachts auf Homosexualität festgenommen. Wie senegalesische Medien berichteten, stammen die Betroffenen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und Berufsständen.
Das Wichtigste im Überblick
- Weitere Festnahmen: Die Polizei hat in der ostsenegalesischen Stadt Tambacounda 35 Menschen wegen des Verdachts auf Homosexualität festgenommen.
- Unter den Festgenommenen befinden sich Schüler, Studenten, Lehrer, Beschäftigte des Gesundheitswesens und weitere Berufstätige.
- Nach Angaben der Ermittler wurden bei 13 Festgenommenen HIV-Infektionen festgestellt. Nur drei von ihnen erhalten derzeit eine medizinische Behandlung.
- Seit März 2026 gilt im Senegal ein verschärftes Gesetz gegen Homosexualität. Bereits zuvor und auch danach wurden Hunderte Menschen festgenommen.
- Die Behörden sprechen von organisierter Kriminalität und untersuchen mögliche Kontakte. Ein ebenfalls beschuldigter uniformierter Beamter wurde nicht festgenommen.
Organisiertes Netzwerk?
Nach Polizeiangaben befinden sich unter den Festgenommenen vier Schüler im schulpflichtigen Alter, zwei Studenten, zwei Gymnasiallehrer sowie vier Beschäftigte des Gesundheitswesens. Auch ein Geschäftsmann, ein Entwicklungshelfer und ein Schneider gehören zu den Betroffenen. Die Zusammensetzung der Gruppe beschäftigt die Ermittlungsbehörden. Das Nachrichtenportal SeneNews schrieb: „Diese Vielfalt macht die Ermittler neugierig, die herauszufinden versuchen, wie dieses Netzwerk entstanden ist und funktioniert hat.“
Die Ermittler gehen offenbar davon aus, dass zwischen den Festgenommenen Verbindungen bestehen. In senegalesischen Medien und bei Strafverfolgungsbehörden ist die Vorstellung verbreitet, homosexuelle Menschen würden gezielt andere Personen in ihre sexuellen Aktivitäten einbeziehen. Das Nachrichtenportal Seneweb bezeichnete die Gruppe unter Berufung auf die Ermittlungen als „organisiertes kriminelles Netzwerk, das auf widernatürliche Handlungen spezialisiert ist“. Diese Darstellung spiegelt die Sichtweise der Behörden wider. Ob tatsächlich eine kriminelle Organisation existierte, geht aus den vorliegenden Berichten nicht hervor.
13 Festgenommene HIV-positiv
Im Zuge der Ermittlungen prüfen die Behörden außerdem Aussagen mehrerer Festgenommener, wonach sie sexuelle Beziehungen zu einem uniformierten Beamten gehabt hätten. Der betreffende Beamte wurde nach Polizeiangaben nicht festgenommen. Warum gegen ihn keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen wurden, bleibt in den Berichten offen. Besondere Aufmerksamkeit erregen die Angaben zum Gesundheitszustand der Festgenommenen. Offenbar ließ die Polizei sämtliche 35 Personen auf HIV testen.
Nach Angaben der Ermittler fiel das Testergebnis bei 13 Menschen positiv aus. Von diesen erhalten derzeit lediglich drei eine medizinische Betreuung und eine antiretrovirale Therapie. Damit sind nach den veröffentlichten Angaben zehn der HIV-positiven Festgenommenen ohne entsprechende Behandlung. Ob die Betroffenen bereits vor ihrer Festnahme keinen Zugang zu einer Therapie hatten oder ob ihre medizinische Versorgung durch die Festnahmen beeinträchtigt wurde, geht aus den bisherigen Berichten nicht hervor.
Weitere Kontakte aufdecken
Die senegalesischen Behörden verknüpfen ihre Ermittlungen offenbar auch mit gesundheitspolitischen Argumenten. In Teilen der Öffentlichkeit besteht nach Darstellung der Berichterstattung die Auffassung, dass ein konsequentes Vorgehen gegen Schwule zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit beitragen könne. SeneNews berichtete dazu: „Die Ermittlungen werden unter Aufsicht der zuständigen Behörden intensiv fortgesetzt, um mögliche Komplizen zu identifizieren und Kontaktpersonen ausfindig zu machen, damit eine weitere Ausbreitung der Krankheit verhindert werden kann.“ Die Verbindung zwischen Homosexualität und der Verbreitung von HIV ist aus medizinischer Sicht allerdings irreführend. HIV kann unabhängig von der sexuellen Orientierung übertragen werden. Die Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Sexualität kann dagegen dazu führen, dass Betroffene aus Angst vor Strafverfolgung auf Tests und medizinische Hilfe verzichten.
Hunderte Festnahmen
Die jüngsten Festnahmen in Tambacounda sind Teil einer landesweiten Verhaftungswelle gegen Schwule. Nach Angaben des Nachrichtenportals Erasing 76 Crimes wurden bereits Hunderte Menschen wegen mutmaßlicher Homosexualität festgenommen. Die Repressionen begannen schon vor der jüngsten Gesetzesverschärfung und setzten sich anschließend fort. Am 31. März diesen Jahres trat im Senegal ein verschärftes Gesetz gegen Homosexualität in Kraft. Die Festnahmen erfolgten sowohl vor als auch nach dieser gesetzlichen Neuregelung.
Bereits im Juni 2026 berichtete Erasing 76 Crimes über Hunderte Festnahmen von homosexuellen Menschen. Im August folgte die Nachricht, dass 28 von insgesamt 99 Männern, die wegen des Vorwurfs gleichgeschlechtlicher sexueller Handlungen festgenommen worden waren, wieder freigelassen wurden. Die aktuellen Vorgänge zeigen, dass die Behörden ihre Maßnahmen gegen mutmaßlich homosexuelle Menschen fortsetzen. Dabei geraten auch Angehörige verschiedener Berufsgruppen sowie Schüler und Studierende ins Visier der Ermittler. Zuletzt kam es auch international zu viel Kritik am Vorgehen Senegals, insbesondere mit Blick auf die kommenden Olympischen Jugendspiele im Land.