Junge LGBTIQ+-Menschen in den USA können jetzt wieder auf speziell für sie vorgesehene Angebote der nationalen Suizid- und Krisenhotline 988 zurückgreifen. Seit Mitte der Woche ist der unter der Bezeichnung „Press 3“ bekannte Dienst erneut verfügbar. Das Angebot war im Juli vergangenen Jahres unter der Trump-Regierung eingestellt worden.
Das Wichtigste im Überblick
- Seit Mitte dieser Woche sind die speziellen Angebote der US-Krisenhotline 988 für LGBTIQ+-Jugendliche und junge Erwachsene wieder verfügbar.
- Das als „Press 3“ bekannte Angebot ermöglicht Menschen unter 25 Jahren den Kontakt zu speziell geschulten Krisenberatern.
- Die Trump-Regierung hatte das Programm im Juli 2025 eingestellt.
- Als Grund nannte die zuständige Behörde ausgeschöpfte, vom Kongress bereitgestellte Finanzmittel.
- Mehr als 33 Millionen Dollar waren nach Behördenangaben bis Juni 2025 für das Programm ausgegeben worden.
- Politiker und The Trevor Project begrüßen die Rückkehr des Angebots und fordern eine dauerhafte Absicherung.
Ein Jahr Krisenmodus
Die spezielle Krisenhilfe war 2022 in Zusammenarbeit mit der queeren Jugendorganisation The Trevor Project eingeführt worden. LGBTIQ+-Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren erhielten damit die Möglichkeit, per Telefon, Textnachricht oder Online-Chat speziell geschulte Krisenberater zu erreichen. Die Substance Abuse and Mental Health Services Administration (SAMHSA) hatte das Programm dann am 17. Juli 2025 beendet. Die zum US-Gesundheitsministerium gehörende Behörde erklärte damals, dass die vom Kongress für das spezielle Angebot bereitgestellten Finanzmittel ausgeschöpft gewesen seien. Bis Juni 2025 waren demnach mehr als 33 Millionen Dollar dafür ausgegeben worden.
Damit entfielen mehrere Möglichkeiten, gezielt Kontakt zu entsprechend geschulten Beratern aufzunehmen. Hilfesuchende konnten bei der 988-Hotline nicht mehr die Taste „3“ drücken, das Wort „PRIDE“ per Textnachricht senden oder über die entsprechende Online-Chatfunktion mit einem für die Beratung von LGBTIQ+-Menschen geschulten Krisenberater verbunden werden. Seit dem 30. September stehen diese spezialisierten Angebote nun wieder zur Verfügung.
Langfristige Absicherung
Der Vorsitzende des Congressional Equality Caucus, der Abgeordnete Mark Takano, begrüßte die Rückkehr der Krisenhilfe. Gleichzeitig übte er Kritik daran, wie lange die Wiederaufnahme gedauert habe. „Es hätte niemals so lange dauern dürfen, bis die Regierung diese lebensrettenden Angebote wiederherstellt. Sie haben die Sache verzögert, wo immer sie konnten, obwohl sie wussten, dass junge LGBTIQ+-Menschen in einer Krise stecken“, so Takano. Der Congressional Equality Caucus will sich zudem dafür einsetzen, die spezielle Krisenhilfe langfristig abzusichern. Dazu soll eine von Politikern beider Parteien unterstützte gesetzliche Regelung beitragen. „Während wir die Wiederherstellung dieser Angebote feiern, werden wir weiter für die Verabschiedung eines parteiübergreifenden Gesetzes kämpfen, damit diese lebensrettende Hilfe nie wieder abgeschaltet wird.“
Trevor Project begrüßt Neustart
Auch Jaymes Black, CEO von The Trevor Project, begrüßte die Wiederaufnahme der spezialisierten 988-Dienste. Das Angebot richtet sich an eine besonders gefährdete Gruppe. Schätzungsweise 1,8 Millionen junge LGBTIQ+-Menschen in den USA erwägen dem Bericht der Organisation zufolge jedes Jahr ernsthaft einen Suizidversuch. The Trevor Project will nach der Wiedereinführung deshalb auch beobachten, wie das Angebot angenommen wird und wie die Beratung erfolgt. „Wir werden den Start und die Nutzung dieser wichtigen Angebote beobachten, um sicherzustellen, dass alle LGBTIQ+-Jugendlichen nach den klinisch besten Standards unterstützt werden“, erklärte Black. Der queere Jugendverein selbst ist auf Anweisung der US-Regierung nicht mehr involviert. Zudem gibt es Bedenken, ob die Beratung künftig auch trans* Menschen mit einschließt – die verantwortlichen Behörden haben sich an Dekrete des US-Präsidenten zum Thema Zweigeschlechtlichkeit zu halten. Der US-Bundesstaat Kalifornien will deswegen eine eigene, allumfassend inkludierende Helpline ins Leben rufen.