Der konservative US-Verfassungsrichter Samuel Alito (76) hat in seinem neuen Buch seine Kritik an der landesweiten Legalisierung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare bekräftigt. Die Entscheidung des Supreme Court von 2015 habe „vielleicht den entscheidenden Punkt“ bei Amerikas Hinwendung „gegen die Religionsfreiheit“ markiert, schreibt Alito.
Das Wichtigste im Überblick
- Supreme-Court-Richter Samuel Alito beschäftigt sich in seinem neuen Buch ausführlich mit der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare.
- Das wegweisende Urteil Obergefell v. Hodges von 2015 bezeichnet er als „vielleicht den entscheidenden Punkt“ bei Amerikas Hinwendung „gegen die Religionsfreiheit“.
- Alito hatte 2015 gegen die Entscheidung gestimmt, die gleichgeschlechtlichen Paaren landesweit ein verfassungsmäßiges Recht auf Eheschließung zusprach.
- Das Urteil gilt weiterhin. Der Supreme Court lehnte 2025 einen Versuch ab, die Rechtsprechung erneut infrage zu stellen.
- Der Respect for Marriage Act schützt die Anerkennung bereits rechtmäßig geschlossener gleichgeschlechtlicher Ehen auch für den Fall einer Aufhebung des Obergefell-Urteils. Er verpflichtet die Bundesstaaten aber nicht dazu, selbst solche Ehen zu schließen.
- Alito sieht Konflikte zwischen LGBTIQ+-Rechten und religiös begründeten Ausnahmen als Beleg dafür, dass die Unterstützung für Religionsfreiheit in den USA „eingebrochen“ sei.
Ausgrenzung Gläubiger
In seinem Buch „So Ordered“ setzt sich der Richter insbesondere mit dem wegweisenden Verfahren Obergefell v. Hodges auseinander. Mit einer knappen Mehrheit von fünf zu vier Stimmen entschied der Supreme Court damals, dass gleichgeschlechtliche Paare in allen US-Bundesstaaten ein verfassungsmäßiges Recht auf Eheschließung haben. Alito gehörte zur Minderheit der Richter, die gegen die Entscheidung stimmten. In seinen nun veröffentlichten gesammelten Aussagen stellt er das Urteil als einen Wendepunkt im Verhältnis zwischen LGBTIQ+-Rechten und Religionsfreiheit dar. Alito äußert bereits früh die Sorge, dass religiös begründete Ablehnung der gleichgeschlechtlichen Ehe zunehmend mit Intoleranz gleichgesetzt werde und dies gläubige Menschen aus dem öffentlichen Leben verdrängen könnte. Vier Jahre später erklärte er, seine Befürchtungen hätten sich aus seiner Sicht bewahrheitet. „Ganz plötzlich ist die Religionsfreiheit umstritten geworden“, so Alito, der zudem bekräftigte: „Die „Unterstützung für die Religionsfreiheit ist eingebrochen“.
Obergefell-Urteil hat Bestand
Trotz der zunehmend konservativen Zusammensetzung des Supreme Court gilt das Urteil zur Ehe für gleichgeschlechtliche Paare weiterhin. Im November 2025 lehnte das Gericht es ab, eine Berufung der ehemaligen Standesbeamtin Kim Davis aus Kentucky anzunehmen. Davis hatte sich nach dem Urteil von 2015 geweigert, Heiratsurkunden an gleichgeschlechtliche Paare auszustellen. Ihre Anwälte wollten den Fall nutzen, um das Obergefell-Urteil vom Supreme Court aufheben zu lassen. Das Gericht wies den Vorstoß jedoch zurück.
Zusätzliche gesetzliche Absicherung für gleichgeschlechtliche Ehepaare gibt es seit 2022. Der damalige US-Präsident Joe Biden unterzeichnete den Respect for Marriage Act. Das Bundesgesetz schreibt die Anerkennung rechtsgültig geschlossener gleichgeschlechtlicher Ehen vor. Die Bundesstaaten müssen demnach eine gleichgeschlechtliche Ehe anerkennen, wenn sie in einem anderen Bundesstaat rechtmäßig geschlossen wurde. Das Gesetz wäre auch dann von Bedeutung, wenn der Supreme Court das Obergefell-Urteil eines Tages aufheben sollte. Es würde die einzelnen Bundesstaaten in diesem Fall allerdings nicht dazu verpflichten, selbst weiterhin Heiratsurkunden an gleichgeschlechtliche Paare auszustellen.
Die gesetzliche Absicherung folgte auf eine andere weitreichende Entscheidung des Supreme Court. Mit dem Dobbs-Urteil hob das Gericht 2022 das Grundsatzurteil Roe v. Wade auf, das das Recht auf Abtreibung in den USA fast 50 Jahre lang verfassungsrechtlich geschützt hatte. Die Entscheidung verstärkte Befürchtungen, dass der Supreme Court auch andere auf früheren Urteilen beruhende verfassungsrechtliche Schutzrechte überprüfen könnte. Dazu zählt insbesondere die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Alito und sein Richter-Kollege Clarence Thomas gehören dabei bis heute zu den stärksten Gegnern der Homo-Ehe.