Der offen schwule US-Turner Cooper Kim (20) hat bei seinem ersten internationalen Wettkampf gleich die Goldmedaille gewonnen. Beim World Challenge Cup in Paris setzte sich der Stanford-Athlet am Reck durch. Auch am Boden und am Sprung schaffte es Kim unter die besten Sechs.
Das Wichtigste im Überblick
- Der offen schwule US-Turner Cooper Kim hat bei seinem ersten internationalen Wettkampf Gold am Reck gewonnen.
- Beim World Challenge Cup in Paris setzte sich der Stanford-Turner mit 14,533 Punkten durch.
- Kim schlug damit unter anderem den Olympia-Teilnehmer von 2024 und bisherigen World-Challenge-Cup-Sieger Carlo Macchini.
- Neben seinem Sieg am Reck erreichte Kim auch am Boden und am Sprung die besten Sechs.
- Bereits bei den NCAA-Meisterschaften im April hatte er Gold am Boden und Bronze am Reck gewonnen und mit Stanford den Mannschaftstitel geholt.
- Bei den US-Meisterschaften im August folgte Gold am Reck. Die Leistung brachte Kim erstmals einen Platz in der US-Nationalmannschaft ein.
- Sein sportlicher Aufstieg fällt mit seiner ersten Saison nach dem Coming-Out zusammen.
- Kim sagte, die Unterstützung seines Umfelds habe ihm geholfen, sich frei zu fühlen und auch sportlich weiterzuentwickeln.
- Langfristig hat der angehende Medizinstudent einen Platz im Team USA für die Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles im Blick.
Gold am Reck
Der Ersatzturner der US-Nationalmannschaft hatte die Qualifikation kurz zuvor zunächst auf dem fünften Platz abgeschlossen. Im Finale gelang ihm dann eine schwierige Reckübung mit Flugelementen, Saltos und Drehungen. Dazu gehörte auch ein Element, das vom französischen Turner Jacques Def erfunden wurde. Die Kampfrichter bewerteten Kims Auftritt mit 14,533 Punkten. Damit setzte er sich unter anderem gegen den Olympia-Teilnehmer von 2024 und amtierenden World-Challenge-Cup-Sieger Carlo Macchini durch und sicherte sich bei seinem ersten internationalen Auftritt die Goldmedaille. Kim selbst reagierte anschließend mit einem Scherz auf seinen Erfolg. Zu Bildern von der Medaillenübergabe und seinen Erlebnissen in Paris schrieb er auf Instagram: „Eine gültige Entschuldigung, um die erste Schulwoche zu verpassen?“
Coming-Out und Titel
Der Erfolg in Paris setzt für Kim ein bislang äußerst erfolgreiches Jahr 2026 fort. Bereits bei den NCAA-Meisterschaften im April gewann er Gold am Boden und Bronze am Reck. Zudem holte er mit seiner Mannschaft den nationalen College-Titel. Bei den US-Meisterschaften im August folgte eine weitere Goldmedaille am Reck. Mit dieser Leistung gelang Kim zugleich erstmals der Sprung in die US-Nationalmannschaft. Sein internationales Debüt in Paris brachte dem Stanford-Turner nun innerhalb weniger Monate die nächste Goldmedaille.
Der sportliche Aufstieg fällt mit Kims erster Saison nach seinem Coming-Out zusammen. Kim, der später Medizin studieren möchte, beschrieb die Entscheidung als befreiend. Die Auswirkungen seien weit über seine Leistungen beim Turnen hinausgegangen. „Ich wollte wirklich mein authentisches Selbst zum Vorschein bringen und im Training mein wahres Turnen und meine wahre Persönlichkeit zeigen“, so Kim gegenüber Outsports. Von seinen Trainern und Teamkollegen habe er dabei viel Unterstützung erfahren. „Sie haben mich dabei so sehr unterstützt, und ich konnte während der gesamten Saison spüren, dass sie mich im Training einfach ich selbst sein ließen. Das hat mir nicht nur sportlich in der Halle geholfen, sondern auch als Mensch außerhalb der Halle.“
Meinungen anderer Menschen
Für Kim wirkte sich die neue Offenheit auch unmittelbar auf sein eigenes Empfinden beim Sport aus. „Ich fühlte mich so frei. Es hat mir geholfen, über mich hinauszuwachsen und zu der Art des Turnens zu finden, die sich für mich richtig angefühlt hat.“ Auch nach seinem Coming-Out hat Kim seine Erfahrungen öffentlich thematisiert. Auf Instagram schrieb er darüber, wie sehr die Einschätzungen anderer Menschen das eigene Selbstbild beeinflussen können. „Wenn wir uns an die Meinungen anderer Menschen über uns binden und anhand dessen, was andere über uns denken, definieren, wer wir als Mensch sind, ist das ein sehr schädlicher Vergleich. Es macht einem Angst und hält einen davon ab, wirklich zu erkennen, was man in die Welt einbringt. Und es ist so traurig, wenn ich daran denke, dass ich mich so viele Jahre selbst zurückgehalten habe.“
Für Kim steht der Erfolg in Paris damit am Ende einer Reihe sportlicher Höhepunkte, die zeitlich mit seiner Entscheidung zusammenfallen, offen mit seiner Homosexualität umzugehen. Nach Erfolgen bei den NCAA- und US-Meisterschaften hat Kim nun auch auf internationaler Bühne erstmals Gold gewonnen. Gleichzeitig sammelte er in Paris mit seinen Platzierungen am Boden und Sprung weitere Erfahrungen auf diesem Niveau. Langfristig richtet der US-Turner seinen Blick auf die Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles. Kim hofft auf einen Platz im Team USA.