Hape Kerkeling als nächster Bundespräsident? Eine Online-Petition mit diesem Ziel hat inzwischen über 156.000 Unterstützer gefunden. Der 61 Jahre alte Entertainer fühlt sich von dem Zuspruch geehrt, hält eine tatsächliche Wahl zum Staatsoberhaupt allerdings für unwahrscheinlich. Dennoch sieht er in der Initiative einen wichtigen Anstoß für gesellschaftliche Debatten.
Das Wichtigste im Überblick
- Große Unterstützung: Eine Petition für Hape Kerkeling als Bundespräsidenten hat über 156.000 Unterschriften gesammelt.
- Kerkeling reagiert: Der 61-Jährige zeigt sich von der Initiative gerührt, rechnet aber nicht mit deren Erfolg.
- Kandidatur bleibt offen: Ob er sich das höchste Staatsamt vorstellen könnte, beantwortet Kerkeling nicht eindeutig. Er verweist auf die entscheidende Rolle der CDU.
- Politisches Engagement: Der Entertainer fordert eine Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens und warnt vor den Folgen rechtsextremer Politik.
Union von Bedeutung
Im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin Spiegel erklärte Kerkeling JETZT, weshalb er die Unterschriftensammlung nicht habe verhindern wollen. „Dass da jemand eine Petition startet und die Idee hat, eine queere Person soll Staatsoberhaupt werden – das wollte ich nicht unterbinden. Das wird sicherlich nicht zum Erfolg führen, aber es wird für Diskussionen sorgen, die einer freien Gesellschaft guttun.“ Ob er selbst grundsätzlich bereit wäre, das Amt des Bundespräsidenten zu übernehmen, ließ der Schauspieler, Komiker und Buchautor offen. Ein mögliches Interesse wollte er dem Magazin zufolge nicht ausdrücklich dementieren. Stattdessen verwies er auf die politischen Mehrheitsverhältnisse und die Bedeutung der Union bei der Wahl des Staatsoberhaupts. „Ohne die CDU würde es nicht gehen. Und die wird jemanden nach ihrer Vorstellung küren. Da wollen wir hoffen, dass die Wahl auf die richtige Dame fällt.“
Präsidentschaft in Passau
Bereits vor dem Interview hatte Kerkeling mit Äußerungen über eine mögliche politische Karriere Aufmerksamkeit erregt. Bei einer Veranstaltung im bayerischen Passau in der vergangenen Woche sprach ihn Moderator Hannes Ringlstetter auf ein mögliches politisches oder präsidiales Amt an. Kerkeling reagierte zunächst mit einer Gegenfrage: „Glaubst Du im Ernst, im Moment würde sich – wer auch immer – in dieser verfahrenen Situation darum reißen?“ Ringlstetter ließ die Antwort nicht gelten und entgegnete: „Wer Sonntagsgottesdienste im Fernsehen anschaut, der macht auch solche Dinge.“ Der Entertainer beließ es daraufhin bei den Worten: „Dann lassen wir das mal so stehen.“ Die Frage nach einer möglichen Kandidatur blieb damit einmal mehr unbeantwortet.
Politische Debatten
Bekannt wurde Kerkeling vor allem durch seine Fernsehsketche, Filme und Bücher. Seit einiger Zeit tritt er jedoch auch verstärkt mit politischen Stellungnahmen an die Öffentlichkeit. Besonders deutlich positionierte er sich zuletzt in der Debatte über ein mögliches Verbot der AfD. Am 30. September sprach er bei einer Anhörung im Thüringer Landtag, die sich mit einem möglichen Verbotsverfahren gegen die Partei beschäftigte. Sein Auftritt löste zahlreiche Reaktionen aus. In einem Video auf Instagram zum Tag der Deutschen Einheit erklärte Kerkeling, die vielen berührenden Rückmeldungen auf seine Rede hätten ihn überwältigt. Zugleich erneuerte er seine Forderung nach politischen Konsequenzen. „Es bleibt die Aufgabe des Staates, uns zu schützen. Daher fordere ich die verantwortlichen Politiker auf: Handelt jetzt! Leitet die überfällige Prüfung eines Verbotsverfahrens gegen die rechtsextremistische AfD ein.“
Deutliche Warnung
Auch im Interview mit dem Spiegel sprach sich Kerkeling nachdrücklich für ein Verbot der AfD aus. Dabei richtete er sich nicht allein an die Politik, sondern auch an die Wähler der Partei. „Wer Rechtsextremisten wählt, will keinen bloßen Denkzettel verteilen, wie es oft heißt. Wer will, dass die Löwen in die Arena kommen, der will auch Blut sehen.“ Damit widersprach Kerkeling der verbreiteten Erklärung, Stimmen für rechtsextreme Parteien seien vor allem als Protest gegen die etablierten politischen Kräfte zu verstehen. Seine Forderung nach einem Verbotsverfahren steht im Zusammenhang mit seiner Sorge um den Schutz der demokratischen Ordnung. Ob ein solches Verfahren tatsächlich eingeleitet wird, ist eine politische und rechtliche Frage. Über ein Parteiverbot könnte letztlich nur das Bundesverfassungsgericht entscheiden.
Betonung der Meinungsfreiheit
Sein wachsendes gesellschaftspolitisches Engagement begründet Kerkeling auch mit seiner eigenen Lebensgeschichte. Als Kind aus einer Arbeiterfamilie habe er in Deutschland Chancen erhalten, die ihm seinen beruflichen Aufstieg ermöglicht hätten. Zudem habe er während seiner Karriere von der Meinungsfreiheit profitiert. Diese Erfahrungen seien für ihn ein wesentlicher Grund, sich heute öffentlich zu politischen Entwicklungen zu äußern. „Ich verdanke diesem Land viel, zum Beispiel, dass ich als Kind aus einer Arbeiterfamilie etwas werden und in meiner Karriere von der Meinungsfreiheit profitieren durfte“, sagte Kerkeling dem „Spiegel“. „Jetzt möchte ich etwas zurückgeben.“ Ob daraus eines Tages tatsächlich die Übernahme eines politischen Amtes werden könnte, bleibt offen.